Events, Tickets, Kritiken
Eventkalender, Tagestipps, Nightlife und Kritiken
Für alle, die nichts verpassen wollen...
Seine Firma "Hoffnung Berlin" sieht der 50-jährige Markus Schroda als Mischung aus Handwerk, Kunsthandwerk und Design mit traditionellen Fertigungsmitteln.
Im 240 Quadratmeter großen Laden in Mitte kaufen Geschäftsleute passend zum Anzug gerade geschnittene, schmale Riemen aus feinem Leder. Die Preise beginnen bei 65 Euro. Sportliche Typen greifen da nach robusten Exemplaren für Jeans oder Cargo-Hosen, mit originellen Metallverschlüssen. Es gibt ein Damen-Sortiment und extravagante Designer-Stücke, breite Exoten aus Krokodil-Leder, Schlangen- oder Haifisch-Haut.
"Wir bieten ausschließlich zertifizierte Ware an und führen ein Reptilien-Buch, in Kooperation mit den Naturschutzbehörden der Herkunftsländer", sagt Schroda. "Es gelten strenge Einfuhrbestimmungen. Nachweise etwa, dass Tiere aus Zuchtbeständen stammen und nicht der freien Wildbahn." Je nach Breite variieren die Preise dafür zwischen 170 und 450 Euro.
So eigenwillig die Modelle, so bemerkenswert ist die Ausstattung des Geschäfts. Sprungböcke, Gymnastik-Bänke. Sprossenwände, um die sich Gürtel schlingen. Kopfgroße Medizinbälle, fest umgürtet. Der Blick des Kunden verfängt sich in Riemen und Schnüren. An einer Schlinge hängt ein Box-Sack von der Decke, samt Boxhandschuhen. "Alles aus meinem Privatbestand", sagt Schroda.
Auch den Verkaufsraum zieren Unikate: ein großer Berlin-Stadtplan von 1968 und eine sich drehende Plexiglas-Scheibe mit Berlin-Umrissen. "Hoffnung Berlin", sagt Schroda, "ist Geschäftsprinzip und Lebensgefühl. Wir sind ein lokales Unternehmen, das selbst produziert."
Für Aufbruch und schnellen Erfolg stehen auch die Hackeschen Höfe. Wer sich im Innenbereich niederlassen möchte, muss Auflagen erfüllen. Die Geschäfte müssen Hauptstadtbezug haben und inhabergeführt sein. Die Produkte sollen aus Eigenproduktion stammen.
Bei "Hoffnung Berlin" stimmte da alles. Im Oktober 2010 erhielten Schroda und Matthei den Zuschlag. Der Standort ist ein Touristenmagnet. "In Stoßzeiten zählen wir 30-40 Besucher in unserem Geschäft. Das sind Kunden aus der ganzen Welt", sagt Matthei. Obwohl der neue Online-Shop gut gestartet sei, bringe das Geschäft 70 Prozent des Umsatzes.
Käufer können ihre Gürtel selbst zusammenstellen, zuschauen, wie das Unikat aus Rohling und Metallteilen entsteht. Maßgeschneidert sind auch die zum Angebot zählenden Hosenträger: Seit "Wall Street", dem Finanz-Thriller mit Hauptdarsteller Michael Douglas als Alpha-Wesen Gordon Gekko, hat der außerhalb der Branche lange als großväterlich betrachtete Kleidungs-Klassiker Kultstatus.
Markenzeichen Hosenträger: Ob für Fantasiefigur Gekko oder Talk-Legende Larry King. Accessoires mit Message. Denn das Individuelle, das Besondere im Äußeren sind es oft, was einen Menschen ausmacht. Details und flüchtig wahrgenommenen Farbtupfer im Gesamtbild. Schuhe, Armbanduhren und insbesondere: Gürtel. Ein Attribut männlicher Stärke. In der nordischen Mythologie war Thors Gürtel Megingiard eines seiner göttlichen Kleinode, die ihm unerschöpfliche Kraft verliehen. Frauen hingegen brachten Zaubergürtel unwiderstehlichen Liebreiz. Das galt auch für Aphrodite im klassischen Griechenland.
Hersteller Hans Matthei indes pflegt einen weniger poetischen Blick auf sein Produkt: "Unsere Gürtel halten ein ganzes Leben. Daher der Erfolg." Den bringe auch der Rohstoff mit sich, schadstofffrei gegerbtes italienisches Rindsleder. Sein Kompagnon Schroda sieht sich als typischen Vertreter der coolen, kreativen Westberliner 80er-Jahre, dem Jahrzehnt der großen Freiheit, als in der geteilten Stadt viel Mut zum Experimentieren herrschte. Der gebürtige Gladbecker Schroda jedenfalls, den es wegen seines Publizistik-Studiums nach Berlin verschlug, hat sein Handwerk "mittels Recherche, also autodidaktisch" erlernt.
Experimentiermut bewies Schroda, als er sein Faible für Gestaltung zum Beruf machte und 1985 eine Firma startete. Auf Design-Events für junge Kreative und Berliner Szene-Gänge wie die Berliner Messe Off-Line stellte er Mode-Kollektionen aus. Seit 1990 sind er und der 13 Jahre ältere Hans Matthei, der eigentlich studierter Sozialpädagoge ist, ein Team.
Gemeinsam haben sie Vertriebsmodelle ausprobiert und Durststrecken gemeistert. Die Krise des Einzelhandels etwa überlebten sie durch Mobilität: Lange Zeit zogen Schroda und Matthei durch Deutschlands Kunsthandwerk-Märkte. Mit Kleintransporter, Zelt und mobiler Werkstatt. Im Geschäft in den Hackeschen Höfen bauen sie sich nun seit 2010 einen festen Kundenstamm auf. Zehn Angestellte haben Matthei und Schroda unter Vertrag. In diesem Monat haben sie ihre Öffnungszeiten bis 20 Uhr verlängert. Denn wenn Accessoires gefragt sind wie nie kann man sogar in einer modisch lange eher unterentwickelten Stadt wie Berlin gute Geschäfte machen.
Hoffnung Berlin Hackesche Höfe, Hof IV, Rosenthaler Straße 40/ 41, Tel. 28 86 68 08, Mo.-Fr. 10-20 Uhr, Süd. 11-20 Uhr
Events, Tickets, Kritiken
Für alle, die nichts verpassen wollen...
Restaurantempfehlungen
Für alle, die besser Essen wollen...
Hotels, Pensionen, Hostels
So finden Sie die passenden Hotels in Berlin