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Ein Schillertheater muss man mit Schiller eröffnen. Das dachte sich auch Theatergründer Raphael Löwenfeld, als sich der Vorhang am 1. Januar 1907 in dem Haus an der Bismarckstraße zum ersten Mal hob. Auf dem Programm standen „Die Räuber“.
Kurz vorher war das Gebäude nach Plänen des Theaterarchitekten Max Littmann erbaut worden – ein Bau mit drei Flügeln, der von der Schiller-Theater-Gesellschaft mit einem eigenen Ensemble betrieben wurde. Gespielt wurden hauptsächlich Klassiker.
Neue Sachlichkeit als Fassade30 Jahre später machte sich der Architekt Paul Baumgarten daran, das Schillertheater gründlich umzubauen. Er gestaltete die Fassade und den Zuschauerraum 1937/38 im Stil der Neuen Sachlichkeit. Zur Wiedereröffnung gab es Schillers „Kabale und Liebe“. Im gleichen Jahr wurde der Schauspieler Heinrich George Intendant des Schillertheaters, das zu der Zeit Schiller-Theater der Reichshauptstadt Berlin hieß.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Schillertheater schwere Schäden. 1950 bis 1951 wurde es wiederaufgebaut – die Architekten Heinz Völker und Rudolf Grosse konnten einige Teile der Ruine wiederverwenden. Auffälliges Detail des Gebäudes ist der halbrunde Glasvorbau.
Am 6. September 1951 war Neueröffnung, wieder mit Schiller: Diesmal wurde unter Regie des Intendanten Boleslaw Barlog „Wilhelm Tell“ gegeben. Im gleichen Jahr noch wurde das Schillertheater mit seinen 1067 Sitzplätzen Haupthaus der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, zu denen auch noch das Steglitzer Schlossparktheater, das Ballhaus Rixdorf und die Schiller-Theater-Werkstatt gehörten. Letztere diente als Experimentierbühne und war später bis 2009 Nebenspielstätte des Grips-Theaters.
Samuel Becketts „Warten auf Godot“ feierte im Schillertheater Berliner ErstaufführungBedeutende Regisseure gaben sich im Schillertheater die Klinke in die Hand, von Gustaf Gründgens über Samuel Beckett und George Tabori bis Peter Zadek. Zu den bedeutendsten Uraufführungen gehören Max Frischs „Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie“ (1953) oder Günter Grass’ „Die Plebejer proben den Aufstand (1966), Samuel Becketts „Warten auf Godot“ (1953) erlebte hier 1953 seine Berliner Erstaufführung. Zu den prominenten Schauspielern, die ab 1953 zum Ensemble des Schillertheaters kamen, gehörten u.a. Berta Drews, Bernhard Minetti und Martin Held.
Doch 1993 war Schluss mit dem Theater im Schillertheater: Der Senat entschied sich, aufgrund der schwierigen finanziellen Lage der Stadt, die Spielstätte zu schließen. Der Entschluss sorgte für heftige Proteste und brachte dem damaligen Kultursenator Ulrich Roloff-Momin den Spitznamen „Schiller-Killer“ ein. Am 2. Oktober 1993 war die letzte Vorstellung: die Premiere von Coline Serreaus „Weißalles und Dickedumm“ (Regie: Benno Besson).
Fortan diente das Schillertheater als Musical- und Gastspieltheater, im Jahr 2000 nutzte das Maxim-Gorki-Theater die Bühne für einige Monate.
2009 schließlich begann eine ganz neue Ära für das denkmalgeschützte Schillertheater: Es wurde als zwischenzeitliche Spielstätte für die Staatsoper Unter den Linden hergerichtet. Am 19. September 2010 zog die Oper um und eröffnete den neuen Spielort am 3. Oktober mit
der Uraufführung von Jens Joneleits Oper „Metanoia“. Die künstlerische Leitung hatte Daniel Barenboim. 43 Monate lang wird die Staatsoper hier Dauergast sein, bevor sie in der Spielzeit 2013/14 wieder an ihren Standort zurückzieht. Auch die Probebühne des Schillertheaters, die Werkstatt, wird von der Staatsoper genutzt. Hier gibt es u.a. Stücke für Kinder und Experimentelles.
Schillertheater
Bismarckstr. 110, Charlottenburg, Kartentel. Staatsoper im Schillertheater: 030/20 35 45 55. Besucherservice: Tel. 030/20 35 44 38. www.staatsoper-berlin.de.
Anfahrt: U2 Ernst-Reuter-Platz, Bus M45 Ernst-Reuter-Platz. Es gibt regelmäßig Führungen durch die Staatsoper im Schillertheater, Infos unter www.staatsoper-berlin.de
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