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Mampemuseum würdigt einen vergessenen Kult-Kräuterlikör

Mampe Halb und Halb galt in Berlin als Kultgetränk. Dann verschwand der Kräuterlikör aus dem Gedächtnis. Mampe ist wieder auf dem Markt und hat ein Museum bekommen.
wazzup!Mampe-Firmenlogo
Der weiße Elefant ist das Firmenlogo der Kräuterlikörs Mampe Halb und Halb

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Die gebürtige Westfälin Karin Erb genoss ihren ersten Mampe in einer Neuköllner Kneipe, wo er als preiswertestes Getränk auf der Karte stand. Sie bestellte, trank und war angetan. Deshalb bekam sie ein Problem: Denn quasi nirgendwo gab es diese typische Berliner Spezialität von Anno Dunnemals.

Mampe Halb und Halb: Aus einer Kräuterrezeptur wurde ein Kultlikör

Das stachelte Erb an und sie fing an zu recherchieren. Dabei stieß sie auf Erstaunliches. Der Kräuterlikör geht zurück auf den preußischen Sanitätsrat Carl Mampe, der 1831 einen Sud aus 130 Kräutern gegen die Cholera zusammenbraute. Diesen schenkte das Rote Kreuz gute 80 Jahre später im Ersten Weltkrieg an Soldaten aus. Zum Kneipenstar brachte es die Rezeptur allerdings erst, als der bittere Trunk mit Bitterorange gemischt angeboten wurde.

Mampemuseum dokumentiert die Geschichte der Spirituose aus Berlin

Ja, Mampe Halb und Halb brachte es sogar zu weltweitem Erfolg, als das Produkt auf der Weltausstellung im US-amerkanischen St. Louis vorgestellt wurde. Das neue Museum, das Ende Mai 2014 eröffnet wurde, zeigt Fotos, Mampegläser, Werbeplakate und Originalflaschen, an denen das Mampe-Logo, weißer Elefant aus Plastik, hing. Eine Sammlung von 1400 dieser Dickhäuter gehören jetzt dem Museum.

Elefant im Zoo, Lufthansa-Cocktail, Hertha-Sponsor

Das Getränk wurde in Berlin legendär. Es gab Mampes Guten Stuben, deren bekannteste die Filiale am Kurfürstendamm war, in der Joseph Roth seinen Radetzky-Marsch schrieb. Mampe schaffte es sogar auf Zeppelin-Flügen angereicht werden.  Der Lufthansa-Cocktail, der in den 1950er-Jahren Furore macht, basierte auf Mampe Halb und Halb und wurde mit Sekt aufgegossen. Im Berliner Zoo hießen zwei Elefanten Carl und Mampe.

Volksmund reimte "auf Mampe/gieß dir einen auf die Lampe"

Der Berliner Volksmund reimte einst: „Sind’s die Augen, geh zu Mampe/gieß dir ordentlich einen auf die Lampe/kannste alles besser seh’n/musste nicht zu Ruhnke geh’n.“ Zum besseren Verständnis für die Jüngeren sei erklärt, dass Ruhnke einmal ein sehr bekannter Optiker in Berlin war. Noch in den 1970er-Jahren prangte das Mampe-Logo auf den Trikots der Hertha-BSC-Spieler.

Renaissance des Kultgetränks, Verkostung im Mampemusuem

Heute wird Mampe Halb und Halb in gehobenen Supermärkten von Promotern wieder unter das Volk gebracht. Mit Erfolg. Der fehlte dem Unternehmen allerdings im Jahre 1983. Kaum noch jemand wollte das Getränk mit dem Altherren-Imagage konsumieren. Seit 2012 wird Mampe Halb und Halb wieder hergestellt. Der Werbefachmann Tom Inden-Lohmar hatte mit seinem Partner Frank Zächel die Marke gekauft und produziert seit 2012 in Sachsen-Anhalt. Vom Altherren-Image ist man durchaus weg. Das kann leiblich erfahrbar sein beim Verkosten im Mampemuseum.

  • Mampemuseum, Hertzbergstraße 1, Neukölln, 12055 Berlin, Anmeldung zu Führungen unter info@mampemuseum.de, Öffnungszeiten: Do.-Sbd., 14-18 Uhr
  • U-Bahnhof Karl-Marx-Straße: U7
  • Bahnhof Berlin Neukölln: U7, S41, S42, S45, S46, S47
  • Bus: M41, 171 (Hertzbergplatz)
Autor:
Andreas Vollbrechtshausen