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"Doch wenn man sich dezent kleidet, werden die Accessoires sehr wichtig. Sind sie bunt, können sie sie wunderbare Eyecatcher und ein Outfit komplett verändern."
In ihrem Laden "Thull & Schneider", den sie gemeinsam mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Sonja Schneider betreibt, findet man deshalb edle Stücke, die auch das düsterste Ensemble zum Strahlen bringen: Himbeerrote Seidenschals, apricotfarbene Cashmere-Pudelmützen und Lederhandschuhe in leuchtendem Türkis.
Seit knapp zwei Jahren betreiben die beiden Frauen den Laden an der Fasanenstraße. Kennen gelernt haben sie sich bei einer Fernseh-Produktionsfirma, in der Sonja Schneider als Redakteurin und Cornelia Thull als Assistentin der Geschäftsführung arbeitete. Nachdem die Produktionsfirma aufgelöst wurde, waren beide arbeitslos - und wild entschlossen, sich gemeinsam selbstständig zu machen. Was zunächst fehlte, war eine zündende Geschäftsidee. "Wir wollten auf keinen Fall, die dreihundertste Bar in Mitte oder den zehnten Coffeeshop in Steglitz aufmachen", erinnert sich Sonja Schneider. "Uns war wichtig, dass wir etwas anbieten, was es so in Berlin noch nicht gab." "Und das war natürlich ein Handschuhladen", ergänzt Cornelia Thull.
Eine Entscheidung aus Leidenschaft. Denn von jeder ihrer Italien-Reisen brachte sie mindestens ein Paar Handschuhe mit. Irgendwann hatte sie mehr als 30 davon beisammen. Immer wieder fragten Freunde und Unbekannte, wo sie ihre Lederhandschuhe gekauft hatte. Immer wieder musste sie erklären, dass solch ausgefallenen Modelle nicht in Berlin erhältlich seien.
Nach und nach nahm die Idee Gestalt an. Die Freundinnen wurden sich einig, ein Handschuh-Label zu gründen. "5 vs. 5", sprich "five versus five", sollte es heißen - ein Verweis auf zwei Mal fünf Finger und das ganze Drumherum, das sie zukünftig zu verschönern trachteten. Doch zunächst begann die mühsame Suche nach einem Hersteller.
Die meisten Produzenten von Lederhandschuhen sind in ehemaligen Ostblock-Ländern wie Rumänien. "Dann fanden wir eine kleine Manufaktur in Norditalien gefunden, mit der wir jetzt zusammenarbeiten", sagt Cornelia Thull. In ihrem Freundeskreis gab es mehr als einen, der in der Startphase des Ladens zweifelnd die Augenbrauen hochzog. "Das ist ja im Herbst und Winter ganz prima", hörten die Geschäftsfrauen immer wieder. "Aber was macht ihr im Frühjahr und im Sommer?" Dann würden die Leute eben seidengefütterte Sommerhandschuhe, Autofahrerhandschuhe, Golfhandschuhe oder Halstücher kaufen, versicherten Cornelia Thull und Sonja Schneider ihren erstaunten Zuhörern.
Und so kam es auch. Dass die Nachfrage nach Handschuhen jedoch sprunghaft steigt, wenn die ersten Lebkuchenherzen in den Supermarktregalen landen, geben die beiden allerdings gerne zu.
Die farbigen Stücke werden im Geschäft aufwendig in Holzschalen präsentiert und von einzelnen Spots angestrahlt. Das sieht gut aus, doch in Verzückung geraten die überwiegend weiblichen Kunden erst, wenn sie die Waren berühren. Die Cashmere-Schals sind wunderbar kuschelig und fusseln nicht. Die Handschuhe fühlen sich nicht nur weich und glatt an, sie folgen der Bewegung der Finger mühelos und scheinen geschmeidiger zu sein als herkömmliche Exemplare. Und so hört man die Kundinnen immer wieder seufzen. Wer weiß, ob es die reine Freude ist oder das Bedauern darüber, dass die guten Stücke nicht für jeden erschwinglich sind? Für ein Kaschmir-Plaid der Marke "Brunello Cucinelli" muss man knapp 1000 Euro zahlen. Die günstigsten Handschuhe kosten 150 Euro.
Wer kann sich so etwas leisten? "Spontankäufer haben wir kaum. Die meisten Kunden wählen ein besonderes Stück, das sie in den nächsten Jahren begleiten soll", sagt Sonja Schneider. Manchmal darf es aber auch ein bisschen mehr sein. Eine der Stammkundinnen, eine Lady mit erlesenem Geschmack und feuerrotem Haar, verließ vor kurzem den Laden mit Taschen voll federleichter handgestrickter Jacken und Schals im Wert von 3500 Euro.
Die berühmteste Kundin von "Thull & Schneider" war bislang Schauspielerin Vanessa Redgrave, die "5 vs. 5"-Handschuhe in "Anonymous", dem neuen Film von Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich tragen wird. Sie kam jedoch nicht persönlich zur Anprobe vorbei. Ihre Kostümbildnerin brachte eine Zeichnung mit den Umrissen der Hand der Filmschauspielerin mit. Ohnehin würden die meisten ihrer Kundinnen und Kunden die Handschuhe nach Maß anfertigen lassen.
Dazu wird zunächst die Handgröße mit einem Probehandschuh bestimmt. Anschließend werden die präzisen Maße an die italienische Manufaktur übermittelt. "Denn es gibt viele Hände, die von der Norm abweichen", sagt Cornelia Thull. Etwa drei bis Wochen muss man warten, bis man einen maßgeschneiderten Handschuh sein Eigen nennen darf. Zum Bedauern von Cornelia Thull entscheiden sich die meisten Berliner allerdings nicht für Leder in Pink oder Ocker. Am Besten gehen die Handschuhe in Dunkelbraun und Schwarz.
Thull & Schneider Fasanenstraße 31, Charlottenburg, Tel. 70 71 04 50
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