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Mein perfekter Sonntag

Der Charakterkopf

TV-Kommissar Florian Martens verbringt freie Wochenenden auf dem Kinderbauernhof, im Kino oder spaziert durch den Schlosspark
«Ein starkes Team»



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Sein markantes Haupt ist schon von Weitem zu erkennen, als Florian Martens die Hermann-Hesse-Straße in Pankow zu seinem Lieblingskino „Blauer Stern“ geschlendert kommt. Jene übliche Strickmütze, die er in der ZDF-Sendung „Ein starkes Team“ als TV-Kommissar Otto Garber trägt, hat er privat nicht auf dem Kopf. Zu Jeans, Pullover und Freizeitjacke behütet ihn ein Basecap. Im Vorraum des Kinos, einem gemütlichen Café, schwärmt der Sohn der Schauspielerin Ingrid Rentsch und des 1985 verstorbenen Wolfgang Kieling von dem noch einzig übrig gebliebenem Lichtspielhaus im Ortsteil Pankow, das ihn so sehr an seine Kindheit erinnert: „Hier habe ich als Junge in den 60er-Jahren unter anderem den Indianerfilm ,Die Söhne der großen Bärin’ mit Gojko Mitic gesehen – und natürlich für ihn geschwärmt.“ Martens lacht: „Inzwischen sind wir längst Kollegen.“

Was eine Schrippe ist

Inzwischen ist Florian Martens sonntags im „Blauen Stern“ meistens in Begleitung einer seiner Töchter zu sehen. Milla wird im Dezember sechs, Rosa ist 18 Jahre alt. Sie hat offenbar sein Schauspiel-Talent geerbt und von der Leitung eines Kindertheaters eine Empfehlung für die Schauspielschule „Ernst Busch“ bekommen. Beide Mädchen leben nicht weit entfernt von seiner Altbauwohnung nahe des Pankower Rathauses bei ihren Müttern, zu denen er einen „sehr guten Kontakt“ hat. Zuweilen kann man Vater, Töchter und Mütter beim einvernehmlichen Zusammensein im Majakowski Gasthaus am Majakowski-Ring in Niederschönhausen antreffen. Martens genießt die Besuche in der schönen Fachwerkvilla aus dem 19. Jahrhundert. Zum Wohlfühlen zieht der Schauspieler generell „Gegenden mit persönlichen Erinnerungen“ vor. Das bedeutet für ihn vor allem Pankow: „Dort treffe ich noch alteingesessene, richtige Berliner und muss beim Bäcker nicht erklären, was eine Schrippe ist.“ Anders als in der Gegend am Hackeschen Markt, wo er ebenfalls einige Jahre wohnte. „Da hat sich zu vieles verändert.“

 

Zu seinen sonntäglichen Lieblingsbeschäftigungen gehört ein ausgiebiger Spaziergang im Schlosspark an der Tschaikowskistraße. Versonnen bleibt er an einer Brücke stehen, blickt entspannt aufs Wasser. Die Panke schlängelt sich durch den großen Park mit dem berühmten Schloss, das bis zum Mauerfall Staatsgästen der DDR als Gästehaus diente.

 

Nicht weit entfernt ist der Kinderbauernhof Pinke-Panke am Bürgerpark. Ein beliebter Ausflugsort für Martens und seine Tochter Milla. Der pädagogisch betreute Spielplatz wird vom Verein „MUT“ (Mensch-Umwelt-Tier) unterstützt, in dem auch Martens Mitglied ist: „Projekte für Kinder kann man nicht genug unterstützen.“

 

Der Sonntag fängt für den derzeitigen Single „mit Ausschlafen“ an, meistens bis zehn Uhr. Denn Martens geht fast nie vor zwei Uhr nachts ins Bett. Nach dem Aufstehen genießt er eine Tasse Earl-Grey-Tee“, den er im britischen Fachgeschäft „Broken English“ an der Leonhardtstraße in Charlottenburg oder an der Körtestraße in Kreuzberg kauft. Falls er nicht zum Mittagessen verabredet ist, bereitet sich Martens zwischen zwölf und 14 Uhr ein „richtiges“ Frühstück in seiner geräumigen Altbauwohnung zu. Es gibt helles und dunkles Brot, den Lieblingsbelag Zwiebelmett, Heringssalat und Obst. Dazu Kaffee mit Milch und Zucker: „Stark muss er sein“, sagt Florian Martens.

 

Bei schönem Wetter genießt er die freien Stunden möglichst an der frischen Luft. Zum Entspannen fährt er sonntags außerdem oft in sein Haus am Krüpelsee in Brandenburg. Doch er betont: „Berlin ist meine Stadt. Berlin ist bunt, Berlin ist einfach Leben!“ Und, so fügt er hinzu, „Berlin scheint nie fertig zu werden. Überall gibt es Baustellen. Doch das sollte man etwas gelassener sehen.“

Verhinderter Jockey

Wenn im Frühjahr wieder die Saison in Hoppegarten beginnt, wird der Pferdebegeisterte so manchen Sonntag auf dem Gelände der Galopprennbahn verbringen. Schließlich wollte er einst Jockey werden. „Aber dazu war ich leider zu groß und wog zu viel“, sagt er. Manchmal plane er sonntags auch gar nichts. „Ich lasse mich einfach treiben, denn von Natur aus bin ich faul“, sagt der Halbbruder von Schauspielerin Susanne Uhlen. Beide haben denselben Vater – Wolfgang Kieling. „Als er 1985 starb, habe ich das erste Mal mit Susanne telefoniert. Wir mögen uns, haben uns aber 1989 erstmals gesehen.

 

„Als ich kurz vor der Wende im Westteil der Stadt gastieren durfte“, sagt Martens, „lief ich den Kudamm entlang und sah plötzlich Riesenfotos meiner Halbschwester auf Plakaten. Sie gehörte zu den Stars der Kudamm-Theater.“ Jetzt spielt er selber dort, ist noch bis zum 20. November in der Komödie am Kurfürstendamm in dem Stück „Das Ende vom Anfang“ in der Rolle des tollpatschig-kurzsichtigen „Barry“ zu sehen. „Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, gucke ich mir am Sonntagabend auch gerne einen ,Tatort’ an“, sagt er.

 

Gibt es momentan eine Frau in seinem Leben? „Die wichtigsten Frauen sind meine Töchter, die liebe ich über alles“, sagt Martens ohne zu zögern. Auch mit seiner Ex-Liebe, der aparten Serienpartnerin Maja Maranow, versteht sich Martens gut. Beide waren Mitte der 90er-Jahre liiert, heute sind sie Freunde. So wie es ist, fühle er sich wohl, sagt Martens.