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Berliner Perlen

Spielsachen für Männer

Ein kleines Experiment beweist, dass sich Frauen mehr Gedanken über die Geschenke für ihren Liebsten machen, als umgekehrt: Gibt man bei Google die Frage "Was soll ich ihm schenken?" ein, erhält man 967 000 Treffer. Wechselt man einen einzigen Buchstaben aus und tippt "Was soll ich ihr schenken?" ein, wird die Suchmaschine nur 269 000 Male fündig.



Über dieses seit langem gefühlte Phänomen kann man sich wundern. Michael Becker und Gundula Hoburg dagegen haben daraus eine Geschäftsidee gemacht.

"Herrlich - Männergeschenke" heißt der Laden, den das Ehepaar an der Kreuzberger Bergmannstraße betreibt. Auf insgesamt 80 Quadratmetern findet man allerlei Dinge, die Männer nicht zwingend brauchen, mit denen sie sich aber umso lieber umgeben. Man sieht dort Modelle von Flugzeugen und Schiffen, Manschettenknöpfe, Aftershaves, Body Lotionen, Taschenmesser und Männer-Nachthemden. Alles in gedeckten Tönen und eher zurückhaltend gestaltet, beziehungsweise herb und erdig riechend. So etwas gefällt Frauen. An Männern.

"72 Prozent unserer Kunden sind weiblich", erklärt Michael Becker. Fast alle Kundinnen scheinen Zeit mitgebracht zu haben, sie nehmen vieles in die Hand, ehe sie letztlich mit einem Schal oder mit einer Tasche aus alten Feuerwehrschläuchen, zur Kasse gehen.

Bierernste Teddys

Maskulin oder gar machohaft kommt die Auswahl des Ladens nicht daher, dafür sorgt allein die Tatsache, dass der moderne Mann gerne kocht. Die großzügige Kochecke bietet Grillschürzen, japanische Messer, hochwertige Würz- und Salzmischungen und handgedrechselte Pfeffermühlen. In einer anderen Ecke des Geschäfts sitzen ein paar braune und graue Teddybären, die ein wenig ernst aus der Wäsche schauen. "Diese kleinen, struppigen Kerlchen kommen aus Frankreich. Ich habe sie bei einer Messe gesehen und mich gleich in sie verliebt", sagt Becker. "Es ist furchtbar schwierig, Teddybären oder andere Tiere zu finden, die nicht grinsen oder übermäßig niedlich aussehen. Das liegt vermutlich daran, dass die meisten Designer, die Geschenkartikel entwerfen, vor allem eine weibliche Zielgruppe ansprechen wollen."

Dass in Berlin ein Laden fehlte, in dem Frauen schöne Sachen für Männer finden können, ahnte Becker bereits Mitte der 80er-Jahre. Damals betrieb der Sozialpädagoge neben seiner Arbeit mit Freunden einen Großhandel für französische Kosmetikartikel namens "Bon Savong". Am Sonnabend wurde ein Teil des Sortiments auf dem Winterfeldmarkt verkauft. "Immer wieder kamen Kundinnen vorbei, die Rasierpinsel oder Seifen kauften und mir sagten, wie sehr es sie freut, dass wir schöne Dinge für Männer anbieten", erinnert sich der 58-Jährige heute. Viele Jahre später fuhr er mit seiner Tochter nach England und entdeckte dort einen Segelladen, der auch Seile und Werkzeug anbot. In diesem Moment war die Idee für ein Männergeschäft geboren.

Allerdings gingen viele noch Jahre ins Land bis Gundula Hoburg 2002 endlich beschloss, Ihren Job als Kita-Erzieherin aufzugeben. "Lass uns endlich deinen Männerladen aufmachen", forderte sie kurzerhand ihren Gatten auf. "Also haben wir drei Nächte lang an einem Konzept gebastelt und begonnen, Verwandte anzupumpen", sagt Becker, der bis heute eine Halbtagsstelle beim Bezirksamt hat. Fünf Festangestellte beschäftigt er mittlerweile. In der Vorweihnachtszeit ist es im Geschäft häufig auch vormittags rappelvoll.

Zu Beginn war das Sortiment auf Accessoires und Männerkosmetik beschränkt. Inzwischen findet man dort vieles, was das Kind im Manne zum Strahlen bringt. Eine Espressomaschine, die mit einer Fahrradpumpe betrieben wird. Eine Taschenlampe mit Dynamo. "Solche Dinge auf Messen zu entdecken, bereitet mir immer eine große Freude", sagt Becker.

Richtig Laune macht ihm auch ein neuartiger Nussknacker, der aus einer Metalldose und einer Art Säckchen aus dickem Weckgummi besteht. So richtig etwas für große Jungs. Die Schalenfrüchte werden in dem Gerät wie mit einer Zwille an eine Metallwand geschossen und zerschmettert. Peng! Die Nusskerne sehen nach dem Verfahren zwar mitgenommen aus - als Kuchenverzierung ungeeignet. Aber egal: Selten hat das Nussknacken derart archaische Freude bereitet.

Beängstigend scharf

Natürlich findet man bei "Herrlich" auch das wohl Männlichste aller Badezimmer-Objekte: das Rasiermesser. Silbrig blitzend, mit hauchdünner Klinge und beängstigend scharf. Kenner reiben es vor jeder Rasur einige Mal an einem Lederriemen, damit sich die Metallmoleküle richtig positionieren und der Haarnachwuchs keine Chance hat. Nur Banausen würden solch ein Kultobjekt in schnödes Rasiergel aus dem Drogeriemarkt tauchen. Der Mann von Welt nämlich schlägt Rasierseife mit der Hand auf und benutzt einen Rasierpinsel.

"Bei den Messern und den Pinseln bemerken wir gerade in den letzten Jahren eine verstärkte Nachfrage", erklärt Gundula Hoburg. "Allerdings ist es für viele ein ziemlicher Schritt von einem Rasierapparat aufs Messer umzusteigen." Ein Schritt, der wohl überlegt sein will und auch Mut erfordert. Und deshalb gehören die respekteinflößenden Klappmesser zu den wenigen Dingen in dem Laden, die sich Männer am liebsten selbst kaufen.

Herrlich Bergmannstraße 2, Kreuzberg, Tel.784 53 95, Montag bis Sonnabend von 10 bis 20 Uhr

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