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"Korsetts können jede Figur vorteilhaft formen", versichert Elena Krebs, die in ihren beiden Boutiquen namens "Revanche de la femme" Korsetts und Accessoires verkauft. "Vor allem aber sind sie wunderbar weiblich." Und dann ist da noch der Hauch von Burlesque und Moulin Rouge, der die Korsettträgerin umweht.
Wer einen der "Revanche de la femme"-Läden betritt, landet in einer Welt aus Häkchen, Ösen und Kordeln. An der Decke des Geschäfts am Kurfürstendamm hängen opulente Kronleuchter, in den eingelassenen Wandregalen glänzen und schimmern in allen Farbtönen Satin, Spitze und Swarowski-Steine. Die Kundschaft kann zwischen Stoffgürteln, Unterbrustkorsetts und Korsettkleidern in 40 Schnitten und 60 verschiedenen Stoffen und Ledersorten wählen.
Zunächst war Elena Krebs Liebe zu Korsetts eine reine Fernbeziehung. "Schon als Kind war ich begeistert von der Mode vergangener Jahrhunderte und habe von Krinolinekleidern geträumt. Auch die Mode der 50er-Jahre mit den schmalen Taillen hat mir schon immer gefallen", erzählt die 41-Jährige, die in der Ukraine geboren wurde. Als sie in Kiew Modedesign studierte, sah sie in einem Buch ein Korsett - und war begeistert. "Aber erst in Deutschland hatte ich zum ersten Mal eines in der Hand. Ich dachte nur: Wow, das gibt es ja wirklich", sagt Elena Krebs. Damit hatte sie bereits eine Idee, in welche Richtung sich ihre Karriere als Modedesignerin weiter entwickeln würde.
Fortan kaufte sie auf Flohmärkten Korsetts, um sie gründlich zu analysieren und ihr Innenleben zu sezieren. Der Aufbau eines Korsetts ist nämlich eine komplizierte Sache. Am Rücken neben den Metall-Ösen sorgen kräftige Kunststoffstäbe für Halt. In die einzelnen Stoffsegmente des Mieders werden rostfreie Spiralfedern eingearbeitet.
Ihr erstes Geschäft an der Nürnberger Straße war klein. Wenn Kundinnen mehrere Korsetts anprobieren wollen, mussten die nächsten Damen vor der Tür warten. Elena Krebs zog bald um. "Es gibt viele Menschen, die nicht gestört werden wollen, wenn sie ein Korsett anprobieren", erklärt die Modedesignerin. Nicht jeder trage die Satin- und Seidengebilde selbstbewusst in der Öffentlichkeit.
In der Boutique am Kudamm, die sie vor sieben Jahren eröffnete, sind mehrere Umkleidekabinen und mehr Platz für einen diskreten Rückzug. Schließlich kaufen auch Männer bei ihr ein. Die einen sind Drag-Queens, die anderen haben Rückenprobleme und müssen aus medizinischen Gründen ein Stützkorsett tragen. Ihnen sind die hautfarbenen Exemplare aus dem orthopädischen Fachhandel zu hässlich. "Und dann gibt es noch Männer, die sind irgendwie auf den Geschmack gekommen", sagt Elena Krebs. Man merkt, dass sich vor ihr schon viele Menschen entblößt haben - nicht nur, indem sie sich ausgezogen haben.
"Ich habe noch immer Kunden, die nach Korsetts mit Fischbeinstäben fragen", berichtet Elena Krebs. "Die muss ich leider enttäuschen. Fischbein wird schon seit 100 Jahren nicht mehr verwendet." Abgesehen davon, dass das Material von großen Walen stammt, die unter Naturschutz stehen, seien Fischbeinstäbe steifer und unnachgiebiger als ihre Verwandten aus Metall. "Das ist auch der Grund dafür, dass früher so viele Frauen, die ein Korsett trugen, in Ohnmacht fielen", sagt Elena Krebs.
Dennoch: Das Anziehen eines Korsetts will gelernt sein. Im Internet finden sich deshalb detaillierte Beschreibungen mit Anweisungen à la "Beginnen Sie am besten mit der 3. Öse von unten" und dem Tipp, dass man, wenn man alleine ein Korsett anziehen muss, die großen Schlaufen an einer Türklinke befestigen sollte. Nur fortgeschrittene Trägerinnen greifen zu knielangen Korsettkleidern, die eine unüberschaubare Zahl von Ösen am Rücken haben. Kundin Norma Kralisch, die mit einem Korsettkleid die Umkleide verlässt, erntet entzückte "Ahs" und "Ohs" von allen Umstehenden. Ihre ohnehin wohlgeformte Figur hat durch das Korsett noch mehr Kontur gewonnen. Dem Betrachter drängt sich allerdings sofort eine Frage auf: Kann man damit auch sitzen? Norma Kralisch versichert, dass das kein Problem sei. Sitzen kann man damit schon, herumlümmeln aber nicht. Doch wer es bequem haben möchte, greift ohnehin nicht zum Korsett.
Erhältlich sind die Stücke in den Größen 32 bis 54. Auch Maßanfertigungen sind möglich. "Korsetts sind nicht nur für Frauen mit Size Zero. Wir haben viele Kundinnen, die etwas stärker gebaut sind und sich freuen, bei uns endlich mal etwas Hübsches zu finden", sagt Elena Krebs. Ihre Korsetts sollen nicht unter der Kleidung verschwinden, sie wollen gesehen und bewundert werden. Deshalb führen die Boutiquen passende Röcke, mit denen sich die Korsetts zu Abend- oder Hochzeitsroben kombinieren lassen. Auch Stolas, Boleros und Schmuck gibt es. Denn, so viel ist gewiss, ein Korsett aus Satin oder Seide braucht eine große Bühne.
Revanche de la femme Kurfürstendamm 177, Charlottenburg, Tel. 88 70 88 75, Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sbd. 10-18 Uhr; Uhlandstr. 50, Wilmersdorf Tel. 85 10 38 78, Mo.-Fr. 11-19, Sbd. 11-15 Uhr
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