Bookmark and Share
A A A

Interview mit Manfred Rettig

"Die Strahlkraft wird immens sein"

Gute Planung ist für Manfred Rettig alles. Und so hat der Vorstand der Stiftung Berliner Schloss - Humboldt-Forum, der am Sonnabend seinen 60. Geburtstag feiert, nachgerechnet und ist zur Überzeugung gekommen, dass er das größte Kulturbauvorhaben der Bundesrepublik seit der Wiedervereinigung noch bis zum Ende der Bauphase begleiten kann.
Von



Weitere Bilder

 

Wenn Rettig in Rente geht, dann soll das Berliner Schloss schlüsselfertig übergeben werden. Der oberste Baumanager des Bundes hat bereits den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin geleitet. Mit Manfred Rettig sprach Redakteurin Isabell Jürgens.

 

Berlin1: Herr Rettig, was ist schwieriger, mit einer Regierung umzuziehen oder in Berlin ein Schloss zu bauen?

 

Manfred Rettig: Der Organisationsaufwand beim Regierungsumzug war ungleich höher, wir haben da innerhalb weniger Jahre quasi eine ganze Stadt errichtet, das Bauvolumen war mit fünf Milliarden Euro auch zehnmal höher ...

 

Berlin1: ... und damals beim Regierungsumzug wie heute beim Schlossbau sind viele der Meinung, die immensen Kosten hätte man sich sparen können ...

 

Manfred Rettig: Stimmt, in der Debatte gibt es durchaus Parallelen. Beim Regierungsumzug waren die Berliner sehr skeptisch, fürchteten die Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt, wenn die Bonner kommen. Im Westen der Republik fürchtete man die mit dem Umzug verbundenen Kosten, speziell in Bonn den Bedeutungsverlust, und auch die internationale Reaktion war durchaus nicht nur positiv.

 

Berlin1: Inwiefern?

 

Manfred Rettig: Da mussten wir tatsächlich immer wieder die Befürchtung ausräumen, dass die Verlagerung des Regierungssitzes Richtung Osten nicht automatisch die Abkehr von der West-Integration bedeutet. Solche Ängste muten heute merkwürdig an, aber in der damaligen Debatte war das ein wichtiger Punkt.

 

Berlin1:  Wird das Schloss genauso bedeutsam für die Stadt?

 

Manfred Rettig: Ich glaube, in der Bevölkerung ist noch gar nicht so präsent, was das Humboldt-Forum im Zentrum der Stadt bedeutet. Berlin wird damit im kulturellen Bereich mit London und Paris in der gleichen Liga spielen. Wer Paris besucht, kommt am Louvre und am Centre Pompidou nicht vorbei, in London nicht am British Museum. In Berlin wird das Humboldt-Forum mit seinen modernen Nutzungskonzepten diese Funktion übernehmen. Die internationale Strahlkraft eines Forums, in dem die Kulturen der Welt gleichwertig zu einem Dialog kommen, wird immens sein. Die öffentliche Debatte dagegen ist im Moment immer noch sehr auf die Rekonstruktion der Schlossfassade fokussiert.

 

Berlin1: Ein diskussionswürdiges Thema ...

 

Manfred Rettig: Ja, wir gestalten das Gesicht der Stadt, wir liefern ein Gebäude, das die historischen Dimensionen Berlins wieder erlebbar macht und zugleich in seinem Inneren hochmodern ist.

 

Berlin1: Und für das Sie ein Stück DDR-Baugeschichte abgeräumt haben.

 

Manfred Rettig: Ich war Anfang der 90er-Jahre auch für den Palast der Republik zuständig. Es war von vornherein klar, dass dieses Gebäude nicht zu halten ist - das hatte keine politischen, sondern rein konstruktive Gründe, die übrigens auch Heinz Graffunder (Chefarchitekt des Palastes der Republik, Anm. d. Red.) klar waren. Die Schlossfreunde um Wilhelm von Boddien und seine Fassadensimulation kamen erst später.

 

Berlin1: Nun bekommen wir ein Schloss, dessen gesamter Fassadenschmuck inklusive Kuppel und Portale von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung abhängig ist ...

 

Manfred Rettig: Das ist wirklich ein Novum, das erste Bundesbauprojekt, dass im erheblichen Maße auf Spenden angewiesen ist. Um alle historischen Elemente errichten zu können, benötigen wir 108,5 Millionen Euro.

 

Berlin1: Macht Sie das nicht nervös?

 

Manfred Rettig: Nein, ich bin fest davon überzeugt, dass die Rechnung aufgeht. Wir haben gerade erst von einem privaten Spender zwei Millionen Euro bekommen, damit ein weiteres Schloss-Detail rekonstruiert werden kann: Das sogenannte Eckrondell wird an der Anschlussstelle zwischen der südlichen Barockfassade und der modern gestalteten östlichen Schlossfassade entstehen. Die erste Million wurde bereits auf unser Konto überwiesen. Wenn die Bauarbeiten jetzt starten, wird das Spendenaufkommen erheblich zunehmen. Das war bei der Frauenkirche in Dresden so und wird auch beim Berliner Schloss so sein.

 

Berlin1: Wann beginnen die Bauarbeiten?

 

Manfred Rettig: Noch in diesem Frühjahr rollen die Bagger an. Am vergangenen Mittwoch hatten wir den Notartermin, in dem uns das Land Berlin seinen Anteil vom Baugrundstück übertragen hat. Staatssekretär Ephraim Gothe hat uns die Teilbaugenehmigung für April in Aussicht gestellt.

 

Berlin1: Wie stellen Sie sicher, dass die Baukosten nicht aus dem Ruder laufen?

 

Manfred Rettig: Wir haben ein eigenes Risikomanagement. Mit der Kostenkontrolle waren wir auch beim Regierungsumzug erfolgreich.

 

Berlin1: Kommen Sie mit den bewilligten 590 Millionen Euro aus?

 

Manfred Rettig: Wir bauen das Schloss für 590 Millionen Euro zum Kostenstand von 2011. Indexbedingte Baukostensteigerungen sind darin nicht enthalten, das ist von den Haushältern im Bundestag auch nicht vorgesehen. Aber andere Kostensteigerungen, wie etwa bei der Elbphilharmonie in Hamburg, wird es beim Schloss nicht geben.

 

Berlin1: Sie werden am Sonnabend 60 Jahre alt, können Sie das wirklich garantieren?

 

Manfred Rettig: Ich will so lange im Amt bleiben, bis ich mit gutem Gewissen den Schlüssel übergeben kann. Die Baufertigstellung soll Ende 2017, Anfang 2018 erfolgen, das passt doch hervorragend, oder?

 

Berlin1: Wenn alles läuft wie geplant ...

 

Manfred Rettig: Wenn keine Umplanungswünsche kommen, wird es das.

 

Stadtplan, Zahlen und Fakten

Interaktiver Stadtplan, das Wetter von morgen und noch mehr Fakten zu Berlin

Für alle, die mehr wissen wollen...

Ausflüge, Radtouren, Spaziergänge

Ausflüge in und um Berlin und die Lieblingsplätze prominenter Berliner

Für alle, die mehr unternehmen wollen...

Geschäfte, Märkte, Shoppingviertel

Modelabels, Buchhandlungen, Einkaufsstraßen

Alles, was zum Stöbern einlädt...