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Für alle, die nichts verpassen wollen...
11:30: Mandy und Phillip postieren sich schon jetzt vor den eisernen Toren der Waldbühne, um später auf jeden Fall in der ersten Reihe sitzen zu können, . Bis zum Einlass um 18 Uhr will sich das Pärchen aus Dresden die Zeit mit Zeitschriften vertreiben. Man wird es sich trotz regnerischen Wetters auf Isomatten bequem machen und das mitgebrachte Picknick genießen. Berlin und seine Sehenswürdigkeiten reizen die beiden 25-Jährigen nicht. "Wir wollen nur hier rein", sagt Mandy.
12:40: Die Bühne im 30 Meter tiefen Amphitheater ist mit Instrumenten, Kulissenteilen und großen Kisten vollgestellt. Dazwischen versuchen Bühnenbauer und Musiker sich gegenseitig nicht im Weg zu stehen. Rainald Grebe, Künstler des Abends, ist nur zu hören, aber im Chaos auf der Bühne nicht zu sehen. "Reich mir mal den Rettich rüber" schmettert der Sänger und Kabarettist aus Berlin seinen Hit in das Mikrofon.
13:10: "Ob meine Kostüme schon angekommen sind?", fragt Smokey Joe. Der DJ läuft von der Bühne zu den in flachen Baracken untergebrachten Garderoben im Backstage-Bereich der Waldbühne. Ein bisschen muffig riecht es im Inneren des Häuschens. Smokey Joe findet sofort, was er sucht. Im hinteren Teil der Band-Garderobe hängt sein Markenzeichen, das Gaddafi-Kostüm. "Die DDR-Orden hier habe ich von meinen Großeltern geschenkt bekommen", sagt der in Jena lebende Künstler stolz. Wichtig sei das Kostüm vor allem für den Grebe-Song "Diktator der Herzen". Da von 13 Uhr bis 15 Uhr aus Lärmschutzgründen in der Waldbühne keine Musik gespielt werden darf, beschäftigen sich indes Künstler und Technik mit ruhigen Tätigkeiten.
14:40: Ein Kamel schaut aus der Tür der Band-Garderobe. Und kichert leise. Nanu, das ist doch kein echtes Kamel? Stimmt. Unter der Plüschverkleidung, die tatsächlich an ein Kamel erinnert, versteckt sich der 40-jährige Schauspieler This Maag. Er ist mit seinem Kostüm auf den Weg in die Ankleide, denn der Kopf muss noch fixiert werden, sonst würde er sich später wohl auf der Bühne unweigerlich verirren.
15:00: Bühnenbildnerin Jana Skroblin greift zur Sprühfarbe. Mit einer Schablone trägt sie kleine Ausgaben des Berliner Fernsehturms auf roten Stoff auf. Damit soll das Pult von DJ Smokey Joe verkleidet werden. "Außerdem muss ich noch die vier aufblasbaren Hasen annähen", sagt die 37-Jährige. Obwohl sie nur noch wenige Stunden hat, bis alles fertig sein muss, ist sie die Ruhe selbst. "So viel kann nicht mehr schief gehen", meint sie. Schließlich arbeite sie bereits seit April an den Accessoires für Rainald Grebes Bühnenshow.
16:00: Die Betreiber der Getränke- und Imbissstände oberhalb des Amphitheaters treffen letzte Vorbereitungen. Highlight ist die Erdbeerbowle. Letzte Früchte werden kleingeschnitten. "22 Stiegen haben wir heute verarbeitet", sagt einer der acht fleißigen Mitarbeiter.
16:15: Videoprobe. Jetzt entscheidet die Regie, wie welcher Künstler ins beste Licht gerückt werden kann. Auf einer riesigen LED-Leinwand im Hintergrund der Bühne sollen am Abend alle Künstler auch für die Zuschauer in den obersten Reihen des Amphitheaters noch groß genug zu sehen sein. Fünf Kameras sind dabei in Aktion und filmen auch die Zuschauer. "Da überlassen wir wirklich nichts dem Zufall", meint Videoregisseur Johann Robin.
16:40: Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn einer der rund 200 Scheinwerfer in der Waldbühne sich von einem der metallenen Balken lösen und herunterfallen würde. Damit das nicht passiert klettern Carlos Gruno (30) und Andreas Welscher (55) auf die Traversen zwölf Meter über der Bühne und fixieren zusätzliche Aufhängungen. Die Höhe kann die beiden Industriekletter nicht beeindrucken. "Wir sind Höheres gewöhnt", meint Andreas Welscher. Trotzdem dürfe man aber den Respekt vor der Höhe nie verlieren. "Wir gehen natürlich nur mit Sicherheitsleine auf die Gestänge", sagt Carlos Gruno.
17:00: So ist Klavierstimmen gar nicht schwer. Das kleine Gerät vor Martin Deuker auf dem Flügel zeigt an, wann die Taste den richtigen Ton wiedergibt. Immer wieder justiert der 55 Jahre alte Berliner Klavierstimmer einzelnen Saiten nach. "Früher habe ich nur nach Gehör gestimmt", erzählt er. Aber bei dem Trubel auf der Waldbühne sei das gar nicht möglich. "Da ist so ein Stimmgerät eine echte Erleichterung."
17:20: "Wer bekommt die Gnocchi?", ruft Küchenchefin Min Hendem vom Hellskitchen Catering. Sie verpflegt in dem Kantinen-Zelt neben den Garderoben heute alle Künstler mit Rinderbraten, Rotbarsch und vegetarischer Pasta. Zwischen Mittagessen und Abendbrot gibt es kleine Leckereien wie Kuchen und Obstsalat. Min Hendem kümmert sich heute rund um die Uhr um die Verpflegung. "Bei so vielen Leuten müssen wir in der Feldküche hier ständig improvisieren." Spontane Programmänderungen seien da überhaupt nicht drin, alle mitgebrachten Lebensmittel sind genau abgewogen. Nur die Gnocchi, die können auch mal nach Wunsch mit einer anderen Sauce serviert werden.
18:00: Es ist der Kampf um die Plätze in der ersten Reihe. Beste Sicht auf den Star des Abends und seine Band. Kaum öffnen die Tore, rennen die Zuschauer hinein. "Zack, Zack", ruft ein Mädchen ihren Freunden zu. "Wir müssen mindestens hundert Stufen runter."
18:47: Rainald Grebe läuft hin und her. Seine Miene ist besorgt. "Er ist im Tigermodus", sagt seine Agentin. Aufregung. Die heutige Bühnenshow ist die größte des Berliner Kleinkünstlers.
20:00: Eigentlich sollte Grebe in diesem Moment auf einem weißen Pferd über einen Balkon neben der Bühne reiten und seine Gäste begrüßen. Aber das Pferd will nicht. Die Ohren sind zurückgelegt, es tänzelt nervös im Backstage-Bereich. Nähert sich Grebe in seinem Federschmuck weicht es zurück. Nach Minuten, die wie Stunden wirken, klappt es. Der Sänger reitet ein.
23:10: Das Amhitheater bebt, ruft "Zugabe, Zugabe". Gibt es aber nicht. Nicht weil Rainald Grebe schon heiser wäre. Die Anwohner pochen auf die Einhaltung der Ruhezeit ab 23 Uhr. Hinter der Bühne bricht unter den Künstlern Jubel aus. "Hurra! Ich habe in der Waldbühne vor 15 000 Menschen gespielt", ruft der Bassist der "Kapelle der Versöhnung". Ein tolles Gefühl sei das. Nach Verlassen der Bühne beginnt der Abbau und wird bis 2 Uhr dauern.
23:30: Hoher Besuch bei der Aftershow-Party im Casino-Gebäude. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist gekommen, außerdem Tatort-Schauspielerin Ulrike Folkerts, sowie die Comedians Bastian Pastewka, Olli Welke und Thomas Hermanns. Ihr Urteil: gelungener Auftritt.
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