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Oft fühlen sich die anderen Museumsbesucher auch gestört und Mama schlecht - auch wenn uns die Museumsangestellten meist das Gefühl gaben, trotz der verbreiteten Unruhe mit Kleinkindern höchst willkommen zu sein. So habe ich einige Ausstellungen in den letzten drei Jahren bedauernd an mir vorbeiziehen lassen, weil man mit Kleinkind im Schlepptau nicht die nötige Muße für die Würdigung von Kunstwerken hat.
Doch die Ausstellung "Roads of Arabia" will ich mir nicht entgehen lassen. Schon wieder verzichten? Nein, dieses Mal ist es anders: Zu der Ausstellung wird eine Kinderbetreuung angeboten, und so ist beides möglich: der großen Tochter die Ausstellung zu zeigen und selbst nicht zu kurz zu kommen. Die Kleine bleibt bei Papa.
Wir sind punkt elf Uhr zum Beginn der Kinderbetreuung die Ersten. Charlotte fremdelt, weil außer ihr noch keine Kinder da sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir zu Hause Witze darüber gemacht haben, dass wir in die Wüste gehen werden. Nun gibt es hier aber gar keine Sanddünen, sondern einen großen roten Teppich in Form der arabischen Halbinsel. Holzkisten stehen darauf. In denen allerdings befinden sich ein Pinsel, Sand und darin versteckt kleine Schätze, die es auszugraben gilt. Fiona Kelly, eine der Pädagoginnen, die das Konzept für die Betreuung der kleinen Ausstellungsbesucher von fünf bis zwölf Jahren entwickelt haben, müht sich ganz liebevoll um Charlotte. Die 28-Jährige erklärt, dass wir jetzt in der Wüste sind, wo uns die Sonne auf den Kopf brennt und wir uns mit einer arabischen Kopfbedeckung und großen Sonnenbrillen schützen müssen. Aber Charlotte mag nicht.
Also gehe ich mit ihr erst mal durch die Ausstellung. Im nächsten Raum interessiert sie sich für die kleinen Krüge, die aus dem ersten Jahrtausend vor Christus stammen. "Mama, der ist kaputt!", ruft sie und versteht erst mal nicht, warum das im Museum gezeigt wird, wo doch zu Hause zerschlagenes Porzellan im Mülleimer verschwindet. Auch die kleinen Dromedar-Statuetten aus Ton gefallen meiner Dreijährigen, und ich erzähle von Karawanen und dass Händler seit Jahrhunderten mit Dromedaren die Wüste durchwandern. Entsprechende Fotos an den Wänden helfen dem Kind, sich das vorzustellen. Es sind vor allem die sinnlichen Eindrücke, die Charlotte faszinieren: das Licht, das die Tür der Kaaba aus Mekka, Münzen und Schmuckstücke funkeln lässt. Am beeindruckendsten sind aber die Geräusche der Wüste wie der eingespielte Klang des Wüstenwindes, denen Charlotte fast ehrfürchtig lauscht. Es ist ihre erste Begegnung mit Gegenständen, Formen und Symbolen der arabischen Welt - und ich hoffe, dass sie sich davon faszinieren lässt. Ich bereue ein bisschen, mich nicht besser auf die Ausstellung vorbereitet zu haben und ihr nicht mehr zu erklären. Allerdings hätten wir dann keine Zeit mehr für die Kinderbetreuung - und da möchte Charlotte jetzt unbedingt hin, zurück zur Sandkiste und ihrer eigenen Ausgrabung.
Mittlerweile ist das Museumskinderzimmer voller kleiner Besucher. Das Arabertuch auf dem Kopf findet Charlotte nach wie vor doof, akzeptiert aber, dass man sich in der Wüstensonne behüten muss. Sie setzt ein grünes Käppi auf und nimmt eine Sonnenbrille. Archäologin ist aber nicht ihr bevorzugtes Berufsziel. Sie ist zu ungeduldig und möchte lieber basteln gehen, weil sie nicht sofort Schätze findet. Mit dem Pinsel im Sand zu fischeln dauert ihr auch zu lange, da hilft sie lieber mit der Hand nach. Am Ende findet sie Steine und Holzperlen. Pädagogin Fiona lehrt sie die erste Archäologenlektion: "Leider ist es beim Schatzsuchen nicht so, dass man findet, was man braucht, sondern nur, was da ist." Aber zum Basteln ist jetzt ohnehin keine Zeit mehr. Alireza Zokaifar, der Geschichtenerzähler im weißen Kaftan, lädt zu einem orientalischen Märchen ein. Er erzählt vom Fischer Ahmed und seinen drei Wünschen, ein Märchen, das dem des Fischers und seiner Frau aus dem europäischen Kulturraum sehr ähnlich ist.
Über die Geschichte wird es schnell Mittagszeit. Charlotte hat zwar Hunger, aber sie möchte partout nicht gehen und isst zufrieden unseren Notrationsapfel. Dann lässt sie sich von Pädagogin Almut in die gemütliche mit Kissen und Büchern ausgelegte Schmökerecke entführen. Während die beiden in die Geschichte von Aladin und der Wunderlampe vertieft sind, gehe ich mir noch mal in Ruhe die Ausstellung anschauen. Endlich habe ich Zeit, mit eigenen Augen die Ausstellung zu entdecken - und ein gutes Gefühl, dass meine Tochter in guten Händen ist.
Als ich zurück zur Kinderbetreuung komme, hat mich Charlotte quasi ausgemustert. Sie sitzt mit Almut am Basteltisch und bastelt ein "Schloss" aus Pappe, buntem Papier und Glitzerfolie. Es ist jetzt 15 Uhr, und ich finde, wir können nun wirklich gehen. Vier Stunden Museumsbesuch sind selbst mir genug. Doch als ich das äußere, sehe ich schon die ersten Anzeichen für den üblichen Tobsuchtsanfall, wenn ich gehen und sie bleiben möchte. Heute gebe ich nach, weil ich sehe, wie wohl sie sich fühlt bei den fünf Pädagoginnen der Agentur Piranha Kultur, die die Kinderbetreuung konzipiert hat. Mehr noch, obwohl die Betreuung eigentlich für Kinder von fünf bis zwölf Jahren gedacht ist, lernt auch meine Dreijährige spielerisch einiges über die arabische Kultur - durch die Geschichten, das Ausgrabungsprojekt und auch die Berlin-Ecke, in der die Kinder orientalische Lebensmittel, die man in Berlin kaufen kann, finden.
Heute waren etwa 30 Kinder hier. Die meisten bleiben etwa eine Stunde. Charlotte ist wohl der Rekordhalter. Es ist jetzt fast 16 Uhr und sie lauscht immer noch einer Geschichte von Betreuerin Frieda. Erst als zusammengeräumt wird, ist sie auch zum Heimgehen zu bewegen. Allerdings nur mit dem Versprechen, dass wir am kommenden Sonntag noch einmal wiederkommen.
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