Bookmark and Share
A A A

Sport

Gehüpft wie gesprungen

Bei den Slowlympics geht es um "Standweitsprung" und "Wurst-Weitwurf"
Von



Tam Eastley sieht nicht wirklich glücklich aus. Mit spitzen Fingern hält die Kanadierin ihr Wurfgeschoss fest. Es ist: eine Wurst. Damit soll Tam Eastley in wenigen Sekunden ihr Olympiateam möglichst weit voranbringen. Im Wurst-Weitwurf, der Disziplin, für die sie gerade am Start steht. Eigentlich, wird Tam Eastley nach diesem Wettkampfdurchlauf sagen, sei sie Vegetariern. "Deshalb fand ich das Würstchen etwas eklig." Der Konkurrent neben ihr an der Startlinie dagegen schaut sein Wurfobjekt in der hellroten Pelle an, als würde er lieber reinbeißen, anstatt es quer über das abgesteckte Stück Wiese zu schleudern.

 

Aber so ist das nun mal bei den Slowlympics in Berlin. Wer gewinnen will, darf sich selbst am allerwenigsten ernst nehmen - und vor merkwürdigen Disziplinen nicht zurückschrecken. Bei dem Wettstreit auf dem Tempelhofer Feld am Sonnabend ging es statt um "Schneller, Höher, Weiter" darum, sich als Champion der Entschleunigung zu beweisen - und dabei ein Maximum an Spaß zu haben. "Wir wollen einfach verrückte Dinge tun", sagte Paul Sullivan, Begründer des Internetangebots "Slowtravel" für Hauptstadt-Besucher und Erfinder der ersten Berliner Olympiade der Langsamkeit.

 

Das Motto sei, Spaß an etwas Sinnlosem zu haben, sagte auch Mitorganisator Brian Melican. Weitwurf mit Würstchen sowie mit Teebeuteln, "Rückwärtssprint", "Fahrrad-Langsamfahrwettbewerb", "Standweitsprung", "gemeinschaftliches Glotzen" und "Erbsenrollen" (mit der Nase). 15 skurrile Disziplinen hatten die ehrenamtlichen Macher der Slowlympics ausgewählt.

 

Ihrem Motto blieben sie auch bei der Durchführung treu. Das Regelwerk für die Kür der Sieger war erst in der Nacht vor dem Wettkampf entstanden. Punkte wurden nicht nur für das sportliche Ergebnis vergeben, sondern bei einigen Wettkämpfen auch für den Stil - zum Beispiel beim "Hühnerwettrennen" für die beste Imitation eines Huhns. Das Turnier selbst begann gut eine Stunde später als geplant - auch deshalb, weil die rund 90 Teilnehmer in 18 Teams fröhlich und entspannt, aber selten zur angekündigten Zeit ankamen.

 

Erst am Morgen davon erfahren

Aufwärmtraining gab es nicht, dafür hatte sich mancher Teilnehmer einige Mühe mit seinem Äußeren gemacht. Von knalligen Perücken über schrille Sonnenbrillen bis hin zum Kopfputz, der an die Antennen von Marsmännchen erinnerte, reichte das Sport-Outfit. Andere, wie Martin Hülzer aus Kreuzberg, hatten erst am Morgen von der Veranstaltung erfahren. "Meine Freunde haben mich angerufen, und ich war sofort begeistert", erzählte der 23-Jährige Student, während er mit seinen Teampartnern auf den Aufruf zum Teebeutelweitwurf wartete.

 

Der allerdings musste zunächst wieder gestrichen werden. Die Fäden an den Beutelchen hatten sich verheddert. Was an der guten Laune der Teilnehmer und Zuschauer nichts änderte. Mit lautem Gejohle wurden die "Athleten" zu jeder neuen Disziplin an der Startlinie begrüßt. "Der olympische Spirit war mir ganz wichtig", sagte Jörg Batz, nachdem er den Würstchen-Weitwurf gewonnen hatte. Ihn interessiere die "echte" Olympiade in London, die Besucher des ehemaligen Flugfeldes gleich benachbart auf der Public-Viewing-Leinwand verfolgen konnten, nur sporadisch. "Aber ich gucke schon auch mal, vor allem die lustigen Sportarten. So etwas wie Tontaubenschießen, wovon ich vorher nicht einmal wusste, dass das eine Olympiasportart ist", sagte der 35-jährige Kreuzberger.

 

Anton (10) und Lasse (9) aus Zehlendorf dagegen bekannten sich als wahre Olympiafans. Trotzdem waren sie bei den Slowlympics begeistert dabei. "Es ist einfach cool, dass es hier mal darum geht, der Langsamste zu sein", sagte Lasse. Sein Teamkamerad Anton hatte sich beim Langsamfahren mit dem Fahrrad immerhin unter den ersten sechs platziert. "Wenn wir gewinnen, wäre es schön", sagte Lasse, "aber eigentlich geht es hier doch um den Spaß." Den hatte auch "The B Team" von Tam Eastley und ihren Freunden. "Bisher waren wir zwar nicht so gut", sagte die 27-jährige Journalistin. "Aber das Wetter ist toll, und es ist klasse, eine Alternative zu der so großen und ernsten Londoner Olympiade zu haben", sagte Teamkameradin Giulia Pines Kersthold.

Berlin-Tops

Die schönsten Kiezkinos, die beliebtesten Currywurst-Buden

Erleben Sie das Beste von Berlin...

Restaurantempfehlungen

Von der Currywurst bis zur Gastronomie der Spitzenklasse

Für alle, die besser Essen wollen...

Geschäfte, Märkte, Shoppingviertel

Modelabels, Buchhandlungen, Einkaufsstraßen

Alles, was zum Stöbern einlädt...