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Pergamonmuseum

Geheimnisvolle Gesichter Arabiens

"Was wissen Sie über die Geschichte Saudi-Arabiens?", fragt Stefan Weber, der Direktor des Museums für Islamische Kunst, und beantwortet die Frage gleich selbst: "Bei vielen fällt die Antwort recht mager aus." Das soll sich mit der Ausstellung "Roads of Arabia" ändern. Ab heute zeigt das Berliner Museum für Islamische Kunst in Kooperation mit der Saudischen Kommission für Tourismus und Altertümer bisher unbekannte archäologische Schätze aus Saudi-Arabien.
Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien im Pergamonmuseum



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Die Ausstellung im Pergamonmuseum sei kulturpolitisch eine Sensation, so Weber. Sie zeige spektakuläre Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte, des antiken Saudi-Arabiens und der islamischen Geschichte.

 

"Wir wollten die Dinge nicht nur schön zeigen", sagt Weber. Die Exponate werden teilweise in abstrakten Felslandschaften oder in abstrakten Oasen gezeigt, an den Orten, wo sie gefunden wurden. Auch der Architekt der Ausstellung Youssef El Khoury betont, dass man mit diesem Konzept die "Unterschiedlichkeit der saudi-arabischen Landschaft" wiedergeben will. Als roter Faden ziehen sich Handels- und Pilgerrouten durch die 15 Ausstellungsräume, in denen die 380 Objekte chronologisch geordnet gezeigt werden. Im ersten Raum werden Faustkeile und 6000 Jahre alte Stelen in menschlicher Gestalt präsentiert. Es folgen ägyptisierende Statuen, filigrane Glas- und Metallarbeiten der römischen Antike sowie Objekte der Keramikrevolution der islamischen Frühzeit.

Werbung für den Tourismus

In der Vergangenheit war Saudi-Arabien nicht daran interessiert, seine archäologischen Schätze einem großem Publikum zugänglich zu machen. Das ändert sich mittlerweile. "Wir sind stolz auf unser kulturelles Erbe", sagt Ali al-Ghabban, der Vizepräsident der Saudischen Kommission für Tourismus und Altertümer. "Es ist nie zu spät, unsere Forschungsarbeiten der letzten Jahrzehnte zu präsentieren", sagt al-Ghabban. Das kulturelle Erbe sei auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für den Tourismus, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, so al-Ghabban. Dass historische Objekte aus den islamischen Pilgerstädten Mekka und Medina gezeigt werden, ist demnach auch als eine Öffnung des Landes zu verstehen.

 

So können die Besucher die mächtige Tür der Kaaba aus dem Jahr 1635 sehen, die fast 300 Jahre lang das Heiligtum des Islam schmückte. Die fast 3,50 Meter große Tür aus vergoldetem Blattsilber mit feinen Verzierungen wurde vom osmanischen Sultan Murad IV. gestiftet. Die abgegriffenen Gravierungen lassen erahnen, dass Millionen Pilger diese Tür berührt haben. Für Stefan Weber ist es eine Sensation, dass diese Tür der Kaaba überhaupt das Nationalmuseum in Riad und damit Saudi-Arabien verlassen durfte. Es ist ungefähr damit zu vergleichen, als ob ein historischer Altar der Grabeskirche aus Jerusalem auf Reisen durch Europa ginge.

 

In dem Raum mit den Exponaten aus Mekka und Medina sind auch zahlreiche Pilgerbücher und Kiswa-Fragmente aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt. Kiswa wird das schwarze Brokatstofftuch bezeichnet, mit dem die Kaaba umhüllt ist. Faszinierend sind auch die alten Koranbücher, die mit Blattgold und sehr feinen Verschnörkelungen verziert sind.

 

Bei den großen Exponaten, wie zum Beispiel der 2,5 Meter hohen monumentalen Kolossalstatue, die aus einem verschütteten Tempel in der früheren Handelsstadt Dedan freigelegt wurde, war der Weg ins Pergamonmuseum Millimeterarbeit. "Wir hatten vorher ausgerechnet, dass sich Schulter- und Türbreite gleichen - und so war es auch", sagt Weber.

 

Besonders beeindruckend sind kostbare Grabbeigaben für ein etwa sechsjähriges Mädchen, die im Sommer 1998 von saudischen Archäologen entdeckt wurden. Die Fundstücke werden auf das erste Jahrhundert vor Christus datiert und weisen darauf hin, dass die Region damals noch in griechischer Tradition stand. Auf einem Foto mit den sterblichen Überresten des Mädchens sieht man zahlreiche Goldplättchen glänzen. Das lässt darauf schließen, dass das Kind von einer reichen Familie stammte. In den Schaukästen sind die mit Rubinen, Perlen und Türkisen verzierten Ketten und winzigen Goldarmreifen ausgestellt.

Völlig freie Hand gehabt

"Roads of Arabia" wurde schon in ähnlicher Form in Paris, Barcelona und St. Petersburg gezeigt. Besonders stolz hebt aber Stefan Weber während der Pressekonferenz hervor, dass etwa 80 weitere Objekte in die Ausstellung aufgenommen wurden, die von privaten Leihgebern oder von den staatlichen Museen aus Österreich und der Schweiz zur Verfügung gestellt worden sind. Ali al-Ghabban findet sogar, dass es sich bei der Berliner Schau um eine komplett neue Ausstellung handelt, weil auch der Ort den Exponaten ein anderes Aussehen verleihen würde.

 

Bei der Darstellung der Objekte habe das Museum für Islamische Kunst völlig freie Hand gehabt. "Der saudi-arabische Botschafter hat nie versucht, uns in die inhaltliche Hoheit dieses Hauses hinein zu pfuschen", sagt der Direktor Stefan Weber: "Das ist eine Ausstellung, die wir nach streng wissenschaftlichen Maßstäben entwickelt haben."

 

Den Islamwissenschaftler und Kunsthistoriker Weber fasziniert beim Anblick der mehrere tausend Jahre alten Exponate vor allem eines: "Kulturen haben keine klaren Grenzen und sie kennen keine Landesgrenzen." Weber zeigt auf einen 2000 Jahre alten Bronzeguss aus den Wüsten Saudi-Arabiens. Dargestellt sei vermutlich der Kopf eines Mannes, sagt er. "Auffällig sind aber die Locken, wie sie zu dieser Zeit in Rom üblich waren." Handel und Pilgerfahrten seien Motor des kulturellen Austausches gewesen. "Diese Erkenntnis ist für unsere heutigen Diskussionen um Kulturräume wichtig", hebt Weber hervor.

 

Mit seiner Arbeit versuche er "Massenbildung zu betreiben". Im vergangenen Jahr hatten 732 000 Menschen das Museum für Islamische Kunst besucht, 22 Prozent mehr als 2010. Deswegen rechnet er bei der neuen Ausstellung mit großem Besucherzuspruch. Die Gäste können sich im Rahmen von "Roads of Arabia" auf 120 Veranstaltungen freuen, darunter auch kostenlose Führungen.

 

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