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Renaissance-Theater

Literarischer Anspruch und Unterhaltung auf einer Bühne

Das Renaissance-Theater in Charlottenburg gilt als Europas einziges vollständig erhaltenes Art-Déco-Theater. In dem eindrucksvollen Gebäude, das 1922 eröffnet wurde, standen Schauspiel-Größen wie Tilla Durieux, Paul Hörbiger oder Grethe Weiser auf der Bühne.
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Renaissance-Theater

Der Name ist ein bisschen irreführend: Mit Renaissance hat das Renaissance-Theater nichts zu tun. Es ist das einzige komplett erhaltene Art-Déco-Theater Europas – und schon deshalb sehenswert. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Ecke Knesebeck- und Hardenbergstraße in Charlottenburg fängt die Blicke ein durch seine fünf hohen Fenster – die blaue Verglasung stammt von der Künstlerin Hella Santarossa. Und auch das Innere des Renaissance-Theaters ist sehenswert: Die Innenausstattung aus den 1920er Jahren ist noch fast vollständig erhalten. Dazu gehört etwa ein Intarsienwandbild des Bühnenbildners César Klein (1876-1954) im Balkonbereich des Theaters. Es zeigt Szenen der Commedia dell’arte („Berufsschauspielkunst“).

Gehobene Unterhaltung im Art Déco-Ambiente

Auf dem Programm des Renaissance-Theaters steht gehobenes Unterhaltungstheater, das mal in Richtung Kabarett, mal in Richtung Komödie geht und in dem viele prominente Schauspieler auf der Bühne stehen.

Eröffnet wurde das Renaissance-Theater am 18. Oktober 1922 in dem Gebäude, das 1902 von für den Akademischen Verein „Motiv“ – eine Einrichtung, die Studenten unterstützte und den Gedankenaustausch förderte – erbaut wurde. Anschließend war es Kino gewesen, bis es zum Renaissance-Theater wurde. Zur Eröffnung zeigte Theaterleiter Theodor Tagger Gotthold Ephraim Lessings Stück „Miss Sara Sampson“.

Oskar Kaufmann baute das Renaissance-Theater 1926 um

1926 baute Oskar Kaufmann, von dem u.a.auch die Baupläne des Hebbel-Theaters, des Theaters sowie der Komödie am Kurfürstendamm und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz stammen, das Renaissance-Theater um. Von ihm stammt der halbrunde Vorbau mit den hohen, schlanken Rundbogenfenstern, dahinter schuf er eine Kassenhalle und verbreiterte den einst schlauchartig schmalen Theatersaal, in dem César Kleins Intarsien ihren Platz fanden. Am 8. Januar 1927 wurde Wiedereröffnung des Renaissance-Theaters gefeiert. Auf der Bühne lief „Krankheit der Jugend“ von Ferdinand Bruckner – ein Mann, dessen Name bislang unbekannt war. Es dauerte eine Weile, bis herauskam, dass sich hinter diesem Pseudonym der einstige Theaterdirektor Theodor Tagger verbarg. Als Ferdinand Bruckner wurde er zu einem der bedeutendsten Dramatiker der Weimarer Republik.

1937 bezogen die Reichsschrifttumskammer und das Wehrbezirkskommando X die Räume über dem Theater. Über die Schauspiel-Aktivitäten dieser Zeit ist wenig bekannt. Dokumentiert ist, dass das Renaissance-Theater 1943 in „Kleines Haus des Schiller-Theaters der Reichshauptstadt“ umbenannt wird.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Renaissance-Theater kaum Schäden. Schon am 27. Mai 1945 gab es mit „Der Raub der Sabinerinnen“ die erste Aufführung. 1946 übernahm Kurt Raeck die Leitung des Renaissance-Theaters – er blieb 33 Jahre in diesem Amt. In dieser Zeit engagierte er Berühmtheiten wie Tilla Durieux, Paul Hörbiger oder Grethe Weiser für die Stücke, auf dem Programm, das literarischen Anspruch mit Unterhaltung verband, standen Werke von Beckett bis Sartre.

Eine Attraktion kam 1985 ins Renaissance-Theater: Im Rahmen der Restaurierung des Theaters durch Michael Lindenmeyer setzte die Künstlerin Hella Santarossa die leuchtend blaue Verglasung in die hohen Rundbogenfenster des Vorbaus.

Seit 1995 ist Horst Filohn Intendant des Renaissance-Theaters. Er setzt auf internationale Gegenwartsdramatik, Unterhaltung auf hohem Niveau und auf die kritische Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Heute wie einst treten hier berühmte Schauspieler von Mario Adorf über Heinz Bennent bis Udo Samel auf. Um die Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes kümmert sich ein Förderverein.

Renaissance-Theater

Knesebeckstraße 100, Charlottenburg, Kartentelefon: 030/312 42 02, www.renaissance-theater.de

Anfahrt: U2 bis Ernst-Reuter-Platz, S Savignyplatz, Bus 245, M45, X9

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