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Horrmanns Gourmetspitzen

Gourmetküche auf der Durchreise

Der Countdown läuft, es gibt ein "Wanderrestaurant", das man schnell besuchen sollte, sonst ist es wieder weg. Eine Nachspielzeit bis zum Ende der Internationalen Tourismus Börse (ITB), Mitte März, wurde gerade bekannt gegeben. Die Rede ist von Klaus Peter Koflers Pop-up-Restaurant Pret a Diner in der aufpolierten Alten Münze, am Krögel (nahe dem Roten Rathaus).
Heinz Horrmann / BM Kolumnist
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Nach den Riesenerfolgen des Pret a Diner-Konzeptes in Frankfurt, München und vor allem in London belebt nun die Zauberformel Gourmandise vom Feinsten, kombiniert mit einem spaßigen Durcheinander-Ambiente und alternativen Hingucker-Dekorationen das Berliner Gastro-Bild. Hier, in den riesigen Räumen, wo einst die Reichsmark, kurzzeitig die Deutsche Mark und länger die Ostmark zu DDR-Zeiten geprägt wurde, hält nun Kofler mit einer Garde Spitzenköche Hof. Im Wechsel stehen der Berliner Tim Raue, Oliver "Ollysan" Lange und der neue britische Superstar Adam Byatt am Herd.

Vorbereiten auf Olympia

Wer Kofler nicht kennt, hier ein paar Informationen, die über die Klatschspalten hinausgehen: Der dynamische Wahlberliner hat in den letzten Monaten als Edel-Caterer alle Branchenpreise abgeräumt. Er ist Deutschlands Eventmanager Nummer 1, Caterer des Jahres, etc. Zurzeit bereitet er sich auf die Olympischen Spiele in London und bald auf die Fußball-WM in Brasilien vor. Zu beiden Großereignissen hat er den VIP-Bewirtungszuschlag bekommen. So viel als nackte Information, wichtiger ist mir aber die Qualität der Küche, der Genuss schlechthin.

 

Kaum zu beschreiben, so köstlich schmeckte mir Tim Raues Hummer in einem hocharomatischen Sud mit feiner Säure, viel Koriander und delikater Süße von Mango. Das edle Krustentier ist noch leicht glasig, also nicht totgegart und eine wahre Gaumenfreude. Als zweiten Gang gab es bei meinem Besuch Kabeljau mit Chinakohl und eine Menge Aromaten. Bei den folgenden Schweinebäckchen (einmal nicht Kalb oder Ochse) glitt das Messer durchs Fleisch wie durch irische Butter. Die Schweinebacken waren mit Lauch geschmort und durch kleine Würfel von Wassermelone aufgefrischt. 68 Euro kostet dieses Menü und dieser Preis ist durchaus fair.

 

Wer ein Dessert mag, muss das freilich extra bezahlen (neun Euro). Dafür wird eine luftig-leichte Nachspeise ("Fruit of Joy") serviert. Mango, schwarze Johannisbeeren und Tapioka (Fruchtperlen), dazu ein aromatisches Sorbet nur aus Früchtemark, ohne viel Eiweiß.

 

Ollysan, der gebürtige Schotte mit dem großen Herzen für japanische Gerichte, kreiert Lachs mit Apfel, Shiso. Dann fünf Elemente seiner Sushi-Meisterkunst, gefolgt vom butterzarten Tafelspitz, den er aus edlem US-Prime Beef zubereitet.

 

Für den, der es mag (ich nicht), erwähne ich Stephan Hentschel (aus dem Berliner Cookies Cream) mit seinen vegetarischen Gerichten, beispielsweise Sellerie-Ravioli mit Walnuss, ein Landei mit Spinat und gebratene Pilze plus Wildkräuter. "Köche finden es spannend, mal nicht in ihren kleinen Gourmettempeln, sondern für durchschnittlich 130 Gäste zu kochen", sagt Kofler. Der Drei-Sterne-Koch Juan Amador hatte sich selber für das Münchener Film-Casino angeboten. Für die Macher in der Küche wie für die Gäste ist der Wohlfühlfaktor auf den Pret a Diner-Bühnen hoch. "Dining-Experience" nennt der Caterer seine Idee und betont, dass Live-Musik oder die Untermalung mit DJ-Programm zu den servierten Gängen so ziemlich einmalig in einem derartigen Rahmen sei und in jedem Fall die Stimmung hebt.

Liebhaber großer Franzosen

Wenn ein neues Restaurant eröffnet wird, dauert es in der Regel einen Monat bis alles rund läuft und eingespielt ist. Diese Zeit hat Kofler für seine Bäumchen-wechsel-dich-Küchen nicht. Allerdings baut er beim Service auf ausgiebige Schulungen, damit das Personal nicht wie schlecht eingewiesene Hilfskräfte herumirrt. Auch um die Weinkarte hat sich der Veranstalter persönlich gekümmert. Gut, es ist hier kein Edelband von den großen Lagen dieser Welt entstanden wie im First Floor oder Lorenz Adlon zu finden, aber eine Liste mit etlichen Weinen und Champagnern, die glasweise ausgeschenkt werden (ab 4,50 Euro) ist kundenfreundlich. Und das Angebot an Flaschen setzt auf deutsche Spitzenlagen, ebenso wie auf eine Auswahl italienischer und österreichischer Kreszenzen. Für die Liebhaber großer Franzosen stehen auch Meursault von Bouchard oder einige Grand Crus aus St-Emilion und Haut-Medoc bereit.

 

In der Zwischenzeit werden die Spots auf ungewöhnliche, zumeist alternative Kunstwerke gerichtet. Alles hier ist anders als in einem "normalen" Sternerestaurant. Was für mich aber das Wichtigste ist: die Kreativität der Küche und die permanente Detailarbeit überzeugen und ebenfalls der lässig-fröhliche, aber kompetente Service. Den Auftritten in Promi-Spalten, vor allem jetzt zur Berlinale, könnte den Eindruck erwecken, dies sei nur ein elitäres Spielfeld. Gewiss haben auch Brad Pitt, Denzel Washington und ein Dutzend weiterer Filmschaffender zur Berlinale hier ihren Tisch geordert. Richtig aber ist auch, dass jeder Normalgast reservieren kann (ab 16 Uhr) unter Tel. 0170 389 88 00.

 

Übrigens kann Kofler in der Hauptstadt noch ein persönliches Jubiläum feiern. Vor genau zehn Jahren stieg er mit seiner Firma in Berlin ins Catering-Geschäft ein. Weil es so gut lief und ihm die Metropole gefiel, installierte er 2006 seine Zentrale in Berlin. Und was er auch anpackt, alles wird pfiffig gestaltet, so wie jetzt die morbiden Räume der Alten Münze, wo neben dem Restaurant auch angenehme Bars und Separees geschaffen wurden. Allein der Spruch in einem vergessenen Zimmer: "Das Leben dem Menschen. Die Zukunft dem Kommunismus" passt mir nicht. Ich habe Kofler empfohlen, dafür die Quizfrage aufzuhängen: Worin unterscheiden sich Marx und Murks? Antwort: Marx ist die Theorie, Murks die Praxis.

 

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

 

Pret a Diner Alte Münze, Am Krögel 2, Mitte. Anmeldungen und Informationen unter pret-a-diner.com oder telefonisch ab 16 Uhr unter Tel. 0170 389 88 00

 

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