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Berlin genießen

Fünf Weine, vier Köche, ein Menü

Gemeinhin gilt das Sprichwort "viele Köche verderben den Brei" als Hinweis auf Kompetenzgerangel, was besonders in der Küche zu Konflikten mit weitreichenden Folgen für das Essen führen kann. Wenn sich gleich vier ehrgeizige Küchenchefs ins Zeug legen, droht folglich eine kulinarische Katastrophe - es sei denn, jeder herrscht über ein eigenes Küchenreich.



So wie in dem Gastro-Imperium der Adlon-Holding auf der Rückseite des legendären Hotels. Dort gibt es mit dem Felix, dem Gabriele, dem Uma und dem China-Club gleich vier Restaurants der Spitzenklasse. Und in jedem dieser Restaurants agiert ein Küchenchef souverän und mit eigener Stilistik. Um die Gerichte all dieser Köche kennen zu lernen, müsste man also vier Mal einen Gaststättenbesuch einplanen. Einfacher scheint uns da, das Morgenpost-Menü im November zu buchen!

Denn im kommenden Monat können Sie die kulinarische Handschrift aller vier Küchenchefs vereint in einem Menü erleben. Damit der Gast dabei nicht nach jedem Gang das Lokal wechseln muss, werden alle Gerichte in der Küche des Felix angerichtet und im loungigen Clubrestaurant serviert. Wie gewohnt gibt es vorneweg einen Aperitif, einen trockenen Riesling-Sekt von Balthasar Ress, und zu jedem Gang ein Glas Wein eines deutschen Spitzenwinzers.

Bissfeste Garnelen

Den Part für den kulinarischen Auftakt übernimmt der erfahrenste der vier Küchenmeister, der 42-jährige Tam Kok Konk aus dem exklusiven China-Club in der obersten Etage. Mit seinen bissfesten Garnelen in feiner Trüffelmayonnaise mit Mango- und Erdbeer-Würfeln beweist Konk, dass er ein Meister der chinesischen Haute Cuisine ist, in deren Genuss sonst nur die Club-Mitglieder und deren Gäste kommen. Konk, der als einer der drei besten Köche Asiens gilt, ist vor allem berühmt für seine Dim Sums und seine modernen Interpretationen der traditionellen Küche des Reiches der Mitte. Zur fernöstlichen Feinkost gibt es einen trockenen 2009er Riesling vom Weingut Wittmann aus Rheinhessen mit duftigem Bukett und fruchtig-eleganter Säure.

Beim Zwischengang kommt der Jüngste der Küchenchefs ins Spiel. Der 26-jährige Andreas Flechs wuchs quasi über Nacht in diese Rolle hinein. Denn nach dem für viele überraschenden Wechsel von Sterne-Koch Björn Alexander Panek nach Dubai hat nun dessen Meisterschüler die Regie am Herd im Gabriele übernommen. Dort gibt es eine hochwertige, traditionelle italienische Küche, die von dem mediterranen Charakter des Landes geprägt ist. So bietet auch das Gericht von Andreas Flechs leichte, mediterrane Kost mit feiner Schärfe und großer Aromenfülle, nämlich gebratenen Pulpo mit Petersilie, dem Sud von Jalapeño (mexikanische Paprika) und Perlzwiebeln. Begleitet wird dieser Gang von einer frischen, mineralischen 2008er Cuvée aus Weißburgunder und Riesling vom Weingut Grans Fassian an der Mosel: einem fruchtigen und harmonischen Weißwein mit moderater Säure und dezenter Würze.

Beim Hauptgang aus der Küche des Uma wird es wieder asiatisch. Da hat sich Küchenchef Stephan Zuber (33), der seit der Zusammenlegung von Uma und Ma das Uma kulinarisch unter seine Fittiche genommen hat, für eine würzig-aromatische Variation der zart-saftigen Perlhuhnbrust entschieden. Die wird recht puristisch, nur mariniert und geflämmt mit der traditionellen japanischen Miso-Paste, auf Selleriepüree und grüner Jadesauce serviert. Passend zur kräftigen, dunklen Miso-Lasur gibt es eine 2009er Rotwein-Cuvée "Us de la Meng" aus Spätburgunder, Frühburgunder und Dornfelder von Meyer-Näkel von der Ahr. Sie zeichnet sich durch sattes Granatrot, intensive Aromen von reifen Kirschen und Anklänge von Rauch und Karamell aus.

Der kulinarische Hausherr im Felix, der 31-jährige Michael Liebing, ist für den süßen Abschluss des Menüs zuständig. Da verzaubert der Meister des "Metropolitan Food" die Gäste mit einer delikaten Köstlichkeit der Spitzenklasse, einem Tiramisu im XXL-Cocktailglas mit erfrischendem Blaubeersorbet obendrauf. Die cremige Mascarpone ist ein Gedicht und wird wunderbar begleitet von dem feinherben 2007er Riesling von Jochen Dreissigacker "Private Selection", der das außergewöhnliche Menü mit den Genüssen aus vier Küchen beschwingt ausklingen lässt. Und wer anschließend noch Lust auf einen vergnüglichen Abend in einem der schönsten Clubs der Hauptstadt hat, darf gerne noch bei loungiger Musik im Felix verweilen.

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