Berlin-Tops
Die schönsten Kiezkinos, die beliebtesten Currywurst-Buden
Erleben Sie das Beste von Berlin...
"Ein neuer Höhepunkt für Schwindelfreie", behauptet Gastronomiechef Julius Hauptmann.
Der gebürtige Wilmersdorfer steht hinter der Theke des Cafés, in dem ab 10 Uhr morgens Sandwiches, Tramezzini und Baguettes angeboten werden. Aus der dreiköpfigen Wega-Kaffeemaschine verströmen fein gemahlene Bohnen des italienischen Spezialrösters Monacafé ihr Aroma, in der Vitrine stehen Kuchen und Muffins von der bekannten Wiener Konditorei am Roseneck. "Das wird einer der außergewöhnlichsten Orte für einen Sonnenuntergang in Berlin", ist sich Hauptmann sicher.
Gastronomie in luftiger Höhe hat einen besonderen Reiz, den man oft mit einem Aufpreis bezahlen muss. So kostet allein die Fahrstuhlfahrt zum Panoramapunkt Café 5,50 für Erwachsene und 4,50 Euro für Kinder, Die Preise im Café dagegen sind zum Glück zivil. Ein Besuch bei Käfers Spitzenküche am Reichstag liefert sogar noch einen Zeit-Vorteil. Wer im berühmten Dach-Restaurant mit Blick auf das Zentrum Berlins reserviert hat, kann problemlos an den Warteschlangen der Reichstagbesucher vorbei, und zum Dessert trotzdem die Kuppel besichtigen.
Freitag, 18 Uhr, Anhalter Bahnhof. Im Erdgeschoss einer architektonischen Hässlichkeit der frühen Siebziger Jahre empfängt ein junges Türsteher-Paar. "Alles voll" werden potenzielle Gäste des Restaurants Solar abgewiesen. Zum Glück haben wir reserviert. Mit einem gläsernen Fahrstuhl geht es hoch in die 16. Etage. Ab der sechsten lassen wir die anderen Gebäude unter uns, der Blick fällt auf das Gelände des Anhalter Bahnhofs mit dem Tempodrom, rechts taucht der Martin-Gropius-Bau auf, gegenüber das Abgeordnetenhaus. Oben im Restaurant bewundern wir das atemberaubende Panorama der Stadt.
Mit einem freundlichen "Hello" begrüßt uns Polly Gregory aus Melbourne, seit einem Jahr Maître des Solar. Die rund hundert Restaurant-Plätze befinden sich linkerhand, rechts vor der lang geschwungenen Bar gibt es noch ein paar Zweiertische für nachmittägliche Kaffeetrinker. Jetzt zum Abend hin werden sie für den Restaurantbetrieb eingedeckt.
Ingwerbier und Zitronensaft
Mit Blick Richtung Zentrum und Osten platziert, beginnt unser Spiel namens Gebäuderaten. Dazu werden Cocktails gereicht, zum Beispiel Thai Lemonade: Mandelsirup mit Ingwerbier und Zitronensaft, dekoriert mit Koriander. Eine halbe Stunde später ist der Schankraum fast voll besetzt. Überraschend viele Eltern mit staunenden Kindern sind unter den Gästen. Und Touristen.
Für die Speisekarte zeichnet seit drei Jahren Norman Marquardt verantwortlich, der zuvor im Linden Life an den Feuerstellen tätig war. "Moderne, internationale Küche" nennt der gebürtige Mecklenburger seine Ausrichtung. Es gibt in Absinth marinierte Jakobsmuscheln als kaltes Entree, oder eine delikate klare Hühnersuppe mit Zitronengras und Tofu-Sesam-Lolli. Bei den Hauptspeisen ist der Klassiker Wiener Schnitzel durchaus eine Empfehlung, 18,50 Euro mit Kartoffel- und Gurkensalat. Aus der Wasserwelt sind drei Gerichte im Angebot, zum Beispiel Zanderfilet auf Flusskrebsen mit Schwarzen Trüffeln, für 24 Euro.
Gegen acht Uhr werden viele Tische ein zweites Mal besetzt, diesmal größtenteils von modisch gestylten Mitdreißiger-Paaren. Ab zehn, halb elf Uhr verlagert sich das Geschehen im Solar ein Stockwerk höher. Dann legen DJs bis morgens um zwei Uhr auf, am Wochenende bis 4 Uhr. Zu Electro, Downbeat und Soul grooven, die Silhouette der Stadt stets vor Augen.
Berlins höchstgelegenes Lokal, das Telecafé, dreht seit 1969 seine Runden
im zweihöchsten Gebäude Europas, dem Fernsehturm. Bis 18 Uhr im Halbstundentakt, danach einmal die Stunde, erleben die staunenden Esser eine 360-Grad-Ansicht der Stadt. Zehn Euro kostet die Fahrt mit dem Expressfahrstuhl in 203 Meter Höhe, Kinder bis sechzehn Jahren zahlen 6,50. Bei gutem Wetter nehmen bis zu achthundert Gäste am Tag diese finanzielle Hürde, und werden mit dem eindrucksvollsten Blick auf die Stadt belohnt. Bei gutem Wetter sieht man bis zu 50 Kilometer weit.
"Schlechtes Wetter merken wir sofort", sagt Cathleen Herrich, Sales Managerin des Telecafés, "dann bleiben die Gäste aus". Sie berichtet stolz vom "neuen Geheimtipp der Stadt: Frühstück auf dem Fernsehturm". Für rund zehn Euro wird ab zehn Uhr morgens ein üppiges Frühstück serviert. Die klein gehaltene Mittagskarte bietet neben Berliner Spezialitäten wie einer unterarmlangen Currywurst zu 9,50 Euro eher leichte Kost an, abends schmeckt es hochwertiger. Das Essen wird in der Küche am Fuße des Turms gekocht und oben im Telecafé im Konvektomat auf Serviertemperatur gebracht.
Hohe Kochkunst im 14. Stock
Ganz anders im Hotel Intercontinental am Rande des Tiergartens. Dort bietet Sternekoch Thomas Kammeier im wahrsten Sinne hohe Kochkunst. Was er im 14. Stock seinen Gästen vorsetzt, gehört zum Besten, was die Stadt kulinarisch zu bieten hat. 2003 entschied Hoteldirektor Willy Weiland, mit dem etwas angestaubten Erdgeschoss-Restaurant Zum Hugenotten auf das Dach des Hotels zu ziehen. Kammeier ersann für den neuen Gourmet-Treff den Namen "Hugos".
Da erwarten die Gäste ein hochwertig-modernes Ambiente und die beeindruckende Sicht Richtung Osten. Ein Achtel des Dachquaders nimmt die Küche ein.
Edle Blumengestecke, teures Besteck und Designgläser von Rosenthal sorgen mit einem dezent-liebevollen Service für beste Stimmung. "Dieser Arbeitsplatz ist das tollste, was ich mir vorstellen kann", erklärt der 43-jährige Kammeier, "letztens gab es ein Gewitter. Da hatten wir das Gefühl, mitten drin zu sein."
Zu konfiertem Königslachs mit Pommery-Senf-Eis und einem Hugos Hauswein aus Grau- und Weißburgunder von Martin Schwarz aus Sachsen genießt der Gast begeisternde Ausblicke in fesselnden Farben. Das dunkle Grün des Tiergartens, rosa und graue Wohngebäude am Landwehrkanal, das Heck der schiffförmigen CDU-Zentrale, die eingerüstete Goldelse, der sich wie ein Schildkrötenrücken aus dem Häusermeer wölbende Humboldthain in der Ferne. Zu bretonischem Rochenflügel mit einem würzigen Sobrassada-Korinthen-Sud erkennt der Gast, dass er in direkter Linie der Leipziger Straße gegenübersitzt, durch die ein nicht enden wollender Verkehr rote und weiße Lichtfäden zieht. Bei einem exzellenten Rehrücken, einmal unter der Pecan-Nusskruste, einmal perfekt nature gegart, zu Blumenkohlmousse mit Aprikosen und Minze, genießt man die Harmonie eines 2007er St. Laurent des Österreichischen Weinguts Schloss Gobelsburg und Gespräche über die faszinierenden Sichtachsen. Etwa 150 Euro kostet dieses Vergnügen für fünf Gänge, inklusive Weinen. Gastronomische Höchstleistung hat gerade in luftiger Höhe ihren Preis.
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