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Berliner Perlen

Schriller wohnen

Kugelschreiber, Spülbürste, Thermosflasche oder Handtuchhalter: Die Dinge des alltäglichen Lebens sollen eigentlich nur funktionieren. Doch wenn man näher hinschaut, können diese auch Geschichten erzählen.
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Über die Zeit, in der sie erfunden wurden und über die Menschen, die sie benutzen. Hierzulande haben jahrzehntelang Plastikwäscheklammern in Pastelltönen dominiert. Heute bevorzugen Menschen schlicht geschnitzte Holzklammern ohne Federn. In China dagegen mögen die Kunden, wie man im o.k.-shop in Mitte erfahren kann, bunte Delfin-Wäscheklammern, während in Indien rohe Aluminium-Konstruktionen zum Einsatz kommen. Diese sehen allerdings so archaisch und scharfkantig aus, dass man ein wenig davor zurückschreckt, die Dinger auch tatsächlich anzufassen.

Der Laden in der Alten Schönhauser Straße beherbergt alles, was sein Schöpfer Lukas Plum unter dem Begriff "ungewöhnliche Alltagsgegenstände" zusammenfasst. An den Preisschildern ist immer auch das Herkunftsland der Objekte vermerkt. Und so staunen die Kunden über die praktischen Tapetenroller aus Polen, über Flaschenöffner aus Bulgarien mit der Aufschrift "Koka Kona" und über schrill bunte Gießkannen aus Senegal. "Am liebsten mag ich die Gegenstände aus Afrika, auch wenn die Qualität oftmals nicht gerade die Beste ist", sagt der Ladenbetreiber. "Ich finde es sehr schön, wie die Farben eingesetzt werden und glaube, dass man den Dingen ansehen kann, dass die Leute Spaß daran haben, sie zu entwerfen und anzufertigen."

Inspirationen aus dem Ostblock

Lukas Plums Begeisterung für kuriose Alltagswaren begann schon als Jugendlicher. Der gebürtige Mainzer besuchte gemeinsam mit seinen Eltern häufig Verwandte in Dresden und Neubrandenburg. "Ich war sehr fasziniert davon, dass die Menschen dort so redeten und fühlten wie wir, sich allerdings mit völlig anderen Gegenständen umgaben", sagt der heute 47-Jährige. "Viele Dinge dort sahen völlig anders aus, als alles, das ich jemals zuvor gesehen hatte." Als er später Kunst in Düsseldorf studierte, reiste er in den Ferien immer wieder durch Polen, Russland und Bulgarien. Die ersten Produkte, die er mit seinem Auto importierte, waren Seifenschalen, die man mit Hilfe von Gummisaugern fixieren konnte.

Zunächst verkaufte der Künstler seine Waren sonnabends in einem Atelier. 1998 eröffnete er einen Internethandel und wenig später einen Laden in Köln. Drei Jahre später öffnete sein Berliner Shop an der Alten Schönhauser Straße in Mitte. Auf die Waren im o.k.-shop trifft keines der Adjektive zu, mit denen Produkte heutzutage normalerweise beworben werden. Sie sind nicht hochwertig, nicht innovativ, nur bedingt funktional und werden sicherlich nicht nachhaltig produziert. Das meiste ist aus echtem, buntem, glänzendem und federleichtem Plastik, das nur wenig mit dem kühlen harten Kunststoff gemein hat, der für einheimische Haushaltsgegenstände verwendet.

Das Innere des Ladens ist karg und schlicht. Es sind die Waren, die dort für sich sprechen und bei den Besuchern die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen. Von Entzücken über ungläubiges Kopfschütteln bis hin zum Lachanfall. Sehr gerne in die Hand genommen wird beispielsweise die "2er-Eiertasche". Dabei handelt es sich um ein bizarres, hellrosa Plastik-Objekt, das schon zu DDR-Zeiten produziert wurde. Zwei hart gekochte Frühstückseier passen in die Tasche aus Hartplastik. Im Inneren sorgen kleine Plastikfühler dafür, dass die Eier nicht verrutschen oder zu Bruch gehen. Ein paar Meter weiter liegen mexikanische Polyester-Wrestling-Masken, die Käufer umgehend in einen gefürchteten "Lucha Libre"-Kämpfer verwandeln können.

Anderes verströmt einen unwiderstehlich kindlichen Charme, wie etwa die "Affen-Rechenmaschine". Mit dem historischen Rechengerät aus Blech, das 1916 patentiert wurde, können Zahlen von eins bis zwölf multipliziert werden. Die Füße des Affen lassen sich auf die Zahlen schieben. Das Ergebnis ist in einem Quadrat zwischen den Affenpfoten abzulesen.

Ein besonderes Faible hat Lukas Plum zudem für Recycling-Gegenstände, etwa Kerzenständer und Topfuntersetzer, die aus alten Kronkorken zusammen gebaut wurden. Oder aus Lkw-Planen gefertigte Beutel. Noch lieber sind Lukas Plum allerdings die russischen Fußballtaschen, die in einem zeitlos unmodernen Königsblau daher kommen und einen großen weißen kyrillischen Schriftzug tragen.

Indische Lunchbox

Der Handel mit den ungewöhnlichen Alltagsgegenständen gleicht oftmals einem Wettlauf gegen die Zeit. Denn im Zuge der Globalisierung konkurrieren die bunten Plastikobjekte, die Lukas Plum importiert, mit den Waren, die auch in der westlichen Welt erhältlich sind.

Und so verschwinden immer wieder Produkte aus dem Sortiment des o.k.-shops, weil ihre Produktion eingestellt wurde. "Die Leute dort können sich für diese Alltagsgegenstände nur wenig begeistern, deshalb sind die Waren mitunter nur noch sehr schwierig zu bekommen", sagt Lukas Plum. Vor kurzem betrat ein Kunde seinen Laden, der von einer Indienreise heimgekehrt war und die hübschen Edelstahl-Lunchboxen suchte, die zu den Verkaufsschlagern des o.k.-shops gehören. Die Suche vor Ort war vergeblich gewesen. Nachschub fand der Mann erst in Berlin-Mitte.

o.k.-shop, Alte Schönhauser Straße 36/37, Mitte, Tel. 24 63 87 46, www.okversand.de

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