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Berliner Perlen

Hauptsache kindisch

Almut Bouchon und Dorothea Sooth sind Mütter und Geschäftsfrauen. In ihrem kleinen Kaufhaus am Südwestkorso bieten sie Schönes für umweltbewusste Eltern und ihren Nachwuchs
 
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Warenhaus Bouchon & Sooth
Warenhaus Bouchon & Sooth

Sie hätten sich viel früher treffen können. In der Kreuzberger Kita etwa, wo ihre Töchter zur gleichen Zeit, allerdings in verschiedenen Gruppen umhertobten. Oder, noch früher, in Barcelona, wo Anfang der 90er-Jahre die eine Produktdesign studierte, die andere die Modeschule besuchte. Schicksalsgläubige mögen einen höheren Plan dahinter sehen, dass sich die Wege von Almut Bouchon und Dorothea Sooth immer wieder kreuzten.

Heute begegnen sich die beiden Frauen ständig, denn seit Februar 2011 sind sie Geschäftspartnerinnen. Und so steht nun also der mitwachsende Schreibtisch aus der Produktlinie Bouchons neben dem Ständer mit Kinderkleidung von Sooth in ihrem "Warenhaus", das so gar nicht an einen klassisches Geschäft erinnert.

"Kiezwarenhaus en miniature" nennen die beiden Unternehmerinnen ihren Laden, und vielleicht gibt es tatsächlich keinen treffenderen Sammelbegriff für ein Sortiment, das, neben den eigenen Erzeugnissen, vom Babystrampler bis zum Kochbuch, von der ledernen Federtasche bis zum Kuscheltier und vom Kindergeschirr bis zum Schmuckstück von vielem etwas bietet. Ausgefallene Stücke sind es, oft von Berliner Designern entworfen, wie die gedrehte Keramik Anna Sykoras aus Friedrichshain. Oder die auch als Schal tragbaren Strickmützchen des Kreuzberger Labels "vincente" und lustige Frühstücksbrettchen von "Lololand" aus Prenzlauer Berg.

 

Tankstelle für daheim

Vieles ist nachhaltig oder in sozialen Projekten gefertigt. So stammt der mit indianischen Mustern bestickte Rock, den die 47 Jahre alte Dorothea Sooth trägt und der in Berlin wohl nur im "Warenhaus" zu haben ist, aus der Verbindung einer Berlinerin mit einem Peruaner, dessen Familie die Kleidung in seiner Heimat herstellt.

Auch die verspielten Aufbewahrungskisten für Kinderspielzeug, die aus Bast gefertigt sind und durch Stoffapplikationen zu Zirkusgefährt oder Tankstelle umgestaltet werden können, sind aus fairer Produktion in Madagaskar. Vor allem aber müssen die Dinge schön sein, damit sie in den hellen, luftigen Laden mit dem kleinen Garten davor kommen. "Mindestens einer von uns muss das Produkt gefallen", sagt die 44-jährige Bouchon schmunzelnd, "und die andere darf nicht zu sehr darunter leiden."

Wie gut das funktioniert, haben die beiden selbst erst nach und nach gemerkt. Denn am Anfang war alles ganz schnell gegangen. "Ich hatte schon länger das Gefühl, ich hätte viel lieber einen Laden", sagt die Kreuzbergerin Bouchon über die Zeit, in der sie ihre Möbel über das Internet vertrieb. Nach Jahren als Produktdesignerin in immer wechselnden Büros war ein verstellbarer Schreibtisch ihr erstes eigenes Produkt.

 

Auf der Suche nach einem Schreibmöbel für ihre Tochter tauchte Dorothea Sooth 2009 in Bouchons Kundendatei auf. Die gemeinsame Kita hatten ihre Kinder längst verlassen. Bewusst begegnet waren sich die heutigen Partnerinnen nie. "Erst durch diesen Tisch haben wir uns kennengelernt. Die Chemie hat sofort gestimmt", sagt Dorothea Sooth.

Zwei Verabredungen zum Kaffee genügten, um die Geschäftsidee Gestalt annehmen zu lassen. "Wir produzieren ähnlich, indem wir selbst entwerfen, aber in Werkstätten fertigen lassen", sagt Sooth, die mit ihrer Familie in Zehlendorf lebt.

Man erkennt Dorothea Sooth als Kind ihrer Generation an ihren Modeentwürfen. Klassische, immer aber leicht veränderte Schnitte sowie Anleihen bei den Mustern der 70er-Jahre kennzeichnen ihren Stil. "Da steckt viel aus meiner Kindheit drin, der Look unserer Vorbilder von damals, Kalle Blomquist zum Beispiel", sagt sie. Man sieht sie fast vor sich, diese Kindheits-Helden. In den Knickerbocker-Hosen aus dezent gemustertem Stoff etwa. Lisa aus Bullerbü könnte in dem Trägerkleid mit den großen roten Blumen gesteckt haben. Und Oles kleine Schwester Kerstin hinterließ die Spinatkleckse, die sie produzierte, wahrscheinlich auf einem Body wie jenem mit der Elefantenborte, den es nun im Geschäft gibt.

 

Pyjama für Vater und Sohn

Verkaufsschlager aber ist das blau-weiß karierte Pyjamapaar für Vater und Sohn, das in einer Behindertenwerkstatt in Weißensee gefertigt wird. Daneben gibt es Kinder- und Erwachsenenmode anderer Labels, bevorzugt aus Öko-Textilien.

Die Kunden von Sooth und Bouchon sind neben den Friedenauern auch Menschen aus dem restlichen Berlin, die per Hörensagen vom kleinen Warenhaus erfahren haben. Mitunter schaut auch der Vermieter herein. Nicht zur Kontrolle, sondern weil er sich darüber freut, was die beiden Frauen aus dem Ladenraum gemacht haben.

Manchmal packen Sooth und Bouchon einige aussagekräftige Artikel in den Oldtimer, der als Firmenfahrzeug dient, und bauen etwa beim Weinfest auf dem Rüdesheimer Platz einen Stand auf. Dann stehen sie zwischen der romantischen Brunnenanlage, den Häusern im englischen Landhausstil und dem alten "Café Achteck" und präsentieren nostalgisch geblümtes Briefpapier neben Holzspielzeug und Trenchjacken. Ein stimmiges Bild.

 

Warenhaus Bouchon & Sooth Südwestkorso 70, Friedenau, Tel. 52 68 77 11, Mo.-Fr. 10-18 Uhr, Sbd. 11-16 Uhr

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