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Berliner Perlen

Schöner kochen

Ein Zanderfilet, auf der Hautseite gebraten in Olivenöl, das mit frischem Thymian, Rosmarin und Knoblauch aromatisiert wurde. Dazu ein wenig Mangold oder Blattspinat und ein schlichtes Risotto - so sieht für Melanie Höner "ein schnelles, ganz einfaches Essen" aus.



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Die Welt, in der sich die Ladenbesitzerin und Leiterin einer Kochschule bewegt, ist eine heile Genuss-Welt fernab von Tiefkühlpizzas, Gulasch-Fix oder Instant-Nudeln. Auserwählte Ingredienzen vom Chassis-Essig bis zur Zimtstange findet man in ihrem Schöneberger Laden "Kochen & Würzen" Die passende Anleitung erhalten ambitionierte Hobbyköche in der Kochschule, die sich in den hinteren Räumen verbirgt.

 

Sonnabends, wenn ganz Berlin zum Winterfeldmarkt strömt, ertönt die Ladenglocke im Minutentakt und die Stehplätze zwischen den überbordenden Regalen werden rar. Immer wieder hört man leise Ausrufe des Entzückens und den Satz "Schau mal, so etwas hatte meine Oma auch!". Dann hat jemand eine rosa Eieruhr, eine zarte Kaffeetasse oder eine Küchenwaage im Retrolook entdeckt.

 

Neben feinen Küchenklassikern aus Porzellan, Holz oder Steingut finden sich auch quietschbunte Plastikobjekte, wie beispielsweise ein neuartiger Knoblauchschäler, den man in eine Knolle drückt und so lange dreht, bis die nackten Knoblauchzehen abfallen. "Das funktioniert wirklich", sagt die Ladenbesitzerin. Ohnehin verkaufe sie nur Dinge, die sie beim Kochen erprobt hat und von denen sie wirklich überzeugt ist.

 

Schon längst zählen Profi- und Hobbyköche zu ihren Stammkunden. Sie wissen, dass sie bei "Kochen & Würzen" fündig werden, wenn sie Champignonbürsten, Fischgrätenpinzetten und Spicknadeln für den nächsten Sonntagsbraten brauchen, und sie steuern zielgerichtet auf die Regale zu, um ein Glas mit dem Paprika-Mousse "Piment d'Espelette" oder eine edle Senfsorte zur Kasse zu tragen.

Stetes Ausprobieren

Ihr Wissen über Lebensmittel und ihre Kochkünste hat sich Melanie Höner alleine beigebracht, durch Kochbücher und vor allem durch stetes Ausprobieren. "Ich komme aus einer Familie, in der gut und gerne gekocht und gegessen wurde. Gemeinsamer Genuss war für uns sehr wichtig", erzählt sie. Schon mit acht oder neun Jahren stand die Berlinerin in der Küche und versuchte, die Gerichte ihrer Mutter nachzukochen. Ein weiteres, wichtiges Erlebnis hatte sie im Alter von 16 Jahren, während eines sechswöchigen Aufenthalts bei einer französischen Familie. "Schon werktags wurde dort sensationell gut gekocht, am Wochenende und bei Festen wurden die unglaublichsten Köstlichkeiten aufgetischt: Pasteten, Tartes, raffinierte Salate... Da wusste ich: Das will ich auch", erzählt Melanie Höner.

 

Von diesem Zeitpunkt an begann sie, Kochbücher zu verschlingen und in ihrer Freizeit mit wachsendem Ehrgeiz zu kochen. Sehr zur Freude ihres gesamten Freundeskreises. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie jahrelang in der Immobilienwirtschaft, bis sie sich entschloss, ihr Hobby zum Beruf zu machen. "Es war die hundertprozentig richtige Entscheidung", findet sie heute. Dass sie zu Anfangszeiten ungefähr hundert Stunden pro Woche arbeiten musste und in den letzten fünf Jahren nie mehr als sechs Tage Urlaub am Stück hatte, gehörte zu der Verwirklichung ihres Lebenstraumes wie selbstverständlich dazu. Bis heute ist sie an manchen Tagen von morgens bis spät in die Nacht mit der Kochschule, mit dem Laden und mit Catering-Aufträgen beschäftigt.

Kurse und Profiköche

Mittlerweile beschäftigt sie zwei Mitarbeiter in ihrem Laden und mehrere Profiköche, die Kurse zu speziellen Themen wie "Hawaiianische Küche" oder "Kochen mit Pilzen" geben. Wenn sie selbst einen Kurs leitet, stehen meist mediterrane Gerichte oder Fisch auf dem Programm. Speisen mit raffiniert gewürzten, aromatischen Saucen sind ihr die liebsten.

 

Das Herz des Ladens sind deshalb auch zweifellos die Gewürze. "Mit Gewürzen kann man viel erreichen, aber auch fast genauso viel falsch machen. Kleine Veränderungen reichen aus, um einer Speise eine völlige neue Richtung zu geben", erklärt Melanie Höner. Dutzende riesiger Gläser in ihrem Laden enthalten Würzpulver, Kräuter und Mischungen wie "Ras el-Hanout". Die Gewürzmischung, die in keinem Couscous fehlen darf, ist typisch für die marokkanische Küche und bedeutet wortwörtlich "Kopf des Ladens". "Wer ein gutes Ras el-Hanout macht, ist in den Augen der Marokkaner ein guter und vertrauenswürdiger Ladenbesitzer, deshalb ist es für mich natürlich Ehrensache, dass ich mein eigenes Ras el-Hanout mixe", sagt Melanie Höner lachend.

 

Am meisten freut sie sich, wenn Kunden ihre fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen. "Es gibt Leute, die zu mir kommen und mich fragen, was sie für einen bestimmten Anlass kochen sollen. Dann erkundige ich mich zunächst einmal, wie viele Gäste kommen, wie groß die Küche ist und wie viel Zeit zur Vorbereitung zur Verfügung steht", erzählt die Ladenbesitzerin. Die Leute verlassen den Laden ein bisschen schlauer, mit einem oder mehreren Rezepten in der Tasche und mit den entsprechenden Einkaufstipps. Menschen dahin zu bringen, dass auch sie Risotto oder Geflügelragout und andere Köstlichkeiten wie selbstverständlich auf den Tisch bringen können, ist eben Melanie Höners wichtigstes Ziel.

 

Kochen & Würzen Goltzstrasse 51, Schöneberg, Tel.21 99 66 69, Di.-Fr. 12- 19 Uhr, Sa. 11-16 Uhr

 

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