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Die schönsten Kiezkinos, die beliebtesten Currywurst-Buden
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- Zack-Zack soll es gehen. Schnell drankommen, schnell satt sein, schnell bezahlen und schnell wieder weg. So funktioniert Fast Food. Normalerweise zumindest. Am Kreuzberger Mehringdamm benötigt der Döner Zeit. Eine halbe Stunde Anstehen bei Mustafa's Gemüse-Kebap ist normal, egal ob sich der Hunger mittags, abends oder nachts einstellt. "Ich bin schon extra aus Steglitz gekommen und habe mich bei minus 17 Grad in die Schlange gestellt", sagt Denis Rolke (28). Warum? Denis zuckt die Schulter: "Ist eben der beste Döner der Stadt."
Dabei ist die Konkurrenz hart. Rund 2000 Döner-Buden gibt es laut der Türkisch-Deutschen-Unternehmervereinigung (TDU) in Berlin, das sind mehr als in Istanbul. Insider behaupten, das Geheimnis von Mustafas Döner sei die frische Minze und der Zitronensaft. "Eine regelrechte Geschmacksexplosion", schwärmt Denis Rolke und beißt herzhaft in seinen Hähnchen-Döner. Dann lacht er: "Unvergleichlich. Und dabei ist es nur ein Döner."
Ein paar Meter weiter steht ein Mann am Bistrotisch vor dem Spätkauf. Halblange dunkle Haare, T-Shirt, Jeans. Er trinkt Kaffee aus dem Pappbecher, nickt Passanten zu, winkt. Man kennt sich. Zufrieden blickt er auf die Schlange, die sich vor dem Imbiss gerade bildet. Diese Bude ist sein Baby. Der Mann ist der Inhaber, Mustafa, auch wenn der in Wirklichkeit Tarik Kara heißt. Sieben Jahre ist es her, dass er aus dem Fenster seiner Wohnung am Mehringdamm blickte und erkannte, dass die Currybude an der U-Bahnstation, direkt neben dem Finanzamt vor dem Aus stand. "Mir war gleich klar: Das ist meine Bude", sagt Tarik Kara, der sich bis dahin mit allen möglichen Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte. Auf dem Bau hat er gearbeitet, im Altenheim, als Gärtnergehilfe, aber vor allen Dingen in Dönerläden und Großküchen. "Deshalb wusste ich auch von Anfang an genau, wie meine Bude nicht sein soll", sagt er und grinst. Er wollte einen anderen Döner. Einen, für den die Leute quer durch die Stadt fahren. Einen, den sie immer wieder essen wollen. Eben einen, den er auch selber mag. Mit viel frischem Gemüse, selbstgemachten Soßen. "Mein Döner sollte ein Erlebnis sein. Leidenschaft."
Schon kurze Zeit später eröffnete Mustafa's Gemüse Kebap. "Die ersten Woche hat meine ganze Familie rund um die Uhr mitgearbeitet", sagt er. Die Nachricht, vom Super-Döner verbreitete sich schnell von Kreuzberg aus in die anderen Bezirke. Ein Werbespot für die Yorck-Kinos, in dem Tarik Kara die Marke Hipp veralbert, verhalf der Bude zum endgültigen Durchbruch. Im Spot geht es ähnlich zu wie bei dem berühmten Breiproduzenten. Knackige Möhren, sonnige Felder, pure Idylle. Und dann kommt Tarik und spricht mit ernstem Gesicht und in türkischem Slang in die Kamera: "Davor stehe ich mit meinem Namen." Firmenchef Claus Hipp nahm es mit Humor. Statt die Bude zu verklagen, schrieb er an die "Mustafa's" und kündigte seinen Besuch an, um den Döner zu probieren. "Bis jetzt war er noch nicht da", sagt Tarik Kara, "aber immerhin schon ein paar seiner Mitarbeiter."
Es ist Mittagszeit. Die Schlange wird mit jeder Minute länger. Männer mit karierten Hemden und in Anzügen stehen hinter einer jungen Frau mit rotgefärbten Haaren und einer durchlöcherten Strumpfhose. Zwei Schüler überlegen laut, ob sie den Döner lieber mit Hähnchen oder vegetarischer Kost nehmen wollen. Eine Frau im Kostüm und mit Sonnenbrille tippt noch schnell eine E-Mail in ihr Smartphone und reiht sich dann ebenfalls ein. Neben ihr auf der Bank dösen zwei junge Männer mit einem schwarzen Hund in der Sonne. Vor ihnen steht eine fast leere Flasche Wodka. "Es ist die Mischung, die hier so besonders ist", sagt Tarik Kara. Geschäftsleute, Finanzbeamte, Partygänger, Kinder, alte Leute, die Schlange ist ein buntes Sammelsurium, ein Querschnitt durch die Gesellschaft. "Sie kommen einmal zum Essen", sagt Tarik Kara, "und dann immer wieder."
Die Schlange reicht mittlerweile bis hinter die benachbarte Bankfiliale. Tariks Mitarbeiter füllen gebratenes Gemüse, Salat und Fleisch in Brote, freundlich, zügig - aber nicht hektisch. "Wer hierher kommt, weiß, dass er warten muss", sagt Tarik Kara. Immer wieder sagen ihm Bekannte, er solle aus dem Laden endlich eine Kette machen, sich über ganz Berlin ausbreiten. Und teurer müsse er werden, 2,90 Euro für einen Döner sei viel zu wenig. Dann erst würde er richtig viel Geld machen. Aber das will Tarik Kara gar nicht. "Wozu", sagt er, "ich verdiene doch auch so genug." Er wohnt mit seiner Familie noch immer in der Wohnung am Mehringdamm, aus deren Fenster er immer auf die Bude geschaut hat. Ein neues Sofa hat er sich gekauft, als das Geschäft anfing zu laufen. Und ein paar schöne Reisen mit seiner Familie hat er unternommen. Aber das war es dann auch schon. "Ich spare für meine Kinder", sagt Tarik Kara, "ich bin Döner-Verkäufer, kein Super-Geschäftsmann. Das hat sich alles so entwickelt, geplant war das nicht."
Wie viele Döner er am Tag verkauft, weiß Tarik Kara gar nicht ganz genau. "Vielleicht so 500", sagt er. "Oder auch mehr. Wir zählen nicht." Er ist als Kind mit seinen Eltern nach Berlin gekommen. Er ist in dem Kiez aufgewachsen, seine Mutter hat in einem Krankenhaus geputzt. Heute hat er selbst zwei Kinder - und 15 Angestellte. Manchmal stehen auf dem Bürgersteig so viele Menschen, dass dort kaum ein Durchkommen ist. Tarik Kara weiß, warum: "Döner ist Liebe."
Mustafa's Gemüse-Kebab, Mehringdamm 32, geöffnet bis nachts um 2 Uhr, am Wochenende auch bis 5 Uhr
Curry 36, Mehringdamm 36, 9 bis 5 Uhr
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