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Zwölf Stunden

Technikmuseum - für kleine und große Kinder

Segelschiffe, Eisenbahnen und mysteriöse Maschinen, die schön viel Lärm machen: Dank der Mitarbeiter des Deutschen Technikmuseums ist für Besucher dort kein Tag wie der andere
Thomas Schwatlo, unterwegs mit seiner Bohnermaschine
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06:05: Es ist noch ruhig und friedlich unter der Cessna 172 P, mit der einst Mathias Rust auf dem Roten Platz in Moskau landete. Seit gut einem Jahr hängt das Flugzeug in der Eingangshalle des Deutschen Technikmuseums und heißt die Besucher willkommen, die zu seinen Ehren staunend den Kopf in den Nacken legen. Thomas Schwatlo zieht mit seiner Bohnermaschine leise Kreise auf dem Parkett, während seine Kolleginnen Astrid Wolter und Milka Vojnovic Flugzeugmodelle abstauben. In knapp drei Stunden werden Schulklassen und Touristen in das Museum strömen. Die Ruhe und die Reinigungsteams werden schlagartig verschwunden sein.

 

07:10: Der Museumsdirektor Professor Dirk Böndel klappt seinen Laptop auf und verschafft sich einen Überblick über die anstehenden Termine, von denen die meisten mit der Eröffnung des neuen Trakts „Mensch in Fahrt“ am 13. Mai 2011 zu tun haben. Dirk Böndel hat 15 Jahre lang die Abteilung Schifffahrt geleitet, davon zeugen noch etliche Schiffsmodelle und Bilder in seinem Büro. Als Museumsdirektor muss der Historiker nun sämtliche Abteilungen gleichermaßen lieben und Management–Aufgaben wahr nehmen. Doch eins haben beide Ämter gemeinsam: „Projekte, die noch nicht abgeschlossen sind, machen am meisten Spaß.“

 

08:15: Metin Degirmenci und Ralf Graendorf starten mit ihrem Werkzeugwagen den morgendlichen Reparatur- und Wartungsgang durch das Science Center Spectrum. An 250 interaktiven Experimentierstationen probieren meist Kinder und Jugendliche aus, wie ein Flaschenzug funktioniert und was es mit Schallwellen auf sich hat. „Hier geht alles Mögliche kaputt. Wir wundern uns immer wieder, wie kreativ unsere Besucher dabei vorgehen“, sagt Metin Degirmenci. An diesem Tag wechseln die beiden die quietschblaue, jedoch leicht trübe Flüssigkeit im Wasserstrudel aus. Schuld an der offensichtlichen Algenbildung sind in diesem Fall nicht die Besucher, sondern Licht, Sauerstoff und Wärme.

 

08:55: Jacqueline Köberle setzt sich hinter die Kasse im Foyer, legt die Geldkassette ein und fährt ihren Computer hoch, damit sie pünktlich um neun Uhr die ersten Gäste an der Kasse begrüßen kann.

 

10:00: Die Besucherbetreuerin Anja Hertzberg trifft sich im Foyer mit einer fünften Klasse und deren Lehrerin. Die Schüler haben eine Führung in der Abteilung „Papiertechnik“ gewählt und beantworten entsprechend souverän die Fragen nach dem Erfinder des Buchdrucks. „Gutenberg“, antworten sie lässig. Echte Begeisterung kommt auf, als der Vorführer Ernst Ketterer eine Handpresse aus dem 17. Jahrhundert betätigt und nach einigen Minuten eine gedruckte Buchseite präsentiert. „Cool“ und „Ist ja krass“ kommentieren die Schüler.

 

10:50: Seit dem Neustart im September verweilen die Besucher länger in der Konrad-Zuse-Ausstellung. Das ist Eva Kudraß, einer der Kuratorinnen, aufgefallen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin macht regelmäßig Rundgänge und überprüft, die technischen Details. „Die Lautstärke an den Audiotafeln musste ich vor kurzem nach oben korrigieren“, sagt sie. Jetzt können die Besucher der Stimme von Konrad Zuses Sekretärin lauschen und das Gesagte trotz des Hintergrundrauschens verstehen.

 

11:20: Eine weitere Schulklasse erhält von Iris Kühnberger, Museumspädagogin im Bereich Besucherforschung, einen Stapel mit Fragebögen. „Die Fragebögen sind noch ganz neu. Wir müssen erst testen, ob sie von den Schülern auch wirklich verstanden werden“, sagt die Pädagogin. Die Besucherforscher möchten wissen, ob die Führungen zu lang oder zu kurz sind und ob die Kinder ihnen auch folgen können.

 

13:45: Dieter Masella misst die Länge der Druckseile aus, die später über Seilführungsrollen laufen werden. Seit mehr als dreieinhalb Jahren arbeitet er gemeinsam mit Wolfgang Tanneberg an einer präzisen Nachbildung des Schiffshebewerks Niderfinow im Maßstab 1:50. Die beiden pensionierten Museumsmitarbeiter haben bereits 39.000 winzige Metallnieten verarbeitet. Wann wird die Arbeit vollendet sein? „Das fragen sie alle“, seufzt Dieter Masella. „Irgendwann, an einem Nachmittag, wird es fertig sein. Nur an welchem Tag genau das sein wird, das weiß ich wirklich nicht.“

 

14:15: In der Telefonzentrale geht ein Anruf ein. „Ich habe bei mir im Keller ein sehr interessantes Objekt gefunden“, sagt eine ältere Dame. „Das könnte ein alter Kompass sein.“ Mitarbeiterin Wilma Stegmann macht sich Notizen. „Manche Leute erzählen uns von Flugzeugteilen, die im Wald oder auf dem Grund eines Sees liegen“, berichtet sie. Das wird notiert und an die Abteilungen gegeben. Wenn ein Bericht interessant und glaubhaft klingt, machen sich Kollegen vom Museum auf den Weg.

 

14:55: Hausmeister Frank Kruse ist auf dem Weg in den Keller. Dort wartet eine verborgene Welt aus Wasserbecken, Notstromaggregaten und gigantischen Heizungsanlagen.

 

15:10: Sabine Krick, Chefin der Abteilung Veranstaltungsmanagement, erhält per E-Mail eine Anfrage. Eine Frau plant im Frühjahr 2014 ein Familientreffen mit 200 Personen und würde dabei gerne von Dampfmaschinen umgeben sein. „Kein Problem, wir nehmen Reservierungen bis 2020 an“, sagt Sabine Krick. 478 Raumbuchungen konnte das Technikmuseum im letzten Jahr verzeichnen.

 

15:30: Die Beuth-Lok steht wieder an ihren Platz im Lokschuppen, wie Uwe Förster zufrieden registriert. Der Leiter der Abteilung Leihverkehr schließt pro Jahr 200 bis 300 Leihverträge mit Museen und mit Unternehmen ab und organisiert den Transport. Die mehr als elf Meter lange und 14 Tonnen schwere Lok wurde auf einem Tieflader nach Nürnberg gebracht, wo sie bei einer Ausstellung der Deutschen Bahn einige Wochen lang zu sehen war. Dass sie die Reise gut überstanden hat, verdankt sie Uwe Förster und einer Sicherheitsmaßnahme: „Die Lok wurde in Frapan gepackt, wie ein Frühstücksbrötchen.“

 

16:00: Am Eingang des Archivs stapeln sich Unmengen Kisten mit Akten, die noch nicht registriert sind. In den Räumen dahinter lagern Schriften, die bereits erfasst wurden. Die meisten stammen aus Firmennachlässen. „Würde man die Akten aneinander reihen, käme man auf zehn Kilometer. Vier davon alleine aus den Nachlässen von AEG und Telefunken“, sagt Jörg Schmalfuß, der Leiter des Archivs. Für Nachschub ist gesorgt. Derzeit übernimmt das Museum den Nachlass des berühmten Schriftdesigners Hermann Berthold.

 

17:20: Jacqueline Köberle schließt ihre Kasse. Wer jetzt noch kommt, kann lediglich noch einen Blick auf die Cessna erhaschen.

 

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