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Berliner Perlen

Im Gourmet-Dienst Ihrer Majestät

In Kreuzberg knallt es. Dann regnet es Überraschungen. An der Körtestraße befindet sich nämlich "Broken English", und dort gibt es derzeit Knallbonbons. Echte englische "Handmade Crackers": Zwei Leute ziehen so ein Ding auseinander, es macht "peng" und heraus purzelt eine Kleinigkeit, ein Schlüsselanhänger oder ein Flaschenöffner oder so etwas.



Handmade Crackers sind eine typisch britische Weihnachtsspezialität. Inzwischen gibt es sie nicht nur auf der Insel, sondern auch in Kreuzberg, Charlottenburg und Steglitz. Dort befinden sich die drei Filialen von "Broken English", und alle sind sie jetzt vollgestopft mit Weihnachtsdeko. "Meinetwegen könnte jedes Jahr zweimal Weihnachten sein", sagt Chefin Dale Carr (58) und schaut sich in ihrer Kreuzberger Filiale um.

Dieser Laden ist der älteste. Er ist charmant eingerichtet: Im Schaufenster steht ein gusseisernes Gestell mit Blumen. Innen ist der Dielenboden ein bisschen abgelaufen. Es knarrt. Die Wände sind im Eingangsbereich unverputzt und zeigen ihre rohen, roten Ziegel. Die Waren liegen in schönen, alten Regalen und Ständern: Weihnachtskarten und Früchtekuchen, Teekannen und -tassen, Schoßkissen und acht Sorten Fudge, Schals aus reiner Lambswool, kleine Schachteln mit Kräuterseifen, Teebeutelhalter an der Kasse. Lauter Kleinigkeiten, nicht wichtig, aber nett. Das Geschäft ist erfüllt von einem feinen Duft nach Seife und Tee. "Fast jeden Morgen verkaufe ich als erstes Tee", sagt Dale Carr. Und dann sind die Kunden ganz verrückt nach etwas anderem.

Verrückt nach Wensleydale

Nach Käse! Die Leute wollen Käse! Und zwar eine ganz bestimmte Sorte: "Wensleydale Käse. Wann immer ein Kunde hereinkommt und nach Wensleydale fragt, weiß ich, er hat Wallace & Gromit gesehen", sagt Frau Carr. In der Zeichentrickserie wird dieser Käse in Massen verputzt. Natürlich hält sie immer einen Vorrat im Kühlschrank parat.

Broken English ist Teil eines bewegten Lebens, erzählt Dale Carr: "Als ich nach Berlin kam, wollte ich bloß drei Monate bleiben." Das war 1979. Sie war Apothekenhelferin und hatte genug Geld für drei Monate Berlin gespart. In Deutschland wurde ihre Ausbildung nicht anerkannt, aber sie fand in einer britischen Kaserne einen Job als Putzfrau. Damit verdiente sie besser, als sie in ihrem erlernten Beruf in England.

Auch sonst war Putzen nicht schlecht, sagt sie heute: "Früher waren immer nur die Jobs das Gesprächsthema. Aber wenn man putzt, interessiert das niemanden. Kein Mensch wollte über meine Arbeit sprechen."

Nach drei Jahren hatte sie mit dem langweiligen Job genug Geld gespart, um ein Jahr lang durch die Welt zu reisen. Dann kehrte sie nach Berlin zurück und wurde für zehn Jahre Homekeeper bei einem amerikanischen Militär. "Das war aufregend", erinnert sie sich. "Es gab viele Veranstaltungen und Parties und berühmte Leute." Nun also doch wieder ein Job, von dem man erzählen konnte.

Während dieser Zeit wurde ihre Mutter schwer krank. Dale Carr reiste zu ihr nach England. Dort lernte sie ihren zukünftigen Mann Robin (heute 58) kennen. Er Mann zog nach Berlin, man bekam zwei Kinder.

Ihr Mann war oft unterwegs und Frau Carr suchte eine neue Herausforderung. Als die Kinder drei und sechs Jahre alt waren, eröffnete sie ihren ersten "Broken English" Laden. Dieser befand sich in der Grimmstraße. Im Keller. "Es ist erstaunlich, dass wir überhaupt gefunden wurden", sagt sie und schmunzelt. "Ich hab damals in der Nähe gewohnt und wollte nicht so weit weg, ich hatte zwei kleine Kinder, es gab einen Spielplatz in der Nähe - und ich hatte keine Ahnung vom Geschäft."

Sie lernte von den Kunden und nahm ins Sortiment, was diese kaufen wollten. Etwa Colman's Senf und Marmite. Sie war ganz überrascht von den Wünschen. Dale Carr wurde ziemlich schnell erfolgreich mit ihrem Konzept, dieser Mischung aus Supermarkt und liebevoll auswählendem Krämerladen. Aber irgendwann reichte das Geld trotzdem nicht mehr so recht. Die Kinder wuchsen und ihre Bedürfnisse auch. "Eine vierköpfige Familie mit einem Laden zu ernähren, das kriegt man nicht hin", sagt sie. Also übernahm sie einen zweiten Laden in Mitte. Aber nur vorübergehend. Die vielen Touristen und die allzu hohe Miete überforderten sie. Nein, da wechselte sie lieber ins ruhigere Charlottenburg.

Ein netter junger Mann

Im Mai 2006 eröffnete sie einen Laden in der Leonhardtstraße. Aber auch dieser wurde erfolgreich. Was will man machen?

Inzwischen gibt es Filiale Nummer drei: "Es erschien ein netter, junger Mann", sagt Dale Carr im Rückblick. "Der brauchte unbedingt Arbeit." So entschloss sich die Britin, ihm mit einem dritten Geschäft einen Arbeitsplatz bieten. Was allerdings wird, wenn er beginnt zu studieren, weiß sie auch noch nicht recht. Kam alles etwas überraschend. "Das war nicht so geplant", sagt Dale Carr.

Nun auch noch Geschäft Nummer vier: Im April 2010 entstand ein Online Shop. Lieblingsprodukte sind dort Tee, Teekannen und Teetassen. Aber für Weihnachtsartikel muss man auch weiterhin in eines der Geschäfte von Mr. und Mrs. Carr.

Broken English Körtestraße 10, Kreuzberg, Tel. 691 12 27, Filiale Charlottenburg, Leonhardtstraße 23, Filiale Steglitz, Lepsiusstraße 63, Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr, sonnabends bis 18 Uhr, www.brokenenglish.de

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