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Gourmetspitzen

Schlemmen auf dem Reichstag

Sie kennen gewiss den Spruch: Alles neu macht der Mai. Aber manchmal kommen gravierende Veränderungen schon zum Jahresbeginn. Nach Umbau und Neugestaltung sieht das Restaurant im Deutschen Bundestag über den Dächern von Berlin aufgeräumter, eleganter und hochklassiger aus.
Heinz Horrmann / BM Kolumnist
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Damit wurde ein wunderbarer Rahmen geschaffen für die Bewirtung im weltweit einzigen öffentlichen Restaurant in einem Parlamentsgebäude.

Hauptsache deutsche Gerichte

Der Nachteil der Geschichte für den Betreiber: Obwohl sie keine Fachkenntnisse haben, reden Bundestagsabgeordnete mit, wenn es um die Konzeption und die Art des Küchenangebots geht. Dabei ist es den Parlamentariern egal, dass sich viele Gäste das typische Käferzelt-Programm wünschen. Krosse Bauernenten, zum Beispiel, Spanferkel aus dem Rohr mit röscher Haut, in großzügigen Portionen aufgetischt, Brathendl oder Lamm vom Gutshof Polting, Damit wäre ich in jeder Woche mindestens einmal zum besonderen Genießen nach all den Gourmet-Essen auf dem Dach des Reichstages. Aber das Käfer-Team um Chefkoch Andreas Peter soll eher regionale deutsche Küche servieren und ausschließlich deutschen Wein. Jan Becker, Käfers Berliner Stadthalter, hat es aber geschafft, alle Wünsche und Forderungen umzusetzen und auch die bekannte Käfer-Qualität in allen Details zu erreichen.

Nehmen wir das aktuelle Abendmenü als Beispiel, das mit 68 Euro (bei Weinbegleitung 98 Euro) für vier Gänge fair kalkuliert ist. Der Einstieg, ein winterlich gebeizter Lachs mit Chicoree und Vanille-Kumquats, war für mich ein ganz neues Gericht. Winterlich gebeizt heißt hierbei, dass Sternanis und ein Hauch von Zimt in der Beize sind. Die Aromen passen hervorragend. Das anschließende Maronensüppchen ist mit (Sommer)-Trüffel und Portweinschaum verfeinert. Den gebratenen Wildhasenrücken in der Kombination mit gepfeffertem Spitzkohl und Sesamkrem und so genannten Quarkknöpfli war für mich nahezu ein perfektes Geschmackserlebnis. Das gilt auch beim À-la-carte-Angebot für das gebratene Störfilet mit Roter Beete und Spinatschaum.

 

In der Anfangsphase habe ich kritisiert, dass die Produkte zu lange gegart wurden. Das ist vorbei. Kalbsfilet und Hirschkalbsrücken hatten mit ihren roséfarbenen Kernen exakt die richtige Stufe. Der zarte Wildschweinschinken zum Feldsalat gehört nun nicht in die Kategorie Kochkunst, bietet aber mit Fleur de sel und süß-saurem Kürbis ein angenehmes Zusammenspiel der Aromen.

Zumindest in der Nähe der Käfer- Zelt-Genusspalette angesiedelt ist die Oldenburger Landentenbrust, die hier in der Dachterrassen-Küche leicht karamellisiert in Kombination mit Feigenrotkohl, Beifuß-Jus und Serviettenknödel zum Gast kommt. Dagegen ist die gebratene Taubenbrust mit Karotten-Ingwerpüree und Champignons eine Hinwendung zu Edelgerichten.

 

Von den Desserts sind zwei erwähnenswert: einerseits der Ruhmtopf mit Tahiti-Vanillecreme und Gewürz-Schokoladen-Eis, andererseits das Ziegenkäseparfait mit krossen Chips von Roter Beete, Mandel- Pesto und Zitronengelee.

Bei allen Köstlichkeiten sei auch der großartige Blick auf die Dächer von Berlin erwähnt, der durch die komplette Verglasung erst richtig möglich ist. Reservieren müssen Sie freilich schon, wenn Sie Berlin aufs Dach steigen wollen. Wer im Dachgarten-Restaurant im Reichstag speisen und die ganz besondere Atmosphäre erleben will, muss ein wenig Zeit investieren, um ans Ziel zu kommen. Gecheckt wird jeder Gast im Sicherheitsareal vor dem Reichstag. Wie auf dem Flughafen. Der unbezahlbare Panorama-Blick ist der Lohn für die Mühe.

Von allen Möglichkeiten im Laufe des Tages würde ich das Dinner empfehlen, denn am Abend wandelt sich das Ganztags-Volks-Bistro für Touristen und Abgeordnete zum ambitionierten Genuss-Restaurant. Darüber hinaus ist Berlin im Lichterschein besonders attraktiv.

 

Die Weinkarte ist zwar rein deutsch ausgerichtet, aber so zusammengestellt, wie man es von einem Haus mit renommiertem Weinhandel erwarten darf: umfangreich und kundenfreundlich kalkuliert. Einen guten Überblick vermittelt das Begleitprogramm zu den Menügängen, wobei es einen Querschnitt durch aktuell im Land angebaute Rebsorten gibt: Riesling, Chardonnay, Viognier (alte weiße Rebe von der Rhone), Cabernet Sauvignon und Rieslaner Auslese (zum Dessert).

Wer nach Voranmeldung mit einer Gruppe feiern und genießen will, darf auch Wein aus richtig guten Anbaugebieten wie Burgund oder Bordeaux wählen. Für mich ist das auch gut so, denn selbst der hochpreisigste deutsche Rotwein auf der Karte vom Zehnthof, Sulzfeld schmeckte wie ein künstlich gewürzter Glühwein und war meilenweit von einer Bordeaux-Mittellage entfernt.

Glückliche Hand

Der geschilderte Genuss im Restaurant belegt die glückliche Hand bei der Auswahl der Betreibergesellschaft. Michael Käfer hat sich einen glänzenden Namen mit unverfremdeten, teils deftigen Gerichten von vorzüglicher Produkt-Qualität gemacht. Das gilt für die ganze Bandbreite seiner Aktivitäten, vom außergewöhnlichen Party-Service bis zum Zelt auf dem Oktoberfest.

Ein abschließendes Wort zum Service. Bei Jan Becker, dem Berliner Chef, sowie beim jungen Restaurantleiter und den Kellnern, die ich erlebte, steht der Gast im Mittelpunkt und nicht im Weg. Jeder einzelne Tisch war stets im Blick, es wurde unaufgefordert nachgeschenkt, ohne Theater serviert. Detailerklärungen der Gerichte erfolgten nur, wenn das Gespräch am Tisch erkennbar nicht gestört wurde. So soll es sein.

 

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

 

Restaurant Käfer im Deutschen Bundestag, Platz der Republik, Tiergarten, Tel. 226 29 90, alle gängigen Kreditkarten

 

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