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Berliner Perlen

Schatzsucher in Kreuzberg

Silke Wamhoff und ihre Kollegen verkaufen eigenwillige Haushaltswaren, einmalige Mode und faszinierenden Schmuck. Nicht alles davon ist nützlich. Aber immer schön anzusehen
 
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Mitten im Walde

Wie passen getöpferte Fingerringe, handgewebte Kaschmir-Schals und Topflappen im 70er-Jahre-Design zusammen? Auf den ersten Blick überhaupt nicht. Auf den zweiten dann schon viel besser. "Wir verkaufen nur Unikate und Dinge, die in sehr kleiner Auflage gefertigt werden", erklärt Silke Wamhoff das Konzept des Ladens "Mitten im Walde", den sie seit Ende März gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Künstlern und Designern betreibt. Keines der Dinge, die im Geschäft zu haben sind, braucht man wirklich. Schön anzuschauen sind dennoch. Und natürlich würde man das das eine oder andere dann doch gerne in den heimischen vier Wänden oder um den Hals geschlungen sehen.

 

Vom Kind entworfen

 

"Mitten im Walde" versteckt sich in der Mittenwalder Straße in Kreuzberg. Um die kleine Wunderwelt aus Design und Kunsthandwerk im Souterrain zu betreten, muss man zunächst den Kopf einziehen und sich ein wenig verbiegen. Das Besondere an dem Laden: Jeder Künstler, der seine Waren anbietet, steht dort auch regelmäßig hinter der Kasse. "Das ist wichtig, damit man den Kunden zumindest die eigene Arbeit erklären kann", findet Silke Wamhoff und deutet auf ein Stofftier mit einem Dutzend Knopfaugen, das auf einem eigenen Wandregal thront. Neben dem seltsamen Wesen hängt eingerahmt der Original-Entwurf, der unzweifelhaft von einem Kind stammt, das längst noch nicht schulreif ist.

 

"Die Stofftiere fertigt Salomé nach den Zeichnungen von Kindern an", erklärt die Geschäftsführerin. Die Künstlerin ist eine Mutter von drei Kindern, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die wildesten Kinderfantasien mit ihrer Nähmaschine zu verewigen. Und natürlich sei es besser, wenn solch ein Projekt von der Herstellerin erklärt wird.

 

Silke Wamhoff ist gelernte Modellbauerin. Im Geschäft bietet sie ihren Schmuck aus Porzellanteilen an. Wie Kartoffelchips sind die weißen, dicht aneinander gereihten Teile eines auffälligen Colliers geformt. An einer anderen Kette baumelt ein bizarres, eckiges Gebilde, das an einen umgedrehten Eisberg erinnert. Die einzelnen Kettenteile stellt sie her, indem sie die Rohmasse, den so genannten Porzellanschlicker, in ihre eigens angefertigten Gipsformen füllt. Der Gips entzieht der Masse die Flüssigkeit, die einzelnen Teile werden trocken, fest und bereit für den Brennofen. Das Ergebnis ist Schmuck, der nach einer selbstbewussten und stilsicheren Trägerin verlangt.

 

Silke Wamhoff hat die Schule für Produktdesign in der bayerischen Porzellanstadt Selb besucht und dort ihre Leidenschaft für das Material entdeckt. Hauptberuflich aber arbeitet sie noch immer als Modelleurin in der Automobilindustrie. Deshalb kann sie nur sonnabends im Kreuzberger Laden sein.

 

Bis vor einem knappen Jahr lebte die Designerin noch in Wolfsburg, fertigte ihren Schmuck am Esszimmertisch und verkaufte die Arbeiten über das Internet. "Das sollte sich in Berlin ändern", erklärt sie. Gleich nach ihrem Umzug entdeckte sie in Kreuzberg den kleinen Laden und mietete ihn. Über einen Anhang im Fenster suchte sie nach Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die sich genau wie sie nach einem professionellen Rahmen zum Ausstellen und Feilbieten ihrer Produkte sehnten. Auch auf der Online-Plattform "DaWanda", auf der mehr als 100.000 Künstler und Hobbykünstler Artikel von unterschiedlichem ästhetischen Anspruch verkaufen, schrieb sie von ihrem Projekt.

 

Bewerber gab es einige, aber nicht jeder passte. "In den Laden sollen nur Sachen, die ein gewisses künstlerisches und handwerkliches Niveau haben", sagt Silke Wamhoff. "Wichtig war mir auch, dass es nicht nur Dinge geben soll, die mehr als 100 Euro kosten. Ich wollte, dass man in unserem Sortiment auch nette Kleinigkeiten findet."

 

Schnell war klar, dass viele Interessierte gern ihre Werke in einem hübschen Laden sehen wollten, aber eigentlich gar keine Zeit hatten, einen ganzen Tag pro Woche im Geschäft zu arbeiten. Also mussten noch mehr Künstler und Kunsthandwerker her und so kam es, dass sich die Zahl der Betreiber von den ehemals anvisierten fünf auf mittlerweile zwölf erhöhte.

 

Schöpfer hinter der Kasse

 

"Mitten im Walde" bieten nun also die oft eigenwilligen, immer aber einzigartigen Werke junger Künstler wie der Keramikerin Jule, und jene von Elza, einer in Berlin lebenden Brasilianerin, die über 60 Jahre alt ist und Topflappen sowie kleine bunte Stofftierchen näht. Auf der ausführlichen Website von "Mitten im Walde" kann man ganz genau nachlesen, welcher Künstler wann im Laden ist.

 

Alle Einnahmen werden akribisch aufgezeichnet und gehen direkt an den Schöpfer der einzelnen Produkte. Gemeinschaftsprojekt also hin oder her: Wer die Verkaufshits liefert, darf sich am Ende des Monats über die höchsten Einnahmen freuen. Im Moment tragen die meisten Kunden noch die Keramiktöpfe und Schalen zur Kasse, während Bilder, Stühle und Lampen zwar Begeisterung auslösen, aufgrund des deutlich höheren Preises aber von den Kunden nicht eben mal so mitgenommen werden.

 

Und dann ist da noch ein Regal, das auf einige der Besucher des Ladens eine echte Faszination ausübt. Längere Zeit stehen sie dort und schauen auf die leere Ausstellungsfläche, auf der ein einsames Schild steht. "Hier ist noch Platz für deine Sachen" ist dort zu lesen.

 

Mitten im Walde Mittenwalder Straße 46, Kreuzberg, Mo.-Sbd. 13-20 Uhr,

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