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Parlamentsgebäude, Symbol und historisches Mahnmal

Reichstag

Er wurde verhüllt und neu verkuppelt, erlebte Feuer, rote Fahnen und Kriegsbeschädigungen. Das Reichstagsgebäude, kurz Reichstag, gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins.
Blick über Spree Reichstag Paul Löbe Haus Kanzleramt
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Mehr als 15 Millionen Besucher zählte der Reichstag seit dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin. Viele von ihnen lockt die gläserne Kuppel, die der britische Architekt Sir Norman Foster dem Gebäude aufsetzte und die öffentlich zugänglich ist.

Erbaut wurde das Reichstags-Gebäude zwischen 1884 und 1894 nach Plänen von Paul Wallot. Der Bau war nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 notwendig geworden - das neu gewählte Parlament benötigte einen Plenarsaal. Entstehen sollte er auf dem Königsplatz, dem heutigen Platz der Republik. Dort stand zu der Zeit allerdings noch das Palais des polnisch-preußischen Diplomaten Athanasius Graf von Raczynski, der nicht bereit war, das Grundstück herzugeben. So wurde ein Provisorium für den Reichstag in den Räumen der Königlichen Porzellanmanufaktur an der Leipziger Straße 4 gefunden. Nach Raczynskis Tod stimmte dessen Sohn der Übergabe des Grundstückes auf dem Königsplatz zu. Entschädigt wurde er mit etwa einer Million Reichsmark.

Paul Wallot und Sir Norman Foster prägten das Gebäude

Mit dem Bau des Reichstags-Gebäudes wurde Paul Wallot beauftragt, dessen Entwurf in einem Architektenwettbewerb im Jahre 1882 überzeugt hatte, allerdings gab es immer wieder Überarbeitungswünsche. Bei der Grundsteinlegung am 9. Juni 1884 waren Kaiser Wilhelm I., sein Sohn und der Enkel anwesend. Wallot schuf den Reichstag im Stil des Historismus. Die Fassaden gestaltete er mit Formen der Neorenaissance, dazu kamen ein bisschen Neobarock und deutsche Renaissance. Über allem thronte die Kuppel, deren Bau für Probleme gesorgt hatte – ursprünglich sollte sie aus Stein sein, doch sie war zu schwer. Außerdem forderte der Kaiser, dass sie das Stadtschloss nicht überragen dürfe. So entstand eine kleinere, Konstruktion aus Stahl und Glas, die bei Traditionalisten aufgrund ihrer Modernität für Unmut sorgte.Innen im Reichstag wurden neben den Sitzungssälen eine große Bibliothek, ein Lesesaal, Archiv und mehrere Sprechzimmer eingerichtet, viele Räume waren mit Holz verkleidet.

Am 5. Dezember 1894 war Schlusssteinlegung für den Reichstag. Der Giebel über dem Haupteingang wurde mit einem steinernen Reichswappen gestaltet, an anderen Stellen wurden Wappen deutscher Lände und Städte angebracht. Der Schriftzug „Dem deutschen Volke“, der heute über dem Haupteingang prangt, kam allerdings erst Ende 1916 hinzu.Von einem der Balkone aus rief am 9. November 1918 der Politiker Philipp Scheidemann die „deutsche Republik“ aus – heute erinnert eine Gedenktafel daran.

Der Reichstags-Brand und seine Folgen

In der Nacht zum 28. Februar 1933 brach im Reichstag Feuer aus. Als Schuldiger galt der Niederländer Marinus van der Lubbe, der angab, allein gehandelt zu haben. Die NSDAP aber nahm das als Vorwand, gegen die Kommunistische Partei (KPD) vorzugehen. Zahlreiche KPD-Mitglieder wurden festgenommen, die sogenannte Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) beschlossen. Damit wurden die wesentlichen Grundrechte außer Kraft gesetzt. Intellektuelle wie Carl von Ossietzky, Erich Mühsam oder Egon Erwin Kisch wurden verhaftet. Mühsam starb im KZ, Ossietzky an den Folgen der KZ-Haft, Kisch, der tschechischer Staatsbürger war, wurde ausgewiesen. Der mutmaßliche Brandstifter Marinus van der Lubbe starb 1934 unter der Guillotine.

Nach dem Brand tagte das Parlament in der nahegelegenen Krolloper, im Reichstag zeigten die Nazis Ausstellungen mit antisemitischen Titeln wie „Der ewige Jude“, später diente der Bau als Lazarett. Am 30. April 1945 hisste die Rote Armee eine rote Sowjetfahne auf dem Reichstag – eine Szene, die der Militärfotograf Jewgeni Chaldej auf einem berühmten Foto festhielt.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Bauwerk stark beschädigt, die Kuppel wurde 1954 gesprengt. Ein Jahr später beschloss der Bundestag den Wiederaufbau, den Paul Baumgarten bis 1973 gestaltete – allerdings ohne die Verzierungen an der Fassade. Nach dem Viermächte-Abkommen von 1971 duften keine Bundestags-Plenarsitzungen mehr in Berlin stattfinden 1971 zog die Ausstellung „Fragen an die deutsche Geschichte“ in den Reichstag ein, deren Weiterentwicklung „Wege, Irrwege, Umwege. Die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland“ seit 1996 im Deutschen Dom zu sehen ist.

Als der Deutsche Bundestag nach der Wiedervereinigung 1990 den Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin beschloss, verwandelte sich der Reichstag wieder in ein Plenargebäude. Allerdings erst nachdem das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude den Reichstag in einer spektakulären Aktion im Juni 1995 für zwei Wochen mit einem silbrig glänzenden Gewebe verhüllt hatte. Der „Verhüllte Reichstag“ zog fünf Millionen Neugierige an und machte das Reichstags-Gebäude weltberühmt.

Mit dem Umbau des Reichstages wurde der britische Architekt Sir Norman Foster beauftragt. Zunächst musste die gewaltige Menge von 45.000 Tonnen Schutt beseitigt werden. Foster gestaltete das Innere modern, das Äußere stellte er behutsam wieder her. Eine Kuppel hatte Foster in seinem Entwurf nicht vorgesehen, doch auf Wunsch der politischen Entscheidungsträger schuf er die gläserne Kuppel mit spiralförmigen Wegen für Besucher. Mit einem Gewicht von 1200 Tonnen, einem Durchmesser von 38 Metern und einer beinahe federleichten Anmutung hat sie es heute zur Besucherattraktion geschafft.

Vor dem Reichstag erinnert seit 1992 ein Denkmal an die 96 Abgeordneten, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Studenten Klaus Eisenlohr, Justus Müller und Christian Zwirner schufen 96 Gusseisenplatten die mit Namen, Lebensdaten, Parteizugehörigkeit und Sterbeort versehen sind. Im Inneren des Reichstages wurde zudem eine Gedenkstätte für die verfolgten Abgeordneten eingerichtet.

Adresse: Deutscher Bundestag, Platz der Republik 1, Mitte. Tel. Besucherdienst: 030/227-32152. Führungen: tgl. 10.30, 13.30, 15.30 und 18.30 Uhr (in der sitzungsfreien Zeit). Anmeldung mit Angabe des gewünschten Datums und drei Alternativ-Terminen erforderlich an den Deutschen Bundestag (Besucherdienst), Fax 030/227-30027 oder besucherdienst@bundestag.de

Familienführungen sonnabends 10, 12.30 und 14.30 Uhr, sonntags 10, 12.30 Uhr

Anfahrt: Hauptbahnhof, Bus 100

www.bundestag.de

 

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