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Am Kudamm hat der Wechsel von Erfolg und Krise Tradition

Komödie und Theater am Kurfürstendamm

Dort, wo einst die Berliner Secession residierte, wird seit 1921 Theater gespielt. Die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm lockten das Publikum zunächst mit Klassikern, später kamen Revuen dazu. Heute steht hauptsächlich anspruchsvoller Boulevard auf dem Programm der beiden Bühnen.
Komödie am Kurfürstendamm

Komödie am Kurfürstendamm

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Komödie am Kurfürstendamm

Um kaum ein Theater wurde in den letzten Jahren soviel diskutiert wie um das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm. Nachdem den Bühnen Ende 2005 die Mietverträge gekündigt worden waren, gab es heftige Proteste. Zwei Eigentümerwechsel später heißt es, dass zumindest ein Theater gesichert ist. Zeitweise spielten die Einrichtungen ohne gültigen Mietvertrag. Der neue Besitzer des Grundstücks will auf dem Gelände ein Logentheater mit 650 Plätzen errichten und die historischen Bühnen abreißen.

Die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm entstanden auf bedeutsamem Boden: Hier residierte einst die Berliner Secession. Die Künstlergruppe unter Max Liebermann hatte sich 1898 gegründet, 1915 zog sie in das von Bruno Jautschus errichtete Gebäude am Kurfürstendamm ein, das ihr als Ausstellungshaus diente. Eine Tafel erinnert heute an die Künstlergruppe. Schon 1906 wurde im großen Saal des Ausstellungsgebäudes erstmals Theater gespielt, ein Jahr später begann der Umbau des Saals zum ständigen Theater. Aber es dauerte noch einmal 14 Jahre, bis der Theaterarchitekt Oskar Kaufmann den Saal zum „richtigen“ Theater umbaut – das Kurfürstendamm-Theater ist entstanden.

1924 wurde Oskar Kaufmann erneut aktiv. Auf dem Nebengrundstück baute er im Auftrag von Max Reinhardt die Komödie am Kurfürstendamm – ein elegantes Boulevardtheater, in dem als erstes Stück Carlo Goldonis „Diener zweier Herren“ zu sehen ist. Drei Jahre später übernahm Ferdinand Bruckner, der eigentlich Theodor Tagger hieß, das Theater am Kurfürstendamm und ließ dort hauptstächlich Revuen, etwa von Friedrich Hollaender, spielen. Doch schon 1928 übernahm Max Reinhardt das Theater am Kurfürstendamm und ließ es von Oskar Kaufmann umgestalten. Später wechseln die Direktoren häufig, bis 1935 der Opernregisseur Hans Wölffer das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm übernimmt.

1946 wurde in der Komödie am Kurfürstendamm schon wieder Theater gespielt

Der Zweite Weltkrieg hinterließ heftige Spuren im Theater und der Komödie am Kurfürstendamm. Bomben beschädigten die Häuser 1943 schwer. Drei Jahre später begann der Wiederaufbau. In Ermangelung von Sitzmöglichkeiten wurden Stühle aus ausgebombten anderen Theatern herangetragen. Mit Schillers „Kabale und Liebe“ nahm die Komödie am Kurfürstendamm 1946 wieder ihren Betrieb auf, ein Jahr später folgte das Theater am Kurfürstendamm mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“.

Doch schon 1948 war vorläufig Schluss: Das Theater am Kurfürstendamm wurde zum Kino, und nach einem Jahr begann dort eine 13-jährige Zeit, in der das Theater Spielstätte der Freien Volksbühne war. Regisseure wie Erwin Piscator arbeiteten hier mit Schauspielern wie Wolfgang Neuss, Wolfgang Spier oder Tilla Durieux.

Leichte Muse und politisches Kabarett

In der Zwischenzeit änderte sich auch einiges bei der Komödie am Kurfürstendamm, die ziemlich heruntergekommen war. Hans Wölffer ließ die Bühne renovieren und vergrößerte sie auf 600 Plätze. Fortan gastieren hier Stars wie Grethe Weiser oder Rudolf Platte, wurden erfolgreiche musikalische Stücke wie „Kiss me Kate“ gespielt, und auch politisches Kabarett mit Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller hatte hier Erfolg.

Als die Freie Volksbühne aus dem Theater am Kurfürstendamm auszog, wurde Hans Wölffer auch Direktor dieser Bühne und renovierte es. Fortan strahlte es in den Farben gold, beige und rot.

1971 wurde das Kudamm-Karree gebaut – die modernen Bauten umschließen seither die historischen Theater. Drei Jahre später wurde Jürgen Wölffer Geschäftsführer von Theater und Komödie am Kurfürstendamm, die beide sehr erfolgreich liefen: Ein Großteil der Stücke wurde im Fernsehen übertragen.

Erfolg und Krise

In den Folgejahren hatten Theater und Komödie am Kurfürstendamm damit zu kämpfen, dass sie keine staatlichen Subventionen bekommen. Hohe Kosten machten ihnen zu schaffen – trotz guter Auslastung. 2004 übernahm Jürgen Wölffers Sohn Martin die Leitung der Häuser. Er verjüngte das Programm und hatte etwa mit Kristof Magnussons „Männerhort“ 2005 großen Erfolg. Musikstücke mit den Comedian Harmonists und anspruchsvolles Boulevard-Theater mit Jochen Busse, Herbert Herrmann, Anita Kupsch, Katharina Thalbach und anderen sind der Schwerpunkt der Bühnen.

Dennoch kam Ende 2005 die Kündigung durch den neuen Eigentümer des Kudamm-Karrees, die db-Real-Estate: Ende 2006 sollte für die beiden Theater, die nicht unter Denkmalschutz stehen, Schluss sein. Heftige Proteste verhinderten das schnelle Ende, die Mietverträge wurden noch einmal verlängert. Inzwischen fiel, wie bereits erwähnt, der Beschluss, dass die beiden historischen Theater abgerissen und ein neues Logentheater im Stil Max Reinhardts und Oskar Kaufmanns erbaut werden soll. Ob der Theaterbetrieb in der Bauzeit eingestellt werden muss oder eine Ersatzspielstätte gesucht wird, steht noch nicht fest.

Komödie und Theater am Kurfürstendamm

Kurfürstendamm 206-209, Charlottenburg, Tel. 030/88 59 11 88. www.komoedie-berlin.de.

Anfahrt: U1 Uhlandstraße, U9 Kurfürstendamm, Busse 109, 110, M19, M29, 219 Kurfürstendamm/Ecke Uhlandstraße

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