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Mein perfekter Sonntag

Der Alleskönner aus Berlin

Hugo Egon Balder verbringt sein Wochenende am liebsten faul auf der Dachterrasse liegend – oder im „Diener"
 
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Mit Schauspieler und TV-Moderator Hugo Egon Balder an der Seite ist Geduld gefragt. Denn kaum sind wir vom Theaterrestaurant „Dressler“ am Kurfürstendamm in Richtung Grolmanstraße unterwegs, hat ihn schon wieder jemand erkannt und bittet um ein gemeinsames Foto mit Autogramm. „Das gehört zu meinem Beruf, dafür muss man sich die Zeit nehmen“, sagt Hugo Egon Balder. Der Superschlanke, der keinen Sport treibt (aber viel raucht) ist nach eigener Aussage „ziemlich faul“. Er bleibt am Sonntagvormittag am liebsten daheim in der zur Verfügung gestellten Theaterwohnung an der Clausewitzstraße in Charlottenburg. Das gemütliche Dachgeschoss-Domizil gehört Jürgen Wölffer, dem Senior-Chef der Kudamm-Bühnen. In dem Theater am Kudamm spielt Balder zurzeit in dem Stück „Sei lieb zu meiner Frau“ einen erfolgreichen Zeitungsverleger und knallharten Geschäftsmann, der neben seiner Ehefrau noch eine Geliebte hat.

 

Kein Frühstück vor 9 Uhr

 

Wenn er frei hat, verbringt er den Vormittag gern auf der Dachterrasse seiner Wohnung mit Blick über Charlottenburgs Dächern. Er frühstückt meist spät, braucht zunächst „vier Tassen Kaffee“, aber nicht vor 9 Uhr. „Zu einem früheren Zeitpunkt bin ich nicht ansprechbar.“

 

Manchmal bereitet ihm seine Freundin Sabah Meller etwas Leckeres wie Rühreier oder belegte Schnittchen zu. Anschließend ist häufig ein Besuch auf dem Kunst- und Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni geplant. Balder macht fast alles zu Fuß. „Hier in Berlin brauche ich kein Auto“, sagt der Star, der sich als Schauspieler, Komödiant, Produzent und Musiker (neue CD: „Ist Das Schön!“) einen Namen gemacht hat.

 

Am heutigen Sonntag ist Balder vorerst das letzte Mal ab 18 Uhr im Theater am Kudamm zu sehen. Balder Fans müssen ihn jedoch nicht lange vermissen. Am 15. Juli starten zwölf neue Folgen der Sat.1-Show „Genial daneben – Die Comedy Arena“. Doch damit nicht genug. Balder überlegt zurzeit auch, ob er in Berlin einen Ableger der Rock’n’Roll-Kneipe „Zwick“ eröffnen soll, die er gemeinsam mit einem Freund in Hamburg betreibt. „Ich spiele Gitarre, wir machen Musik der 60er- und 70er-Jahre, das ist ein Riesenspaß. So was müsste auch hier gut ankommen.“ Balder hatte bereits als 18-Jähriger zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Rockband Birth Control gehört. Apropos Berlin: „Das ist meine Heimat und mit keiner anderen Stadt zu vergleichen. Nach zwei Minuten Aufenthalt fange ich sofort an zu berlinern.“ Die Gegend um den Kurfürstendamm mit den Seitenstraßen und den vielen kleinen Geschäften, Restaurants und Kneipen ist sein Lieblings-Kiez. „Hier kenne ich fast jeden Stein.“ Nach den Theatervorstellungen zieht es ihn bevorzugt in die Charlottenburger Künstlerklause „Diener“ an der Grolmanstraße. Mitte der 70er- Jahre wohnte Balder – damals junges Mitglied des Schillertheater-Ensembles – direkt in der Wohnung über der Kneipe. „Das war super. Wir haben die Nacht durchgefeiert, und morgens bin ich dann gleich zu den Theaterproben gegangen.“ Seine erste „schicke“ Wohnung als Jungschauspieler hatte Hugo Egon Balder 1973 am Kurfürstendamm. „Sie kostete 600 Mark, dabei habe ich nur 850 Mark brutto verdient, war immer pleite. Aber der im vergangenen Jahr verstorbene Fritz Roeder, Wirt der Schillertheater-Klause, hatte ein großes Herz für junge Talente. Bei ihm konnte ich immer anschreiben lassen“. Jahre später, als erfolgreicher Fernsehshow-Moderator, fuhr Balder noch oft zu Roeder, der ab 1982 das Restaurant „Wirtshaus Moorlake“ in Wannsee übernahm. Nun betreibt es dessen Sohn.

 

Lieblingskiez Grolmannstraße

 

Wenn Balder seine Freundin sonntags zum Essen ausführt, kehrt das Paar gerne im griechischen Restaurant „Cassambalis“ an der Grolmanstraße ein. Es liegt in Balders Lieblings-Kiez. An diesem Sonntag will der Unterhaltungskünstler außerdem die günstige 14.30-Uhr-Vorstellung im Theater des Westens an der Kantstraße nutzen, um sich das Musical „We Will Rock You“ anzusehen. „Ich liebe die Musik von Queen, schaffe die Aufführung gerade noch vor meiner eigenen Vorstellung.“

 

Vor dem Theater bleibt Balder nachdenklich stehen. „Hier hat einst meine Liebe zur Bühne begonnen. Das war Ende der 60er-Jahre, ich war Statist beim Musical ‚Anatevka’. Hauptdarsteller Shmuel Rodensky war damals Stammgast im Lichterfelder Herrenbekleidungsgeschäft meines Vaters. Worauf dieser ein Schild mit dem Hinweis ,Hier kauft Shmuel Rodensky’ ins Schaufenster stellte“, erinnert sich Balder. Beinahe als sei es erst gestern gewesen. Aufgewachsen ist Balder an der Friedenauer Rubensstraße. Bis zum 29. Lebensjahr wohnte er in Berlin. Dann lockte karrierebedingt Luxemburg, später vor allem Köln. Für RTL moderierte er die Sendung „Tutti Frutti“. Zwischendurch war er aber immer wieder in Berlin, so für die Show „Hit-Giganten“ in Adlershof. Zurzeit ist Köln (noch) sein Hauptwohnsitz. „Ich überlege jedoch, ob ich wieder ganz hierher ziehe. Dann schließt sich der Kreis“, sagt Balder.

 

Er gehört zu jenen Künstlern, die auch über sich selbst lachen können. „Humor ist ganz wichtig im Leben! Ich muss mindestens zwei Mal am Tag lachen“.