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Berliner Perlen

Im Süper-Markt

Sie sind nicht die ersten, die in Berlin ein U zum Ü machen, aber Recht haben Elisabeth Schotte und Vanessa Marangoni schon: "Es klingt wie die Steigerung von super". Das passt wunderbar, denn seit einem guten halben Jahr verkaufen die studierten Designexpertinnen in ihrem Süper Store nur Dinge, die ihren Ansprüchen genügen. Schon am Schaufenster prangt der Leitspruch: "Quality is the key to everything". Na dann mal hinein.
Berliner Perle - Süper Store



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Was die Entfernung angeht, ist der Rundgang durch den charmanten 30-Quadratmeter-Laden kurz. Er führt einmal um den in der Mitte arrangierten Regalbau, geschätzte vier bis sechs Meter muss man dafür zurücklegen. Doch dafür kostet er umso mehr Zeit. Unterwegs springen einem so viele ansprechende, originelle, bezaubernde Dinge ins Auge, dass sich ein Aufenthalt in dem Minigeschäft leicht länger hinzieht als ein Kaufhausbesuch.

 

Entdeckungsreise in die Nische      

 

Das Süper Store ähnelt mehr einer Ausstellung als einem Laden. Sorgsam sind die Waren in Nischen, Fächern und Kommoden angeordnet. Die Inspektion des Angebots hat etwas von einer Entdeckungsreise. Rare Seifen gibt es, aus einer traditionsreichen italienischen Manufaktur, große Straußenfederstaubwedel, klassische Werkstattlampen aus Emaille, Schmuck von preisgekrönten Designern, aus Teppichen hergestellte Kissen - "die halten ein Leben lang" - oder eine Haushaltsschere der Solinger Firma Burgvogel, ein Klassiker.

Kulinarische Artikel fehlen nicht im Angebot, Schokolade der traditionsreichen Berliner Fabrik Hamann zum Beispiel oder ökologisch produzierte Spitzenobstbrände der Schweizer Marke Humbel, derzeit ein Renner in den gehobenen Züricher Bars. Vanessa Marangoni, selbst gebürtige Schweizerin, empfiehlt besonders den Quittenbrand.

Die Kundschaft im Süper Store ist gemischt wie das Sortiment. Natürlich wird die Straße im Gräfekiez von vielen Touristen frequentiert. Sie steht in vielen Reiseführern. "Die kommen einfach mal rein und greifen oft zu, ohne mit der Wimper zu zucken", sagt Vanessa Marangoni. Ausgefallene Mitbringsel sind Reisenden eben immer willkommen. "Die Kiezbewohner sind zögerlicher. Aber wenn sie einmal da waren, kommen sie auch wieder." Vom zehnjährigen Jungen, der sich regelmäßig seine Schokolade abholt, bis zur Seniorin, die sich über eine klassische Zitronenpresse freut, weil schon ihre Mutter damit arbeitete.

Aufgrund der Ladengröße bleibt die Auswahl der Süper Store-Produkte delikat. "Ästhetisch sind wir beide auf einer Wellenlänge. Wir suchen für unseren Laden Klassiker, Dinge die eine ganz besondere Qualität haben und solche, die einfach Schönheit ins Leben bringen", sagt Elisabeth Schotte. Zur Illustration holt sie einen weißen Wollschal aus einem Regal hervor. "So etwas hier etwa. Das wird Orenburger oder Spinnwebenschal genannt. Den bekommen wir aus Russland. Er wird von Hand geklöppelt und gestrickt, aus den besonders weichen Bauchhaaren sibirischer Bergziegen." Nicht gerade Alltagsmode.

Angefangen hatte alles mit einer gemeinsamen Kreation, Die Designerinnen Schotte und Marangoni entwickelten eine Tasche, einen klassischen Seesack. "Der ist nicht totzukriegen. Allerdings ist das extrem haltbare Segeltuch dafür immer schwieriger aufzutreiben", sagt Elisabeth Schotte. Mit dem eigenen Produkt reifte die Idee für einen eigenen Laden, und als am Planufer etwas frei wurde, griffen die beiden sofort zu. Ihr Seesack hängt hier nun in verschiedenen Farben, produziert von einer Kreuzberger Ledermanufaktur.

Überhaupt gibt es vieles im Laden, das aus lokalen Betrieben stammt. "Wir haben vielfältige Quellen, versuchen aber durchaus, die Wege kurz zu halten", betont Elisabeth Schotte. Der nach einem Designerentwurf gefertigte flächenverstellbare Topfuntersetzer zum Beispiel kommt aus einer Berliner Behindertenwerkstatt. Das raffinierte Bauset für einen Kinderstuhl fertigt eine befreundete Kreuzberger Tischlerei an. Und auch die oberen Hälften der bequemen türkischen Hausschuhe werden unweit des Ladens gestrickt. Nur die Sohlen kommen aus Spanien, diese Weiterentwicklung ließen sich Schotte und Marangoni nicht nehmen. "Die halten weitaus länger."

 

Nerviges Modewort      

 

Nachhaltigkeit gehört zum Konzept. "Es ist ein Modewort geworden, das mich schon nervt, aber dieser Gedanke steckt in allem was wir hier machen", sagt Vanessa Marangoni. Das fängt bereits bei der Ladeneinrichtung an. Massive alte Vitrinenschränke, preiswert aus zweiter Hand erworben, haben die Jungunternehmerinnen kurzerhand an die Wand gehängt, wo sie nun als stilvolle und gemütliche Präsentationsmöbel dienen. "Wir lieben es, wenn man Dinge vielseitig verwenden kann", sagt Marangoni. "Das ist auch eines der Kriterien, das wir bei der Auswahl unseres Sortiments berücksichtigen."

Der unangefochtene Verkaufsschlager ist die "Standard Time". Ein originelles Filmprojekt, bei dem ein Künstlerteam mit Baulatten 24 Stunden lang ein digitales Ziffernblatt nach- und umbaut, in Echtzeit. So, dass die Show zu jeder Minute die richtige Uhrzeit anzeigt. Das lässt sich auf jedem Computer installieren und als Zeitanzeige nutzen. Der garantiert unlangweiligste Bildschirmschoner aller Zeiten. Einfach süper.

Süper Store Planufer 92e, Kreuzberg, geöffnet Di.-Fr. 11-19 Uhr, Sbd. 12-17 Uhr, Onlineshop auf www.sueper-store.de

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