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Eventkalender, Tagestipps, Nightlife und Kritiken
Für alle, die nichts verpassen wollen...
08:30: Seit kurz nach sieben Uhr dampft und köchelt es in den Töpfen von Orawan Wutthikun am farbenfrohen Stand von "Thai Thai Best Food". "Am besten verkauft sich unser Hähnchengericht, mit rotem Curry oder mit Kokosnuss", sagt sie.
09:20: Karin Lossin sortiert Kümmelringe, Schwartenmagenblasen und Pfefferbeißer in die Auslage der Odenwälder Metzgerei. "Ab zehn Uhr ist hier Action bis 20 Uhr". Der Großbetrieb mit rund 70 Angestellten wurde in Hessen ausgezeichnet und darf das Bundesland nun in Berlin vertreten. Die hausgemachten Fleischwürste kommen gut an. "Das ist hier eher eine Präsentation", sagt Karin Lossin. "Wir verkaufen täglich höchstens ein Zwanzigstel von dem, was wir zu Hause absetzen."
10:00: Herbert und Beate Kunze sind einen halben Arbeitstag lang auf den Beinen, doch das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. "Wir sind heute schon um 6.20 Uhr in den Bus gestiegen, um pünktlich in Berlin zu sein", sagt Herbert Kunze. Es hat funktioniert: Das Paar aus Königswartha bei Bautzen musste zwar noch zwanzig Minuten anstehen. Dafür sind die Kunzes nun die Ersten. "Es ist unsere Grüne-Woche-Premiere", sagt Beate Kunze. "Zeit haben wir bis 17.30 Uhr, dann fährt unser Bus wieder ab."
11:15: "Wo bitte ist die Tierhalle?" Diesen Satz hören Viola Aurich und Svenja Isringhausen ganz besonders oft. Dicht gefolgt von Fragen nach der Blumen- und Bierhalle. Die beiden jungen Frauen haben heute eine Zehn-Stunden-Schicht am Informationsschalter des Haupteingangs. "Häufig kommen die Leute zu uns, wenn sie etwas verloren haben oder jemanden suchen", sagt Svenja Isringhausen. Verlorenes lässt sich selten wieder auftreiben. Vermisste Personen schon eher. "Wir haben ein Suchsystem, das alle Infoschalter verbindet und das von der Leitung koordiniert wird."
12:35: Auf dem Innengelände des ICC weht ein frostiger Wind. Sandra Kess ist auf eisige Kälte allerdings angewiesen. Im Kühlwagen des Hamburger Fischinformationszentrums sucht sie einen Atlantischen Lachs und einen Kaisergranat hervor. Die sind für die Auslage drinnen bestimmt, in der sich über 80 Arten Meerestiere befinden. "Ob Seespinne, Schwertfisch oder Steinbeißer: Die Besucher fasziniert bei uns, die Fische einmal im Ganzen zu sehen und in einer Vielfalt, wie sie kein noch so gut sortiertes Fachgeschäft bietet."
13:20: Kaum etwas ist derzeit auf der Messe derzeit so "in", wie Biolebensmittel, abgesehen von Kochshows. Was liegt da näher, als beides zu verbinden? Dafür ist Bernd Trum zuständig, einer von 16 deutschen Bio-Spitzenköchen. Von den mit Kokosknusper umhüllten, gebratenen Bananen ist leider nichts mehr übrig, aber Trum bereitet auf seiner mit Technik umstellten Showbühne schon den nächsten Clou vor: niedrigtemperaturgegarte Schweinefilets mit Steckrüben-Grünkohlgemüse und Meerrettich. Etwa 30 Portionen werden direkt nach der Show verteilt. Wer vorn sitzt, kommt so gratis zu seinem Mittagessen.
15:05: Daniela Lüning und Carolin Reimertz legen Erna und Birte an Pferdestricke. Alle zwei Stunden müssen sie mit den Thüringer Waldziegen Gassi gehen, damit diese frische Luft schnappen und Bewegung bekommen. "Ziegen werden draußen gehalten. In der Tierhalle ist es viel zu warm für sie", sagt Tierpflegerin Reimertz. Doch Erna und Birte zerren ihre Betreuerinnen schon nach kurzer Zeit wieder in Richtung Hallentor. Es regnet, und das mögen die Ziegen nun gar nicht. "Im Gegensatz zu Schafen haben Ziegen kein imprägnierendes Wollfett, deswegen sind sie sehr nässeempfindlich", sagt Daniela Lüning.
17:45: Bruno schreitet von seiner Box hinaus in die Arena, zu den anderen Bundessiegern des heutigen Fleckviehwettbewerbs. So respekteinflößend wie der Zwei-Tonnen-Bulle ist keiner im Rund. Ein Höhepunkt für Werner Mette. Glücklich schaut der Stallmeister auf die Siegergarde. Mit seinem Team aus fünf jungen Studenten sorgt er täglich dafür, dass genügend Futter da ist, die Mistcontainer abgeholt, oder Späne, Stroh und Heu pünktlich geliefert werden. Auch auf Unvorhergesehenes muss er reagieren. "Mal fällt ein Stöckelschuh in die Arena, mal erdrückt eine Sau aus Versehen ein Ferkel." Was für ihn das Schönste hier sei? Mette bedeutet uns, ihm zu folgen. Er steigt über ein Gatter, geht vorbei an Heuwendern und Grasmähmaschinen. An einer Sperrholzbox, die kaum jemand beachtet, bleibt er stehen. Ein Brutkasten ist es, mit einem kleinen Fenster, hinter dem sich gerade vier Küken aus ihren Eiern herausmühen. "Das Schönste ist, wenn Leben entsteht", sagt Stallmeister Mette.
18:30: Laptops, Telefone, Funkgeräte und Mikros - in der Einsatzzentrale des Deutschen Roten Kreuzes in Halle 26b sind fünf Männer damit beschäftigt, eingehende Meldungen zu bearbeiten. Sie koordinieren den Einsatz von 53 Helfern und zwei Ärzten mit zwei Rettungswagen und einem Notarztauto. Rettungswachen sind auf das ganze Messegelände verteilt. Meist müssen sie Besucher nach übermäßigem Alkoholkonsum oder bei Kreislaufproblemen behandeln.
20:10: Ende der offiziellen Öffnungszeit. Der Trubel ebbt allerdings nur langsam ab, denn Feierabend ist auf der Grünen Woche noch lange nicht. Kaum sind die Besucher fort, sitzen Salmahar Harb sowie Bahria Omeirat und Tochter Howeida aus Neukölln an den Tischen ihres Restaurants und rollen unter geschwungenen Goldbögen mit flinken Fingern einen Mix aus Reis, Zwiebeln, Tomaten und Petersilie in Weinblätter. Ein libanesisches Gericht, das sich gut verkauft. Zwei Stunden brauchen sie für die Portionen des kommenden Tages.
20:50: Bundessiegerin Ines hatte einen anstrengenden Tag. Endlich kann sie beim Wiederkäuen entspannen. Im Nachbarstall drängeln sich zehn Ferkel an den Zitzen ihrer Mutter. Die Tiere der Grünen Woche haben Feierabend. Ihre Besitzer bauen indes in der Schauarena Tische und Bänke auf. Ein DJ stellt seine Anlage ein. Tierzüchter feiern den Abschluss des ersten Haustierwettbewerbs. Beckenlagen und Schulterpartien edler Zuchtrinder werden jetzt höchstens noch auf Tellern begutachtet.
21:35: Für die Gäste der traditionellen Wintergala der Tanzschule Keller ist das Ambiente der Tierhalle weniger geeignet. Aber im Palais des Messegeländes gleiten Damen und Herren wie Lena Baumeister und Jakob Deider ungestört über das Parkett. "Die Dekoration für den gestrigen Ball der Gartenfreunde", erklärt Monika Keller zufrieden, "durften wir übernehmen." 50 000 Euro soll der Schmuck gekostet haben. Sechs Spitzenpaare werden gleich um die Trophäe "Goldener Funkturm" wetteifern. Das endet nicht vor ein Uhr. Dann erst ist die verdiente Nachtruhe von Bundessiegerin Ines, den Waldziegen Erna und Birte, den Küken und all' den anderen Stars der Grünen Woche gesichert.
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