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Er wolle bitte unbedingt hier übernachten, habe er das Personal angefleht. Warum - das konnte der verwirrte Mann aber auch der herbeigeeilten Polizei nicht sagen, die ihn letztlich aus seinem Versteck holen musste. "Großes Theater eben", sagt Eberhardt.
Die Anekdote bringt die Faszination des Ladens auf den Punkt. In dieser Welt aus unechten Möbeln, Accessoires und Kostümen kann man sich verlieren, genau wie in der Illusion, die diese Dinge auf einer Bühne oder im Film erzeugen sollen.
Der Schwerpunkt des Fundus liegt auf den Epochen Barock und Rokoko. "Das Stichwort heißt Üppigkeit", sagt Eberhardt. Keines der Gegenstände, die sich über 500 Quadratmetern auf zwei Stockwerken ausbreiten, ist dennoch älter als 20 Jahre. Dabei erkenne man sofort, was einmal auf der Bühne, was vor der Kamera gestanden habe. "Bühnenmöbel sind viel grober gearbeitet", sagt Eberhardt. Einige dieser Gegenstände kosten schon mal ein paar Hundert Euro. Auf ähnlichem Niveau bewegt sich der Preis für aufwendig gearbeitete Kostüme. Die gibt es dafür auch leihweise, für zehn Prozent des Verkaufspreises pro Tag. Oder man begnügt sich gleich mit einem einfachen Stück Stoff, das ab neun Euro zu haben ist.
Seit zwölf Jahren gibt es den Fundusverkauf. Er liegt schräg hinter der Komischen Oper. Aus einem offenen Fenster im ersten Stock lugt ein goldener Schwan. Der Vogel ist so groß, dass man ihn nicht anheben kann, obwohl er nur aus Styropor besteht. Wo das Tier herstammt, hat Eberhardt vergessen, oder er will es nicht preisgeben. Denn die Beschaffung von Artikeln ist so eine Sache in seinem Geschäft. "Du musst schnell sein", sagt er. Wenn irgendwo ein Film abgedreht ist, bekomme er einen Tipp, wenn er Glück habe. Dann heiße es sofort losfahren zum Set, am besten gleich mit einem Anhänger zum Abtransport. "Die schönen Sachen sind schnell weg, wir sind da nicht die einzigen", sagt Eberhardt. Auch zu einem sehr kurzfristig angesetztem Requisitenausverkauf einer Berliner Bühne schafft man es nur mit Insiderwissen und den richtigen Kontakten. Deshalb schützt er konsequent seine Quellen.
Die richtigen Leute kennt Eberhardt seit Jahren. Vor dem Mauerfall, er war Anfang 20, war er Requisiteur an der Staatsoper, später Bühnenbildassistent am Maxim Gorki Theater. Damals in Ost-Berlin hatten Eberhardt und seine Kollegen das Privileg, ausgefallene Klamotten tragen zu können. Was ausgemustert wurde, nahmen sie mit, liefen dann und wann in historisierenden Fräcken durch die Straßen. Selbst manch eine Wohnungseinrichtung bestand aus Bühnenbildresten. "Die Leute fanden das cool." Dass es da einen Markt gibt, habe er schon zu jener Zeit wahrgenommen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Laden ist zur Instanz geworden. Kostümliebhaber kommen, aber auch Schlossherren, die sich nach Leuchtern, prunkvollen Spiegeln oder Salonmöbeln für ihre Räumlichkeiten umsehen. Hotels gehören ebenso zur Kundschaft, etwa das "Honigmond" am Nordbahnhof. Spiegel, Bilder, Kommoden und Sekretäre, fast alle Einrichtungsgegenstände stammen aus der Behrenstraße.
Dass der Fundusverkauf letztlich ein Erfolg wurde, lag aber auch am Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin. Mit den Beamten kam der Karneval. "Viele von ihnen haben sich bei uns Kostüme gekauft oder geliehen, auch wenn sie dann zuhause gefeiert haben", sagt Eberhardt. Genauso kleidet sich das Berliner Szenevolk bei ihm ein, etwa für schräge Mottoparties oder für den Karneval der Kulturen.
Nun sind auch immer mehr Touristen unter den Besuchern. "Wir stehen in vielen Stadtführern, alle wollen mal gucken", erklärt der Inhaber. Ein wenig fühle er sich manchmal wie ein Museumswärter. Dazu trägt auch die Anmutung bei. Die Wände sind von einem Maler künstlich auf alt gestaltet worden. Dort, wo einst der Aufzug war, steht ein "Marmorkamin" aus Kunststoff und überall Büsten aus Pappmaschee.
Das Holzparkett in der Belle Etage ist abgelaufen und stumpf, an den roten Wänden kleben Reste offensichtlich alter Stuckatur. Einige Besucher beklagten sich, dass das Haus - erbaut 1898 - so heruntergekommen aussehe. Da müsse man doch was machen, erzählt Eberhardt. Solche Leute führt er dann ins Treppenhaus, weist auf das gelbe Linoleum und sagt: "Das lag hier früher überall." Dann erklärt er noch, dass die Stuckreste allesamt genauso unauthentisch seien wie seine Kostüme.
Bevor der Fundusverkauf einzog, saß die Gauck-Behörde in dem Eckgebäude, davor eine ostdeutsche Polizeieinheit. Die weiten Räumlichkeiten waren in kleinteilige Parzellen zerschnitten. Viel alte Bausubstanz ist zerstört. Allein im Eingangsbereich kann Eberhardt auf gemusterte "Villeroy & Boch"-Fliesen aus dem Jahr 1898 verweisen. Die sind wirklich echt.
Fundusverkauf Behrenstraße 14/Ecke Glinkastraße, Mitte, Tel. 20 45 02 03, Mo.-Sbd. 12-19 Uhr, Di. geschlossen
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