Bookmark and Share
A A A

Staatsratsgebäude

Sozialistischer Repräsentationsbau, Kanzleramt und Manager-Kaderschmiede

Das Staatsratsgebäude beherbergte formal das Staatsoberhaupt der DDR. Politisch bedeutsam war das Gebäude in Berlins Mitte dennoch nie wirklich. Meilensteine konnte es aber zumindest architektonisch setzen.



Der Staatsrat der DDR bzw. dessen Vorsitzender war laut Verfassung seit 1960 das Staatsoberhaupt der DDR. Der Staatsrat bestand aus 16 Mitgliedern, unter anderem den Vorsitzenden der Blockparteien. Im Prinzip war der Vorsitzende in dem Gremium nicht besonders hervorgehoben, faktisch wurde das Amt vom ZK-Generalsekretär der SED nebenbei mitverwaltet. Staatsratsvorsitzende waren Walter Ulbricht, Willi Stoph und Erich Honecker – und in der Wendezeit Egon Krenz und Manfred Gerlach.

Beispiel für die Ost-Moderne

Für das Amt wurde in den sechziger Jahren ein eigenes Gebäude geschaffen: das Staatsratsgebäude am Schlossplatz, der bis 1994 Marx/Engelsplatz hieß. Das Staatsratsgebäude wurde zu einem der repräsentativsten Beispiele sozialistischer Sachlichkeit in der Architektur. Das Gebäude wurde nach den Plänen des – wie das damals hieß – Architekten-Kollektivs Roland Korn und Hans Erich Bogatzky von 1962 bis 1964 erbaut.

Das Bauwerk, das die Ost-Moderne mit begründete, weist eine Besonderheit auf. In die Fassade zum Schlossplatz wurde ein Überbleibsel des von den sozialistischen Herren der DDR gesprengten Stadtschlosses integriert. Das Portal und der Balkon, von dem aus Karl Liebknecht 1918 die kurzlebige sozialistische Republik ausgerufen hatte, erschien den Machthabern erhaltenswert. Den Bauherren gelang es immerhin mit dem asymmetrisch in die Fassade eingebauten alten Gebäudeteil, im Zusammenspiel mit der schlicht-modernen Fassade außergewöhnliche städtebauliche Spannung zu erzeugen.

Auch Gerhard Schröder gehörte zu den Bewohnern

Nach der Wiedervereinigung stand das Gebäude eine Zeit lang leer. Mit dem Regierungsumzug Ende der neunziger Jahre nahm das Bundeskanzleramt unter Gerhard Schröder den Bau von 1999-2001 in Beschlag. Bereits seit 1993 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Entsprechend sensibel wurden nach der Nutzung durch die Regierung erneute Umbauten im Inneren vorgenommen: Heute bewohnt die Manager-Kaderschmiede „European School of Management and Technology“ das Gebäude mietfrei, weil der Bund das Gebäude kostenfrei zur Verfügung stellt.

Im Inneren erinnert noch Heute ein mehrere Stockwerke hohes Glaswandbild des Künstlers Walter Womackas zur Geschichte der Arbeiterbewegung sowie ein Mosaik des Staatswappens mit Hammer und Sichel an die „Herrlichkeit“ des DDR-Staates.

Staatsratsgebäude

Schlossplatz 1, 10178 Berlin

Stadtplan, Zahlen und Fakten

Interaktiver Stadtplan, das Wetter von morgen und noch mehr Fakten zu Berlin

Für alle, die mehr wissen wollen...

Ausflüge, Radtouren, Spaziergänge

Ausflüge in und um Berlin und die Lieblingsplätze prominenter Berliner

Für alle, die mehr unternehmen wollen...

Geschäfte, Märkte, Shoppingviertel

Modelabels, Buchhandlungen, Einkaufsstraßen

Alles, was zum Stöbern einlädt...