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Berliner Kaffeehäuser

Kaffee puristisch

Cynthia Barcomi brachte eine neue Kaffeehauskultur nach Kreuzberg
Cynthia Barcomi in ihrer Kaffeerösterei

Cynthia Barcomi in ihrer Kaffeerösterei

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Cynthia Barcomi in ihrer Kaffeerösterei

"Setz dich hin und entspann dich!" Das ist der erste Satz, den Barista Sebastian zu der Besucherin sagt. Dazu schenkt er ein freundliches Lächeln und fragt, was er denn bringen dürfe. Ein mehr als guter Start in den Tag im "Barcomi's" an der Kreuzberger Bergmannstraße. Vor 19 Jahren eröffnete Cynthia Barcomi dort ihre Kaffeerösterei. Schon längst sind das "Barcomi's" und das 1997 in den Sophie-Gips-Höfen in Mitte eröffnete "Barcomi's Deli" Institutionen.

 

Schon im Eingang steht der große Kaffeeröster, davor große Jutesäcke randvoll mit Kaffeebohnen – Sitzsäcke à la "Barcomi's". An einem Tisch sitzt ein älterer Herr und liest Zeitung, drei Tische weiter kuschelt eine junge Mutter mit ihrem Baby, hinten in der Ecke sitzen Studentinnen oder junge Arbeitskolleginnen, die eine Präsentation durchsprechen. Von eingrenzbarer Zielgruppe keine Spur.

 

Vorne, an der Kaffeemaschine, steht Sebastian und erfüllt die Wünsche der Gäste. Ganz oben auf der Kaffee-Hitliste steht der Latte Macchiato, danach kommt gleich der Cappuccino. "Barcomi's"-Mitarbeiter Stefan füllt derweil Kaffeebohnen für eine Kundin ab, die immer hier kauft, "weil es einfach am besten schmeckt!" Guter Grund. Groß und silberfarben hängt der Kaffeebohnenspender an der Wand. Die Bohnen tragen Namen wie Java Arabica Blawan, Guatemal Huehuetenango SHB oder Tanzania AA. Dazu gibt es für jede Bohne eine Erklärung zum Geschmacksspektrum. Ob nun "feine Säure", "kräftiges und elegantes Aroma" oder "fruchtig-süßer Kaffee" – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Nur kein "Industriekaffee", wie Cynthia Barcomi betont. Für sie hat Kaffee eine eigene Seele, eine eigene Philosophie. "Als ich ,Barcomi's' eröffnet habe, wollte ich nichts anderes als Kaffee rösten. Man muss auf so vieles achten, wenn man einen wirklich guten Kaffee haben möchte: Es kommt auf die Bohnen an, auf die richtige Lagerung, auf das richtige Mahlen", sagt die vierfache Mutter, die vor allem auch die amerikanische Backkultur nach Berlin gebracht hat. Als sie Mitte der 80er-Jahre aus New York kam und als Tänzerin arbeitete, stellte sie fest, dass der Berliner Kaffee noch schlechter war als der New Yorker. "Mein eigenes Café fühlte sich damals für mich so an, als würde ich eine Gegenbewegung zum furchtbaren Industriekaffee starten", sagt die leidenschaftliche Bäckerin, die im März ihr viertes Buch veröffentlicht ("Let's bake", Mosaik Verlag).

 

Heute ist "Barcomi's" für viele, die hierherkommen, und auch für die Chefin, noch etwas anderes: eine Gegenbewegung zur Hektik der Großstadt. "Eines der kostbarsten Güter, die wir heute haben, ist die Zeit", sagt Cynthia Barcomi. Bei ihr, in ihren zwei Geschäften, ginge es darum, den Moment zu genießen. Genau das könne man bei ihr. 40Mitarbeiter kümmern sich an beiden Standorten um das Wohl der Gäste. Wer zu ihr kommt, der lege Wert auf einen guten Sitzplatz, auf Service – also auf Personal, das am Tisch die Bestellung aufnimmt – und Ruhe.

 

Natürlich gibt es bei "Barcomi's" noch weitere Gründe, die die Gäste anlocken: die Bagels, die Cupcakes, die Brownies oder die American Apple oder Walnut Pies. Sie fallen sofort beim Betreten des Cafés in den Glasvitrinen ins Auge. Alles frisch, alles selbst gemacht. Auch von der Chefin persönlich. Sie liebt Backen und Kochen, sagt sogar, dafür sei sie geboren.

 

Und das Backen braucht oft Ruhe und Zeit – auch eine Art Gegenbewegung. Dabei ist Schnelllebigkeit aus einer Großstadt nicht wegzudenken. Natürlich nicht, aber für Cynthia Barcomi ist "Essen und Trinken ein Erlebnis – wenn alles stimmt". In all den "Kettengeschäften" stimme für sie eben nicht alles. "Es gibt auf dem Markt aber natürlich Raum für alles. Aber bei den großen Ketten müsste der Kunde viel zu viele Entscheidungen treffen: "Er muss auf dem Weg zur Bestellung üben, genau das zu sagen, was ich dann auch haben will. Das ist anstrengend. Reicht es nicht, wenn man verschiedene Kaffeesorten anbietet und dann nur entscheiden muss, ob der Kaffee groß, mittel oder klein sein soll?", sagt Cynthia Barcomi.

 

Für sie stehe es nicht zur Debatte, ob sie noch weitere Filialen eröffnet. "Ich liebe meine zwei Geschäfte und das Bücherschreiben. Mehr brauche ich nicht, es ist nicht mein Ehrgeiz, auch ein Kettengeschäft zu werden. Ich merke gerade, dass es wieder eine Gegenbewegung gibt: Man findet immer mehr von diesen kleinen, aber feinen Kaffeehäusern in der Stadt – weil die Menschen die Kostbarkeit der Ruhe und Zeit wiederentdeckt haben."

 

Barcomi's Kaffeerösterei, Bergmannstraße 21, Kreuzberg, Tel. 694 81 38, Mo.-Fr., 8-21 Uhr, Sbd./So. 9-21 Uhr . Barcomi's Deli, Sophienstraße 21, Sophie-Gips-Höfe, Mitte, Tel. 285 98 36, Mo.-Sbd., 9-21 Uhr, So. 10-21 Uhr

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