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Volksbühne

Sperriges Symbol in der Neuen Mitte

Die Inszenierungen in der Volksbühne galten vor allem in den neunziger Jahren als provokant und stilbildend. Mittlerweile ist es um das einstige Arbeitertheater etwas ruhiger geworden, aber die Volksbühne erfindet sich immer wieder neu



Es ist ein markanter Bau. Zeit und Geist trotzend steht die Volksbühne auf dem Rosa-Luxemburg-Platz, beinahe auf der Grenze von Mitte und Prenzlauer Berg, dort wo sich die viel beschworene „Neue Mitte“ trifft. In der Nachbarschaft tummeln sich Agenturen aller Art, Anwaltspraxen, hippe Startup-Unternehmen – und diejenigen, die sich die Mieten in dieser Gegend noch leisten können. All jenen leuchtet des Nachts das Volksbühne-Logo und der Schriftzug „Ost“ als sperriges Symbol entgegen.

Volksbühne – Theater mit rebellischer Tradition

Die Volksbühne, noch immer eines der lebendigsten Berliner Theater der Nachwendezeit, bewegt sich in einer rebellischen Tradition. Angefangen hat es mit dem Theater in der Arbeiterbewegung. Zum Ende des 19. Jahrhunderts organisierte sich die Arbeiterbewegung immer mehr und entwickelte zugleich immer mehr Selbstbewusstsein. Gegen die Repressionen des Preußenstaats wehrten sich die Arbeiterführer mit „harmlosen“ Kultur und Bildungseinrichtungen. 1890 wurde deshalb der Verein „Neue Freie Volksbühne“ gegründet. Den Mitgliedern wurde dort für einen geringen Beitrag der Theaterbesuch ermöglicht. Die Aufführungen in dem nicht öffentlichen Verein erlaubte es den Vereinsgründern zudem, zensierte und verbotene Autoren und Stücke zu spielen.

Reinhardt und Piscator inszenierten an der Volksbühne

1902 hatte der Verein genug Geld gesammelt, um ein eigenes Theatergebäude zu bauen. 1913/14 entstand schließlich das Gebäude nach Entwürfen des Architekten Oskar Kaufmann. Dessen Entwurf einer Spielstätte für rund 2000 Zuschauer hielt sich ästhetisch an die Spielregeln der Moderne. Zu den größten Namen, die in den Gründungsjahren an der Volksbühne wirkten, gehörten Max Reinhardt und Erwin Piscator. Im Krieg wurde die Volksbühne schwer beschädigt.

Bei der Grundsanierung nach dem Krieg behielten die neuen Bauherren die Fassade in den Grundzügen zwar bei, verzichteten aber auf Verzierungen und verpassten dem Gebäude gradlinige Anbauten und ein Flachdach anstelle des ursprünglichen Kuppeldaches. Erst durch diese Veränderungen erhielt das Gebäude der Volksbühne jene schlichte Strenge, die es als monumentalen Fremdkörper in seiner Nachbarschaft erscheinen lässt.

Frank Castorf schärfte das provokante Profil

Die künstlerische Ausrichtung des Ensembles passt zum Gebäude. Unter der Intendanz von Frank Castorf geriet das Haus seit 1992 mit provokanten Inszenierungen immer wieder in das Zentrum feuilletonistischer Berichterstattung. Neben Castorf schärften Regisseure wie Christoph Marthaler, Christoph Schlingensief oder Rene Pollesch das künstlerische Profil des Hauses. Zu wichtigen Schauspielern der Volksbühne zählen Henry Hübchen, Corinna Harfouch und Sophie Rois. Als Versuchslabor für experimentelles Theater und schräge kleine Inszenierungen nutzt das Ensemble der Volksbühne zusätzlich Räumlichkeiten im Prater, einem Traditionsbiergarten im Prenzlauer Berg.

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Linienstraße 227, 10178 Berlin, Tel. 30-240655, Kartentelefon: 030-24065777

www.volksbuehne-berlin.de

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