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Vielleicht nicht, was die Zahl der gastronomischen Betriebe anbelangt. Da haben Prenzlauer Berg und Charlottenburg die Nase vorn. Wenn man aber die Klasse des Angebots jenseits der Sternegastronomie betrachtet, ist Kreuzberg wohl das aufregendste Gebiet für Entdeckungstouren.
Vor allem das Quartier um die Bergmannstraße, Yorckstraße, am Südstern, an der Fichtestraße und am Paul-Lincke-Ufer hat sich in den vergangen Jahren zu einer kulinarischen Hochburg entwickelt, mit dem "Horvath", dem "H.H. Müller", dem "Le Cochon Bourgeois", dem "Noi Quattro", dem "E.T.A. Hoffmann" oder dem "Alten Zollhaus" gibt es dort zahlreiche Restaurants der gehobenen Klasse. Diesem Sog folgt nun etwa auch Spitzenkoch Tim Raue, der mit seinem Restaurant an der Rudi-Dutschke-Straße ab August das erste Sterne-Restaurant in Kreuzberg etablieren will.
Koch mit Erfahrung
Viel früher hat schon Stefan Hartmann (33) den Trend erkannt. Was vielleicht auch daran liegt, dass er schon vier Jahre lang bis 2006 als Küchenchef im Kreuzberger Restaurant "Jolesch" gearbeitet hat, also Geschmack und Vorlieben der Gäste in dieser Gegend kannte. Deshalb hat er auch nicht weit entfernt von der Muskauer Straße seinen Traum vom eigenen Restaurant wahr werden lassen. Seit Februar 2007 ist das "Hartmanns", ein gemütlich-schickes Souterrain-Restaurant mit Straßenterrasse, der perfekte Ort für kulinarische Inszenierungen.
Der Erfolg mit dem eigenen Lokal stellte sich schnell ein. Die Kollegen der Köchevereinigung "Kreuzberg kocht" nahmen ihn freudig auf. Im Eröffnungsjahr wurde er zum Aufsteiger des Jahres unter den Berliner Meisterköchen gewählt. Der anerkannte Feinschmeckerführer "Gault Millau" zeichnete ihn mit 15 Punkten aus. 2008 wurde der gebürtige Niedersachse gar zum "Berliner Meisterkoch" gewählt. Also, höchste Zeit für eine Einkehr im "Hartmanns".
Im August zeigt der Küchenchef, dass er trotz aller Ehrungen und Weihen ein bodenständiger Küchenmeister geblieben ist, der sein Handwerk exzellent beherrscht, Fähigkeiten, die er nicht zuletzt auch als Souschef - also Stellvertreter - von Sternekoch Kolja Kleeberg im "Vau" nahe des Gendarmenmarktes erworben hatte. Als Begleitung für sein sommerlich-leichtes Menü mit herbstlichen Akzenten hat er sich gemeinsam mit Löffelsend Weincompagny die Weine des VDP-Weingutes "Pfeffingen" aus dem pfälzischen Bad Dürkheim ausgesucht, die mit ihrer hohen Qualität und ihrem umfangreichen Sortiment hervorragend zu dem Stil seiner Küche passen.
Als Aperitif gibt es einen wunderbar animierenden 2007er Brut Riesling-Sekt. Der macht so recht Appetit auf die Vorspeise, die dünnen, marinierten Kalbshaxenscheiben mit Flusskrebs und Schalotten-Schnittlauch-Vinaigrette. Ein 2009er Riesling "Plaisir" mit seinem fruchtigen Aroma nach grünen Äpfeln komplettiert diesen verheißungsvollen Einstieg.
Kichererbse und Oliventapenade
Mit dem Heilbutt in Brotkruste mit Zweierlei von der Kichererbse und Oliventapenade ist Hartmann ein hocharomatischer Zwischengang gelungen. Ein 2009er Silvaner Kabinett mit Aromen von Stachelbeere und Pfirsich ist ein perfekter Begleiter dieses Fischganges.
Seine Bodenständigkeit beweist der Küchenchef beim Hauptgang mit Geschmortem und Gebratenem vom Rind mit Polenta und Waldpilzen der Saison. Das deutsche Winzer auch hervorragende Rotweine machen können, wird beim begleitenden 2007er Spätburgunder klar. Der im Holzfass gereifte Wein mit Kirsch-, Brombeer- und Bitterschokolade-Aromen ist ein wirklich spektakulärer Tropfen, an den man sich lange und gern erinnern wird.
Genau so wie an Hartmanns Dessert-Kreation, die Waldbeerenschnitte mit Joghurtsorbet und Sabajone. Eine Scheurebe Spätlese, eine Spezialität des pfälzischen Weingutes Pfeffingen, lässt den gelungenen kulinarische Ausflug nach Kreuzberg ausklingen.
Hartmanns Restaurant Fichtestraße 31, Kreuzberg, Tel. 61 20 10 0, im August täglich ab 17 Uhr geöffnet
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