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Wenn das Konzerthaus am Gendarmenmarkt sprechen könnte, hätte es viel zu erzählen. Über die Uraufführung von Webers „Freischütz“, die hier stattfand, über Konzerte von Paganini und Liszt, über Richard Wagner, der hier seinen „Fliegenden Holländer“ dirigierte, und über die Berliner Erstaufführung von Beethovens 9. Symphonie.
Eröffnet wurde das Konzerthaus am 22. April 1776 als Französisches Komödienhaus, der preußische Oberbaudirektor Johann Bouman d. Ä. lieferte die Baupläne. Zehn Jahre später hatte das Konzerthaus schon seine erste Renovierung hinter sich und wurde als Nationaltheater wiedereröffnet. 1787 kam der nächste Name: Das Gebäude wurde zum Königlichen Nationaltheater.
Die "Entführung aus dem Serail" in Gegenwart MozartsAm 16. Oktober 1788 gab es im Konzerthaus die Berliner Erstaufführung von Mozarts „Belmonte und Constanze“ („Entführung aus dem Serail“), der Komponist selbst wohnte einer Aufführung am 19. Mai 1789 bei. In den Folgejahren erlebte das Konzerthaus Berliner Erstaufführungen und Premieren von Christoph Willibald Glucks „Iphigenie auf Tauris“ oder Schillers Werk „Wallensteins Tod“.
1801 bekam Carl Gotthard Langhans den Auftrag für einen Neubau des Theaters. Er schuf einen schlichten rechteckigen Bau, der 1802 fertiggestellt wurde, aber schon 1817 ausbrannte. Nun kam Karl Friedrich Schinkel an die Reihe: Seine Neubau-Pläne sahen den Erhalt der Fundamente und anderer Teile des ausgebrannten Theaters vor. Dazu gehörte auch der Portikus vor dem Haupteingang. Schinkel schuf neben dem Theatersaal mit 1200 Zuschauerplätzen auch einen Ballsaal und ein Restaurant. Als Vorbild für die Fassade verwendete er das sogenannte Thrasyllos-Monument in Athen. Der Bildhauer Christian Friedrich Tieck schuf als schmückende Details Skulpturen und Statuen, darunter Orpheus und Eurydike.
Paganini und Richard Wagner gastierten hierEingeweiht wurde das Konzerthaus unter dem Namen Schauspielhaus am 26. Mai 1821 in Anwesenheit König Friedrich Wilhelms III. Knapp einen Monat später feierte Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ hier seine Uraufführung. In den Folgejahren erlebte das Konzerthaus u.a. Gastspiele des Geigenvirtuosen Niccolò Paganini (1829), die Berliner Erstaufführung von Goethes „Faust I. (1838) oder die Uraufführung von Heinrich von Kleists „Penthesilea“ (1876). Dazu gab es Gastspiele von Felix Mendelssohn Bartholdy (1842) oder Richard Wagner (1844) – letzterer dirigierte hier die Berliner Erstaufführung seiner Oper „Der fliegende Holländer“.
Im Konzerthaus, das seit 1919 Staatstheater hieß, wirkte zwischen 1934 und 1945 Gustav Gründgens als Intendant. In seiner Amtszeit gab es u.a. die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Tragödie „Iphigenie in Delphi“. Mit Schillers „Die Räuber“ erlebte das Staatstheater am 29. Juli 1944 seine letzte Vorstellung, am 22. April 1945 gab es den letzten Konzertabend: Wenig später wurde das Gebäude schwer beschädigt.
1984 wurde aus dem Schauspiel- das KonzerthausEs dauerte fast 40 Jahre, bis das Konzerthaus wieder in Betrieb genommen werden konnte. Zwischen 1979 und 1984 wurde es saniert. Der Große Saal bekam eine Jehmlich-Orgel. Am 1. Oktober 1984 wurde das Gebäude mit einem Konzert des Berliner Sinfonie-Orchesters wiedereröffnet. In dieser Zeit bekam es auch seinen heutigen Namen Konzerthaus.
Kurz nach dem Mauerfall gab es im Konzerthaus ein Konzertereignis der besonderen Art: Leonard Bernstein dirigierte am 25. Dezember 1989 mit einem internationalen Musiker- und Sänger-Ensemble Beethovens 9. Symphonie mit der berühmten Ode „An die Freiheit“.
Seit 1994 ist das Berliner Sinfonie-Orchester (BSO), das seit 1984 das Konzerthaus als feste Spielstätte genutzt hatte, offizielles Hausorchester. 2006 bekam es den Namen Konzerthaus-Orchester, um eine Verwechslung mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin (DSO) oder den Berliner Symphonikern zu vermeiden.
Neben dem Großen Saal finden im Konzerthaus Veranstaltungen im Kleinen Saal, im Musikclub, im Ludwig-van-Beethoven-Saal, im Carl-Maria-von-Weber-Saal oder im 2003 eröffneten Werner-Otto-Saal statt. Letzterer entstand im einstigen Orchesterprobensaal, der dafür eine neue, sachliche Gestaltung bekam.
Auch Angebote für Kinder und Jugendliche gehören zum Programm des Konzerthauses – vom Probenbesuch bis zum Kinderkonzert.
Wer die Räumlichkeiten des Konzerthauses einmal etwas genauer ansehen möchte, der kann sich durch das Gebäude führen lassen. Neben öffentlichen Führungen gibt es kostenlose Rundgänge durch das Konzerthaus, das 2009 seinen 25. Geburtstag feierte, dessen Geschichte aber so viel länger zurückreicht.
Adresse: Konzerthaus, Gendarmenmarkt, Mitte, Ticket-Tel.: 20309-2101. Konzert-Termine unter www.konzerthaus.de
Besucherservice im Nordflügel, geöffnet Mo-Sa, 12-19 Uhr, So, 12-16 Uhr. Führungen: sonnabends, 13 Uhr, Anmeldung für Gruppenführungen: Tel. 20309-2343. Termine für kostenlose Rundgänge werden per Aushang bekannt gemacht oder können beim Besucherservice erfragt werden. Angebote für Kinder und Jugendliche unter www.junior-konzerthaus.de
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