Bookmark and Share
A A A

Berliner Perlen

Dessous von Frauen für Frauen

Die kleine männerlose Welt liegt zwischen Alexanderplatz und Volksbühne, in der Rosa-Luxemburg-Straße 22, um genau zu sein. Im Schaufenster stehen Frauenfiguren aus Plastik, ihre weiblichen Formen sind in Spitzen-BHs, Seidenslips oder Morgenmäntel aus Nicki gehüllt.



Weitere Bilder

 

Von der Decke hängt schwerer Stoff, der für leicht gedämmtes Licht sorgt. Im hinteren Raum steht ein Bett aus purpurnem Samt. Für das Interieur ihres Dessousgeschäfts ließ sich Inhaberin Claudia Kleinert vom Hollywood-Film "The Women" mit Joan Crawford inspirieren. In dem Streifen von 1939 gibt es nur Darstellerinnen, keinen einzigen Mann. Bei "Blush" sollen sich Frauen wohl fühlen. Schließlich müssten sie sich komplett entkleiden, um die Unterwäsche anzuprobieren, sagt Kleinert.

 

Und zu probieren gibt es reichlich. Mehr als 300 Teile hängen auf Bügeln an goldenen Kleiderstangen, vom String für 16,90 Euro bis hin zum Kaftan des italienischen Edellabels Missoni, für den man 700 Euro hinlegen muss. Der derzeitige Verkaufsschlager ist ein Spitzenset in grellen Farben, eine Kombination aus Orange und Pink. Slip und BH entstammen der hauseigenen "Blush"-Kollektion. "Wir trauen uns auch an die kräftigen Farben", erklärt Kleinert. Das sei ein Markenzeichen von "Blush". Ein Dauerbrenner ist auch der Morgenmantel "Morningstar". Den gibt es seit zehn Jahren. Dass Kleinert Kundinnen in eben diesem Modell empfängt - in einer Version aus schwarzer Seide - zeigt: Der Morgenmantel geht durchaus als tief ausgeschnittenes Kleid durch.

 

Inzwischen werden Kleinerts Kollektionen in 20 Läden in Deutschland verkauft, vereinzelt auch in Dänemark und Italien. Gefertigt wird die feine Wäsche in einer Miederwarennäherei in Sachsen, die delikate Spitze stammt aus Berlin.

 

Delikate Spitze

 

So lange wie der Morgenmantel existiert auch das Ladengeschäft. Eröffnet wurde es im September 2001 in der Alten Schönhauser Straße. Weil das Geschäft gut lief, folgte zwei Jahre später der Umzug in größere Räume an der Rosa-Luxemburg-Straße. Damals habe es dort nur einen Wasserinstallateur, ein Sexkino und eine alte Schneiderei gegeben, erinnert sich Kleinert. Das sieht heute anders aus. Andere edlere Kleidungsgeschäfte haben sich angesiedelt.

 

Den Mut zur Vergrößerung fasste Kleinert damals, weil sie sich in nur zwei Jahren einen festen Kreis von Stammkundinnen aufgebaut hatte, die wohl auch auch in den neuen Laden kommen würden. Auch die Nähe zur Volksbühne und Hans Poelzigs Architektur rund um den Rosa-Luxemburg-Platz faszinierte sie: Der passende Ort für Kleinerts Laden, "das Dessousgeschäft, das ich mir selbst immer gewünscht habe", wie sie sagt. Kein altmodischer Wäscheladen sollte es sein, sondern ein konsequent moderner und modischer Shop für Unterwäsche, der speziell auch ein jüngeres Publikum ansprechen sollte. Weil es keine Vorbilder gab, ist "Blush" inzwischen seinerseits zum oft kopierten Erfolgsmodell in der Stadt geworden.

 

Dabei war es nicht unbedingt abzusehen, dass es Claudia Kleinert zu den Dessous ziehen würde. Nach ihrem Design-Studium am Lette-Verein in Berlin arbeitete sie zehn Jahre für den Sportartikelhersteller Puma. Als Mutter von zwei Töchtern entschied sie, sich selbstständig zu machen. "Das ist familienverträglicher, als die langen Arbeitstage in der Industrie", sagt sie. Weil sie schon immer eine Affinität zu feinen Stoffen wie Seide und Spitze hatte, fiel die Wahl dann auf Dessous.

 

So reifte, parallel zu den ersten Schnittmustern, die Idee zum eigenen Laden. Seit der Eröffnung steigt die Zahl der Modelle, die aus eigener Kreation stammen, stetig an. Heute stammen etwa 50 Prozent der Stücke aus ihrer Feder. Daneben gibt es Ware von Fremdherstellern, etwa von "Huit" aus Frankreich oder von "Wundervoll", einem jungen Label aus Berlin. Schnell wechselnde Trends gibt es natürlich auch. "Vor allem Farben und Muster variieren", sagt Claudia Kleinert. Obwohl sich auch die Schnitte ab und an ändern. Seit einiger Zeit seien wieder hoch geschnittene Unterhosen angesagt. "Bis vor kurzem musste alles sehr hüftig sein." Jetzt gibt es wieder Slips, die bis über den Bauchnabel reichen.

 

Männer sind nun besser informiert

 

Eines hat sich seit Bestehen von "Blush" jedoch nicht geändert: Die Marke richtet sich an selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen. Früher sei die Dessous-Branche oft eng mit der Erotikindustrie verbandelt gewesen, sagt Kleinert. Davon wollte sie weg. Das spiegelt sich auch in den Werbekampagnen wieder, in denen die Frau immer Subjekt ist, nie Objekt. Derzeitige Werbeplakate verweisen etwa auf Superwoman, wobei ein lila Morgenmantel als Umhang dient. Dessous von Frauen für Frauen, lautet das Motto. Da braucht es keinen Superman.

 

Ganz möchte Claudia Kleinert dann aber doch nicht auf die Männer verzichten, vor allem vor Weihnachten. "Im Dezember haben wir fast nur männliche Kunden", sagt sie. Und wie ist das mit den Größen? Je jünger die Männer, desto besser seien sie informiert, weiß Kleinert. Vorbei die Zeiten, in denen Herren in den Dessousladen stolperten und die Körbchengröße der Liebsten nur mit unbeholfenen Gesten und Handzeichen mitteilen konnten. "Heute haben die Jungs die Fakten im Handy abgespeichert."

 

Blush Rosa-Luxemburg-Str. 22, Mitte, Tel. 28 09 35 80, Mo. bis Fr. 12.00-20.00 Uhr, Sa. 12.00-19.00 Uhr, www.blush-berlin.de

 

Events, Tickets, Kritiken

Eventkalender, Tagestipps, Nightlife und Kritiken

Für alle, die nichts verpassen wollen...

Restaurantempfehlungen

Von der Currywurst bis zur Gastronomie der Spitzenklasse

Für alle, die besser Essen wollen...

Hotels, Pensionen, Hostels

Von imposanten Design-Hotels bis zu preisgünstigen Hostels in zentraler Lage

So finden Sie die passenden Hotels in Berlin