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Kaum zu glauben, dass der Kudamm einmal ein Dammweg durch sumpfiges Gelände war. Er verband das Berliner Schloss mit dem Jagdschloss Grunewald. Damals fungierte die heutige Ost-West-Achse noch als Reitweg für Kurfürst Joachim II. (1505-1571). Auf einer Karte von 1785 taucht zum ersten Mal der Name „Churfürsten Damm“ auf. Die Straße, die sich bis 1900 zur vornehmen Wohnstraße entwickelt hatte, wandelte sich bis zum ersten Weltkrieg zu einem belebten Einkaufs- und Vergnügungszentrum. Schließlich wurde der Kurfürstendamm zum Synonym für die goldenen Zwanziger Jahre. Die Olympischen Spiele von 1936 setzten noch einmal einen Höhepunkt, obwohl zu dieser Zeit die Nationalsozialisten das liberale Flair und den kulturellen Glanz des Boulevards schon zunichte gemacht hatten.
Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Kurfürstendamms – auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz - durch Bombenangriffe zerstört. Nach der Teilung der Stadt versuchten Stadtplaner den Boulevard im Kalten Krieg zu einem Schaufenster des Westens zu machen. Heute erinnert daran noch die neue, von Egon Eiermann entworfene und 1961 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Gedächtsniskirche mit achteckigem neuem Turm und der alten Turmruine, die als Kriegsmahnmal stehen blieb.
Das Europa-Center mit seinem Mercedes-Stern galt damals als modernes Einkaufscenter ebenso wie das Kudamm-Eck oder das Kudamm-Karree. Vom legendären Café Kranzler an der Kreuzung Joachimstaler Straße ist heutzutage lediglich die charakteristische Rotunde als kleines Café übrig geblieben. Gegenüber erinnert eine unter Denkmalschutz stehende gläserne Verkehrskanzel daran, dass in den 50er-Jahren Verkehrsampeln noch per Hand zu regeln waren.
Das Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe genannt, hat seinen guten Ruf, den es seit den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat, bis heute nicht eingebüßt. Das wie eine Trutzburg wirkende, mehrfach umgebaute Haus liegt nicht direkt am Kurfürstendamm, sondern bildet quasi die Ost-Spitze des Einkaufsboulevards Tauentzienstraße, der in den Kurfürstendamm übergeht.
Im ersten Jahrzehnt nach Mauerfall und Deutscher Einheit verlor der Kurfürstendamm an Bedeutung, denn die Aufmerksamkeit richtete sich nun auf die Entwicklung des Potsdamer Platzes und die historische Mitte Berlins. In jüngster Zeit erlebt der Kurfürstendamm mit schicken neuen Geschäften und Flagship-Stores der Modelabel aber wieder eine Renaissance als Einkaufsstraße.
Das KaDeWe, das meist dem Kudamm zugerechnet wird, obwohl die Adresse doch Tauentzienstr 24 lautet, feierte nach umfangreichen Renovierungen und Erweiterungen in den Mode-, Wellness- und Kosmetikabteilungen 2007 sein 100-jähriges Bestehen. Das ehemalige Kaufhaus Wertheim am Kurfürstendamm heißt jetzt Karstadt. Inzwischen sind in der City-West auch architektonisch neue Zeichen gesetzt worden. Neben den markanten Neubauten des Hotels Concorde, des Kranzler-Ecks und des Neuen Kudamm-Ecks überragt 2010 schon der Wolkenkratzer-Rohbau des Hotels Waldorf-Astoria die City West.
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