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Berliner Ensemble

Eine Bühne mit beweger Vergangenheit

Das Theater am Schiffbauerdamm hat eine bewegte Geschichte – Uraufführungen berühmter Stücke gehören ebenso dazu wie prominente Direktoren. Seit 1954 ist es zudem Heimat des von Bertolt Brecht gegründeten Berliner Ensembles



Theater ohne Politik war für Bertolt Brecht undenkbar. Als er das Berliner Ensemble im November 1949 gründete, hatte er mehrere Jahre im Exil hinter sich – nachdem ihn die Nationalsozialisten aufgrund seiner kommunistischen Überzeugung auf ihre schwarze Liste gesetzt hatten, verließ er Deutschland und lebte von 1933 bis 1947 u.a. in Dänemark, Schweden, Finnland und den USA, ohne sich heimisch zu fühlen. In Amerika galt der überzeugte Kommunist als „feindlicher Ausländer“.

1948 kehrte der Lyriker und Dramatiker auf Einladung des späteren Kulturbundes der DDR nach Berlin zurück. Am 11. Januar 1949 inszenierte Brecht am Deutschen Theater sein Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ mit seiner Frau Helene Weigel in der Hauptrolle, wenig später begann er mit den Plänen für ein eigenes Ensemble, das 1949 gegründet wurde.

Anfangs trat das Berliner Ensemble im Deutschen Theater auf und stellte sich am 12. November 1949 mit Brechts Stück „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ erstmals der Öffentlichkeit vor und verschaffte sich innerhalb weniger Jahre ein hohes Ansehen in Berlin.

1954 zog das Berliner Ensemble ins Theater am Schiffbauerdamm ein

Fünf Jahre später zog das Berliner Ensemble in ein eigenes Haus um: das Theater am Schiffbauerdamm wurde am 19. März 1954 mit Molières „Don Juan“ eröffnet. Das Gebäude, am 19. November 1892 als „Neues Theater“ mit Goethes „Iphigenie auf Tauris“ eingeweiht, ist eines der prachtvollsten Theaterbauwerke Berlins. Der Architekt Heinrich Seeling schuf den Bau im neobarocken Stil.

Bevor das Berliner Ensemble einzog, wurden in dem Theater etwa Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ uraufgeführt (1893), später war Max Reinhardt der Direktor und inszenierte hier Shakespeares „Sommernachtstraum“, Hugo von Hoffmannsthals „Elektra“ oder Oscar Wildes „Salome“. Zwischen 1906 und 1925 befasste sich das Theater mit leichterer Kunst – zu der Zeit hieß es etwa Neues Operettenhaus oder Neues Operettentheater. Mit der Uraufführung von Carl Zuckmayers gesellschaftskritischem Volksstück „Der fröhliche Weinberg“ am 22. Dezember 1925 widmete sich das Haus, das fortan Theater am Schiffbauerdamm hieß, wieder anspruchsvolleren Stücken. Drei Jahre später wurde Ernst-Josef Aufricht Direktor, seinen Einstand gab er mit der Uraufführung von Brecht/Weills „Dreigroschenoper“. Auch Gustaf Gründgens, Lotte Lenya, Theo Lingen, Peter Lorre, Ernst Busch und andere wirkten am Theater am Schiffbauerdamm, das ab 1931 „Deutsches National-Theater am Schiffbauerdamm“ hieß und auf Geheiß der Nazis bis zur kriegsbedingten Schließung 1944 hauptsächlich populäre Unterhaltung bot.

Am 19. März 1954 schließlich begann die Zeit des Berliner Ensembles im Theater am Schiffbauerdamm. Bertolt Brecht inszenierte noch sein Stück „Der kaukasische Kreidekreis“ – während der Vorbereitungen zu „Leben des Galilei“ starb er am 14. August 1956. Seine Frau Helene Weigel leitete das Berliner Ensemble noch 15 Jahre lang, das Ensemble wurde für Inszenierungen wie „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, Shakespeares „Coriolan“ oder „Die Mutter“ gefeiert.

Nach der Wiedervereinigung übernahm ein fünfköpfiges Leitungsteam den die Führung: Matthias Langhoff, Fritz Marquardt, Peter Palitzsch, Peter Peter Zadek und Heiner Müller. Drei Jahre später war nur noch Müller übriggeblieben.

Claus Peymann leitet das Berliner Ensemble

Nach Müllers Tod 1995 kümmerte sich der Schauspieler Martin Wuttke um das Berliner Ensemble, 1999 begann die Ära des Intendanten Claus Peymann, der das Theater am Schiffbauerdamm gründlich umbauen ließ. Eine neue Probebühne entstand, die alte Probebühne und der Pavillon wurden zu Theaterräumen. Am 8. Januar 2000 war Wiedereröffnung mit George Taboris Hommage „Die Brecht-Akte“.

Zu den großen Theater-Ereignissen des Berliner Ensembles seither gehörten etwa die Aufführung von Schillers „Wallenstein“, inszeniert von Peter Stein in der Neuköllner Kindl-Halle, Steins Inszenierung von Kleists „Der zerbrochne Krug“ mit Klaus Maria Brandauer als Dorfrichter Adam oder Thomas Schulte-Michels’ Inszenierung von Offenbachs „La Périchole“ mit Dagmar Manzel. Das Theater am Schiffbauerdamm selbst ist im Besitz von Rolf Hochhuths Ilse-Holzapfel-Stiftung, das Ensemble wird als GmbH geführt.

Neben dem Theater, auf dem Bertolt-Brecht-Platz, steht seit 1988 ein bronzener Brecht, der auf einem Stuhl sitzt und vor sich hin sinniert. Daneben wurde eine Drehbühne aufgestellt, auf der drei Stelen mit Zitaten Brechts gestaltet wurden.

Adresse: Theater am Schiffbauerdamm, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, Theaterkasse: Tel. 030/284 08 155. www.berliner-ensemble.de

Anfahrt: S-/U-Bahn Friedrichstraße, Tram M1 und 12

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