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Sie ist Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin. Als sie ihre Karriere begann, war Regina Ziegler die einzige Frau im harten Produktionsbusiness. Ensprechend konsequent ist ihr Zeitplan, der immer einmal durcheinander geraten kann. Sei es, dass überraschend die Finanzierung eines Films scheitert. Oder es tauchen unerwartete Komplikationen bei einem Dreh auf.
So gibt es für die 67-Jährige auch sonntags immer viel zu tun in ihrem Büro am Lietzensee. Wohin man dort auch schaut: Preise über Preise. Einer ist ihr besonders wertvoll: der International Film Emmy Award. Die Charlottenburgerin hat ihn für die Produktion „Die Wölfe“ bekommen. Ein Dreiteiler über die Geschichte einer Berliner Jugendbande, deren Werdegang von der Berlin-Blockade bis zur Wiedervereinigung beschrieben wird. „Den Emmy bekommt man auch nicht, wenn man gut vernetzt ist, da gibt es mehrere Jurys“, sagt Ziegler. Sind Auszeichnungen für sie noch wichtig? „Jeder Preis ist heiß“, sagt sie. Oft sitzt die Geschichtensammlerin noch abends im Büro, sichtet Drehbücher oder neue Film-Ideen.
Whirlpool, Saft und Rührei
Wie beginnt jemand, der so viel arbeitet, seinen Sonntag? Regina Ziegler steht früh auf, gegen 7.30 Uhr, und entspannt dann im hauseigenen Whirlpool. Ihr Mann Wolf Gremm bringt Orangensaft an den Pool, gefolgt von einem „perfekt zubereiteten Rührei“. Meist liegen dann auch schon die Sonntagszeitungen auf dem Tisch. Regina Ziegler wäre jedoch nicht die große Bewegerin des deutschen Films, wenn sie sich mit dem Sujet Film nicht auch zuhause beschäftigen würde. Sie hat ein eigenes Heimkino, in dem sie Filme, Castingmitschnitte und alles sichtet, was irgendwie mit Film zu tun hat. Auf einem Bildschirm, der ausreichend groß ist, „um auch Details zu sehen“. Wie agiert ein Schauspieler, wie fährt die Kamera, wie ist der Schnitt? Der seit Jahrzehnten im Filmgeschäft aktiven Produzentin entgeht wenig. Von ihrem iPhone oder iPad („eine wunderbare Erfindung“) verschickt sie Mails mit Anweisungen, Anfragen oder Dateien. Auch an Sonntagen, und auch dann oft von ihrem Büro aus.
Nicht weit davon entfernt liegt das Haute-Couture-Atelier von Nanna Kuckuck. Sie öffnet auch schon mal am Sonntag, wenn eine gute Kundin wie Regina Ziegler nur dann Zeit übrig hat, um ein Kleid bei ihr anpassen zu lassen oder um aus mitgebrachten Stoffen eines entwerfen zu lassen. „Pleats please“ heißt das Label, das Regina Ziegler bevorzugt trägt. Es sind feine Stoffe mit vielen Faltenwürfen. Nanna Kuckuck hat viel davon. Es sind Kleider wie gemacht für den roten Teppich. Mit Stoffen indischer Saris, mit Capes und langen Schleppen. Alles, was für einen großen Auftritt, eine Gala oder Hochzeit, passend ist.
Regina Ziegler steht bei Nanna Kuckuck im Atelier, lässt sich Stoffe und Entwürfe zeigen. Nach wenigen Minuten zieht es sie aber zum Kino Filmkunst 66. Über Jahrzehnte hinweg hatte sein Betreiber Franz Stadler immer wieder erfolgreich um das Überleben des Kinos gekämpft. Als er sich entschlossen hatte, sich zur Ruhe zu setzen, übernahm Regina Ziegler das Charlottenburger Programmkino zu Jahresbeginn mit ihrer Tochter Tanja. Am 1. Oktober feiern sie das 40-jährige Bestehen des Kinos – mit einem Tag der offenen Tür, kostenlosen Filmvorführungen sowie einer Lesung mit Otto Sander. Während die Filmproduzentin über das Kino spricht, wirkt sie glücklich. Der Erwerb des Film-Theaters sei die „Erfüllung eines Traumes“, sagt sie.
Und abends wird gekocht
Vom Kino aus macht die Unternehmerin einen Abstecher zum „Lubitsch“, eine Institution unter den Lokalen zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße. Regina Ziegler trinkt einen Capuccino. Sie lacht, als sie zu ihrem Kino hinüberschaut. Die Sonne scheint, es ist ein Moment des Innehaltens. Wer die Produzentin kennt, weiß, dass sie immer etwas tun muss. Mehr als 400 Filme hat sie produziert, seit sie sich 1973 selbstständig machte. Ende September strahlt die ARD einen von ihr produzierten Zweiteiler aus, der ihr besonders am Herzen liegt, „Der Mann mit dem Fagott“, die Verfilmung von Udo Jürgens Familiensaga. Satte Farben, gute Darsteller und eine hervorragende Kameraführung – wieder ein Erfolg?
1975 produzierte sie „Sommergäste“, die Verfilmung eines legendären Theaterstückes an der Schaubühne. Seit der Zeit ist Regina Ziegler mit Schaubühnen-Direktor Jürgen Schitthelm befreundet. Beide sehen sich regelmäßig. Auch an diesem Tag. Ein kurzer Händedruck, eine Umarmung, dann geht es zu ihrem Büro zurück.
Der Sonntag ist bei Regina Ziegler natürlich auch der Familie gewidmet, der Tochter und Enkeltochter. Abends kocht die Produzentin schon mal selbst, meist thailändische Hühnersuppe, Königsberger Klopse oder Rinderrouladen. Fast ein Ritus. Und es gibt noch ein Ritual. Jeden Sonntag telefoniert Regina Ziegler mit Michel Friedman. Der Publizist hatte einst den Kontakt zu Steven Spielberg hergestellt. Seither ist die Filmproduzentin mit Friedman und dessen Frau Bärbel Schäfer befreundet. Während sie das erzählt, hält ihr Wagen an einer Ampel, ein Stadtstreicher bitte um Geld. Regina Ziegler gibt ihm fünf Euro. Und sagt: „So kann es einem schließlich auch mal gehen.“
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