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Salon-HipHop-Meister Thomas Pigor strahlt nicht nur verbal eine bangemachende Gefährlichkeit aus. Jeder seiner messerscharfen Blicke ist eine Kriegserklärung. Tastensklave Benedikt Eichhorn holt allenfalls zu homöopathischen Gegenschlägen aus, um nicht zu heftig ins Pigorsche Sperrfeuer zu geraten.
Da erstaunt es wenig, dass ein gemeinsamer Sonntag für die beiden nicht zwangsläufig auch mit einer gemeinsamen, in diesem Fall sportlichen Tätigkeit starten muss.
Benedikt Eichhorn spielt am liebsten Fußball. "Aber nur gegen Minderjährige der Jahrgänge 2002 und 2004", sagt er. Seine beiden Söhne, 6 und 8 Jahre alt, sind immer mit von der Partie. Thomas Pigor hingegen joggt gern im Heinrich-von-Kleist-Park , und zwar exakt zehn Runden in einer halben Stunde. Dabei führt der gebürtige Franke Monologe, um seine Gedanken zu ordnen oder um ein neues Lied zu dichten. Nordic Walker auf seiner Joggingstrecke kann er gar nicht leiden: "Die nerven mit ihre Skistöcken!" Manchmal begegnet er beim Sport auch wunderlichen Leuten wie dem "Heiligen", der vor zwei Jahren in der Niederung des Parks lebte. "Er hatte lange Haare und eine lange Kutte", sagt Pigor. "Als ich Kontakt aufnehmen wollte, sprach er die weisen Worte: Hau bloß ab!" Pigor schätzt den Kleistpark vor allem deshalb, "weil er durch das Preußische Kammergericht, einst Sitz des ehemaligen Alliierten Kontrollrats, und die Königskolonnaden, die eigentlich für die Königsbrücke am Alexanderplatz vorgesehen waren, historisch aufgeladen ist."
Seltsam wird es an der südlichen Parkgrenze. "Es gibt da eine Statue, die dauernd von irgendjemandem berührt wird, weil sich angeblich genau an diesem Punkt Meridiane kreuzen sollen. Esoterisch bin ich ja gar nicht", sagt Pigor. Genauso wenig wie Benedikt Eichhorn. So nimmt es nicht Wunder, dass sich bei beiden in unmittelbarer Umgebung der maroden, mit Farbe verunstalteten Steinfigur nicht der geringste Hauch einer spirituellen Erleuchtung einstellt. Deshalb geht es in friedlicher Eintracht weiter zum nächsten Sonntagsort, denn obwohl sich die Musik-Kabarettisten auf der Bühne spinnefeind geben, verstehen sie sich im normalen Leben bestens.
Wer mit Benedikt Eichhorn in der Stadt unterwegs ist, kommt um eine Stippvisite in der Eichhornstraße am Potsdamer Platznicht herum. "Gerade mit Verwandten ist das ein Muss. Obwohl ich natürlich die Sorge habe, dass ich der einzige bin, der Touristen in diese Straße führt", gesteht der 49-jährige gebürtige Coesfelder, der seiner Familie stets mit Stolz geschwellter Brust unterm Straßenschild, dem wohl beliebtesten Fotomotiv aller Eichhörner aus NRW, verkündet: "Leute, ich bin seit 1992 in Berlin und jetzt so was! Es war doch richtig, hierher zu ziehen."
Obwohl Thomas Pigor schon viel länger in Berlin lebt, wurde nach ihm noch keine Straße benannt. Der 54-Jährige nimmt es gelassen, zumal Benedikt Eichhorn ganz versöhnlich im Café Ilse Hühnchen in der Winsstraße in Prenzlauer Berg zu einer Runde Kaffee und den berühmten hausgemachten Keksen einlädt. Den großen Kaffee gibt es hier auch mit Soja, entcoffeiniert und als Getreidekaffee. Pigor und Eichhorn outen sich als ein sich ideal ergänzendes Paar: Während Eichhorn die Schokokekse links liegen lässt, greift Pigor beim dunkelbraun glänzenden Feingebäck beherzt zu und sagt: "Ich mag diese Kekse, weil man davon nicht dick wird."
Im gemütlichen Café-Ambiente erzählen die charmanten Künstler von ihren aktuellen Programmen, dem jazzigen "Volumen 7", das im Mai Premiere feierte, und "Das Konzert", das, begleitet von einer echten Rockband die tollsten Songs aus "Volumen 6", darunter die Rap-Hymne "Nieder mit IT", sowie den Alltime-Favorites vereint. "Jo Ambros an der Gitarre, Jan Peter Eckelmann an den Drums und Björn Werra am Bass sind beeindruckende professionelle Musiker, die international unterwegs und gar nicht einfach zu kriegen sind", so Benedikt Eichhorn. Das opulente Konzert, das in den Wühlmäusen und im BKA Theater zu erleben ist, haben sich die beiden einfach mal "wegen des fetten Rock'n'Roll-Feelings" gegönnt.
Nach den süßen Sünden am Nachmittag gönnen sich die Zwei zum krönenden Abschluss des Sonntages noch einen Besuch in Thomas Pigors Lieblingsrestaurant, dem "Jäger und Sammler" an der Schöneberger Grunewaldstraße. Begeistert weist Pigor in der täglich wechselnden Speisekarte auf folgenden Satz hin: "Bei uns wartet der Gast ein wenig auf das Essen und nicht das Essen auf den Gast." Gekocht werden die Leibgerichte der Besitzer wie in Rotwein und Aprikosen geschmortes Rindfleisch oder australisches Entrecote mit gebackenem Hokkaidokürbis. Für diese kulinarischen Höhepunkte haben Pigor und Eichhorn alle Zeit der Welt und vertreiben sich die Warterei mit dem Gläsermirakel. Jedes der Gläser hier hat eine andere Zahl auf dem Boden. Diesmal gewinnt Pigor triumphierend mit der 34, Eichhorn verliert frustriert mit der 2 - und es ist fast so wie im wahren Bühnenleben.
"Ich mag den Kleistpark, weil er historisch so aufgeladen ist"
Thomas Pigor, Musikkabarettist
Zur Person
Pigor & Eichhorn stehen seit 1995 gemeinsam auf der Bühne. Thomas Pigor ist seit 1970 Musikkabarettist und war 1983 Autor und Mitglied der Berliner Musicaltruppe College of Hearts. Für den SWR schreibt er derzeit monatlich ein Chanson („Chanson des Monats“ auf www.pigor.de). Benedikt Eichhorn ist Kabarettist und Pianist und schreibt Musik für unterschiedlichste Theatergruppen. Mit seiner Mischung aus Salon-HipHop, Jazzballaden und Pop-Ohrwürmern ist das preisgekrönte Duo erfolgreich im deutschsprachigen Raum unterwegs. Ihr Programm „Das Konzert“ präsentieren sie in den Wühlmäusen (Pommernallee 2-4, 30673011, 30.9. & 1.10., 20 Uhr) sowie im BKA Theater (Mehringdamm 34, 2022007, 2. & 4.11., 20 Uhr).
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