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Berliner Perlen

Was das Schwesterherz begehrt

Öfter mal was Neues: Jennifer und Melanie Nölken verkaufen Dinge für zu Hause, für zwischendurch und für den Gabentisch. Ihr ursprünglicher Job war ihnen nicht mehr lukrativ genug
 
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Am Anfang standen echte Notlagen. Die immer gleiche Frage am Morgen zum Beispiel: Wo, zum Kuckuck, hatte man bloß gestern das Auto geparkt? Oder dieses Dilemma mit den Hochzeits-Einladungen: Eigentlich kennt man das glückliche Paar gar nicht so gut. Für ein ausgesprochen persönliches Geschenk jedenfalls reicht es nicht. Aber schön soll das Präsent trotzdem sein, und möglichst beiden gleichermaßen Freude bereiten.

 

Jennifer und Melanie Nölken kennen solche Situationen zur Genüge. Mit dem Fahrrad habe sie schon ganze Straßenzüge absuchen müssen, um ihren Kleinwagen wiederzufinden, erzählt Melanie Nölken. Statt sich darüber immer von Neuem zu ärgern, erfand sie den Parkplatzmerkassistenten, kurz: Parmer. Ein magnetisches Modellauto kann auf diesem Schlüsselkasten mit dem Stadtplanausschnitt des eigenen Kiezes darauf täglich in der richtigen Straße "geparkt" werden. Ebenso wie die Kissenbezüge der Serie "Hochzeitsnacht" mit Gute-Nacht-Wunsch für sie und ihn gehört der Parmer zum Sortiment des Design-Geschäfts "Kunstschule", das die Nölken-Schwestern in Prenzlauer Berg gemeinsam betreiben.

 

Kleine Auswahl von allem

 

So vielfältig wie die Bedürfnisse, denen die Produkte der beiden Designerinnen entsprangen, so bunt ist auch das Warenangebot in dem geräumigen Eckladen. Geschirr und Haushaltshelfer, Kinderkleidung und Spielzeug, Papeterie und Wohnaccessoires. Von allem gibt es nur eine kleine Auswahl. Die aber ist originell und in einschlägigen Kaufhäusern oder Geschenkartikelläden schwerlich zu finden. Auch einige wenige Leuchten und Möbel stehen zum Verkauf.

 

Das Bett, auf dem die Schlummerkissen für das junge Paar in rosa ("Schlaf schön") und hellblau ("Du auch") drapiert sind, hat Jennifer Nölken konstruiert. "Ich hatte schon alle Möbelhäuser abgeklappert und nichts gefunden, was mir gefiel", sagt sie. Schlicht sollte das Schlafmöbel sein, "sich nicht so wichtig nehmen", und vor allem praktisch sein.

 

Ähnliches galt für die Stapelhocker, die eigens für die "Kunstschule" entwickelt wurden. Die startete zunächst tatsächlich als Schule. 2003, nachdem die beiden studierten Architektinnen sechs Jahre lang Inneneinrichtungen für Kinos entworfen hatten, mussten sie sich ein neues Standbein suchen. "Der Kinoboom in Berlin war einfach irgendwann vorbei", sagt Jennifer Nölken.

 

So entstand die Idee, das eigene Innenarchitekturbüro mit einem kreativen Lern- und Versuchsraum für jedermann zu verbinden. Der ehemalige Supermarkt an der Hufeland-, Ecke Esmarchstraße musste zwar zuerst entkernt und umfangreich saniert werden. Das Ergebnis aber rechtfertigt den Aufwand. "Hinten im Raum, wo früher die Kühlzellen waren, kam das eigentliche Schmuckstück zum Vorschein, mit Stuck an der Decke", sagt Jennifer Nölken.

 

Um die Seminarräume möglichst praktisch einzurichten, ließen sich die Schwestern bei einem Kreuzberger Tischler ihre Stapelhocker fertigen, geeignet zum Sitzen, als Tischchen oder, gestapelt, als Regal und Ausstellungsmöbel. Drei Jahre lang gaben befreundete Künstler und Designer Malkurse und boten Videoprojekte. Mütter machten ihre Kinder zu "Picasso-Kids", auch gemeinsame Kreativangebote für Eltern und Kinder waren im Programm. Die Kurse füllten sich, die Lehrer zu bezahlen war kein Problem. "Aber die Miete brachte das nicht rein", sagt Jennifer Nölken.

 

So wandelten die beiden Frauen die Bildungseinrichtung vollständig in ein Geschäft um, als das es vorher schon gedient hatte. In den hinteren Räumen residiert ihr gemeinsames Innenarchitekturbüro, das weiterhin als zweites Standbein fungiert. "Kunstschule" wurde zum Designlabel für die eigenen Produkte von Nölken und Nölken.

 

Denn auch Produkte von anderen Kreativen finden sich in ihrem Laden. Die meisten kennen sie persönlich, viele kommen aus Berlin. Wie Mademoiselle25Watt mit ihren frechen Aufklebern, tauglich unter anderem für die Geschlechtsumwandlung eines Pin-ups. Oder die in Berlin lebende Fotografin Friedrike von Rauch, die ein Memory mit ungewöhnlichen kunstvollen Architekturfotos aus der Hauptstadt gestaltete. Manche sind Kollegen, wie die Architekten von Karhard Architektur & Design, nach deren Plänen zum Beispiel das Berghain entstand. Ihr Quartettspiel der Baumängel bietet jetzt Häuslebauern spielerisch Hilfestellung.

 

Selbst zersetzende Materialien

 

Was die Produktpalette ästhetisch und ideell zusammenhält, können die Kunstschule-Geschäftsfrauen auf Anhieb nicht sagen. "Das Kriterium ist, ob es uns gefällt", so Melanie Nölken. Allzu verspielte oder gar üppige Designs wird man hier nicht finden, dafür schlichten, kühlen Stil. Wichtig sei ihnen außerdem die Geschichte hinter dem Produkt. Neben der persönlichen Bekanntschaft mit den Machern spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. So gibt es Kinderkleidung aus Öko-Baumwolle oder schicke japanische Umhängetaschen aus selbst zersetzenden Materialien. Und: Fast alles, was im Laden zu haben ist, gibt es auch im Internetshop der Kunstschule.

 

Kunstschule Hufelandstr. 13, Prenzlauer Berg, Tel. 29 77 93 61, kunstschule.net , Mo.-Fr.- 10.30–20 Uhr, Sbd. 11.30–18 Uhr

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