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Seit einiger Zeit hängt es in der Villa Harteneck in Grunewald und wartet auf Käufer.
Anfangs gab es in der Grunewaldvilla nur Blumen. Doch der Geschäftsführer und gelernte Florist Frank Stüve musste einsehen, dass die Kunden mehr wollten. Immer wieder fragten sie nach den Möbeln, die nur aufgestellt waren, um die Blüten in Szene zu setzen. Bald war Stüve es leid, die Interessenten immer aufs Neue zu vertrösten. Also stellte er das Konzept des Geschäfts vom Kopf auf die Füße: Alles bekam jetzt ein Preisschild.
Die Idee ging auf. Schnell wuchs die Zahl der Verkaufsräume von zwei auf sieben. Und das, obwohl das finanzklamme Berlin nicht als der Ort bekannt ist, an dem die Leute viel Geld für Accessoires und Lifestyle ausgeben. Das wusste Stüve, der ein ähnliches Geschäft schon in Österreich leitete - und investierte dennoch.
Überall wollen die Leute das Schöne, dachte er. Das bekommen sie nun in seiner Oase: Formschöne Sofas, Vasen, Töpfe, Kerzenhalter, Porzellan, Döschen und viele mehr. Darunter werden auch die Kunden fündig, die nicht gleich 25 000 Euro ausgeben wollen. Ein Weinglas für sechs Euro etwa, oder ein Ziersalatblatt aus Gummi, das man für zwei Euro bekommt.
"Wer das erste Mal herkommt, ist nicht auf der Suche nach einem bestimmten Weinglas", sagt Stüve. "Die meisten Besucher verschaffen sich zunächst einen Gesamteindruck." Sie durchqueren die Hallen der 1911 erbauten Villa, wandeln über das dunkle Parkett des Kaminzimmers mit seiner ausladenden Fensterfront und fünf Meter Deckenhöhe oder betreten die im Sommer offene Orangerie mit Blick auf einen kleinen Park. Es ist mehr ein Flanieren durch eine Ausstellung als der zielstrebige Gang durch ein Geschäft.
Stüve inszeniert die Gegenstände. Die Zimmer werden je nach Jahreszeit in eine andere Farbe getaucht. "Ein Raum soll eine Geschichte erzählen", sagt er. Die Gäste sollen denken: Hier wohnt eine Frau, die verspieltes Design mag, vielleicht eine Schauspielerin oder Balletttänzerin. Der Terrassensalon bleibt einem Möbeldesigner vorbehalten. Momentan werden dort die Stücke des Mailänders Romeo Sozzi gezeigt. Sozzis Label pro memoria bedient sich vor allem der Formsprache der 40er-Jahre, sagt Stüve. Begeistert ist er vor allem von einem kleinen Sekretär, der in Gänze mit purpurnem Leder bezogen ist.
Wenige Meter entfernt wird der Gast von einer kleinen Mao-Armee überrascht. In Reih und Glied stehen die Diktatoren aus Porzellan auf einem kleinen Regal. "Die habe ich von einem Flohmarkt aus Shanghai mitgebracht", sagt Stüve. Überhaupt bringt er die meisten Einrichtungsideen aus aller Welt mit nach Berlin. Regelmäßig ist er Gast auf Messen in Paris und Mailand. Aber auch in Hotels schaut er sich Trends ab. "Da reicht es manchmal, ein Getränk an der Hotelbar zu nehmen, um sich inspirieren zu lassen." Bisher ist Stüve eine Art Jäger und Sammler. Er sucht Gegenstände, die seine Vorstellung von Wohnen verkörpern. Demnächst wird der Fundus um Selbstgemachtes ergänzt. Ab September wird es die hauseigene Marke "Frank Stüve Home" geben. Als moderne Klassik bezeichnet Stüve den Stil der Kollektion, die unter anderem Reichenbacher-Porzellan und in Deutschland produzierte Bettwäsche beinhaltet.
Natürlich kann Stüve das nicht alles alleine schaffen. Neben der zweiten Geschäftsführerin Gisela von Schenk arbeiten in der Villa Harteneck 16 Angestellte: Innenarchitekten, Floristen und Verkäufer. Man könnte sie allesamt als Eingeweihte bezeichnen. Wohnen ist für Stüve nicht das Zusammenwürfeln von Gegenständen in einem Raum, sondern eine Symbiose aus Mobiliar, Accessoires und räumlichen Gegebenheiten. Deshalb verkaufen die Angestellten auch nicht einfach nur Möbel. Sie müssten auch die Atmosphäre und die jeweiligen Saison-Settings durchdringen und rüberbringen können.
Verständnis für die richtige Atmosphäre ist auch im Planungsbüro ein Muss. Dort sitzen vier Innenarchitekten an weiß lasierten Tischen, über ihnen hängen lange rote Lampenzylinder. Die Erscheinung von Apartments und Häusern von Hamburg bis München wird hier entwickelt. "Sein Zuhause einrichten zu lassen, fordert viel Vertrauen", sagt Stüve. Vor allem Berlin sei in dieser Hinsicht offen für Neues. Ein Grund mehr, warum es richtig war, sich für die Stadt an der Spree zu entscheiden. Und auch diese Villa mitten im Grunewald war ein Glücksgriff. Denn nach Mitte oder Kreuzberg, wo Stüve ursprünglich hin wollte, hätte der schwere Kronleuchter wohl nicht so gut gepasst.
Villa Harteneck Douglasstraße 9, Grunewald, Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Sonnabend 10 bis 18 Uhr, Tel. 89 72 78 90 www.villa-harteneck.de
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