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Dick und behaart ist sie, mit langen schwarzen Beinen. Am Treppengeländer zur Lagerhalle hängt eine Spinne, groß wie ein Wagenrad. An ihr vorbei führt der Weg in eine Parallelwelt der Fantasie – ins Reich der Superhelden, Elfen, Ritter, Monster und sexy Batgirls. Unten stehen Regale in meterlangen Reihen. In den Gängen werden Kostüme herausgesucht, Pakete hin- und hergetragen. Auf einem der vielen Packwagen stapeln sich Gothic-Medaillons, Glitzer-Kronen, Vampirblut, ein Pretty-Kitty-Kleid und eine Starwars-Maske. Nur noch ein paar Minuten – und das alles wird in Kartons verpackt und in die Welt hinaus geschickt sein.
Die Verkleidungsindustrie läuft derzeit rund. Es ist Karneval. Und mitten in der Karnevalswüste Berlin verlassen im Moment täglich bis zu 1000 Pakete die Rathenauhallen in Oberschöneweide. Beim Verkleidungsspezialisten „maskworld.com“, der Metamorph GmbH. Dessen Empfänger sitzen nicht nur in Düsseldorf und Köln, sondern auch auf Mauritius, in Neuseeland und Brasilien. Karneval, das bedeutet Ausnahmezustand. „Im Januar und Februar werden unsere 70 Mitarbeiter zusätzlich von 200 Saisonkräften unterstützt“, sagt Manuela Pioch. 9000 Produkte, darunter Kostüme, Masken, Perücken, Schminke und Spezialeffekte können über den Onlineshop bestellt oder im Ladengeschäft in der Oranienburger Straße in Mitte gekauft werden.
Angesichts der Fülle an Bestellungen sei es nicht schwer, die aktuellen Bestseller auszumachen. Trends, sagt Manuela Pioch, würden meist von Filmen gesetzt. So habe zum Beispiel „The Artist“ viele Kunden inspiriert. 20er-Jahre-Kostüme seien „in“, Accessoires wie topfartig geformte Frauenhüte, Bob-Perücken, Federboas, Zigarettenspitzen sowie Knickerbocker und Schiebermützen seien stark nachgefragt. Aber auch Superhelden würden nicht sterben. Beflügelt durch den Kinostart 2012 von Marvels „The Avengers“ und „Batman – The Dark Knight Rises“ erlebten auch Batman, Thor, Iron Man & Co eine Renaissance, sagt die Maskerade-Spezialistin. Für Frauen gebe es meistens das weibliche Pendant. Allerdings bestellten die Damen in dieser Saison lieber sexy Tierkostüme, wie das Schmusekätzchen mit viel Plüsch wie bodenlangen Fellschwänzen.
Die absolute Neuheit in diesem Jahr sind sogenannte Morphsuits (40 bis 50 Euro) – elastische Ganzkörperanzüge, in denen sogar der Kopf verschwindet. Sie sind so durchlässig, dass der Träger problemlos atmen und durch den Stoff trinken kann. Wer einmal wie Robbie Williams die Arme tätowiert haben will – ohne Schmerzen und Nadeln – für den gibt es Tattoo Skins (14,90 Euro). Das sind hauchdünne, bedruckte Ärmel, die wie eine echte Tätowierung aussehen. Sie werden wie ein Strumpf über den Arm gezogen.
In der Werkstatt hinter dem Lager rührt Julia Kirchner gerade den Gipsbrei für eine neue Form an, die sie für die Elfenohren-Herstellung braucht. Die 28-Jährige hat in dem Unternehmen ihre Ausbildung zur Maskenbildnerin gemacht. Seit fünf Jahren ist sie dabei. Sie lässt die Form aushärten und gießt sie mit flüssigem Latex aus. Wenig später kann sie ein paar neue Elfenohren in durchsichtiges Plastik verpacken. Im Ladengeschäft in der Oranienburger Straße ist die Auswahl von Elfenohren zu sehen: Waldelf, Dunkelelf, Sonnenelf, Mondelf, Halbling und Satyr – jeder Elf, so lernt man spätestens hier, hat seine charakteristischen Ohren. Kundin Sabrina sieht sich gerade im Laden nach Schuhen um, die zu ihrem „Alice im Wunderland“-Kostüm passen. Die 27-Jährige stammt aus Düsseldorf. Dort wird sie spätestens zur Weiberfastnacht sein. „Bis Rosenmontag feiern wir durch“, sagt die junge Frau.
Selbst im Laden setzt sich der Einfluss von Filmen und beliebten Videospielen oder Comics durch. „Die Leute wollen sich einfach mal so fühlen wie ihre Helden“, sagt Verkäufer Karl. Das Laufpublikum schaue oft erst einmal herein, um sich inspirieren zu lassen. Es gebe aber auch Kunden, die ganz gezielt kommen und sich ein individuelles Kostüm zusammenstellen. „Die haben dann den Vorteil, dass ihre Verkleidung einzigartig ist“, sagt Karl.
Fasching sei zwar Hochsaison, aber auch an Halloween laufe das Geschäft gut. Dazu kämen Motto-Partys, wie 20er-Jahre oder Superhelden-Partys, die sehr beliebt seien und oft noch spät abends Kurzentschlossene in den Laden brächten. Bis 22 Uhr hat das Geschäft in Mitte für solche Fälle sicherheitshalber geöffnet.
Die Idee für das Geschäft mit der Verkleidung kam den Brüdern Roman und Victor Matthesius bei einem Gang über den Flohmarkt. An einem Stand sahen sie Latex-Masken. Das war der Grundstock für die eigene Firma, die 1999 gegründet wurde. Inzwischen kaufen sogar Prominente wie Udo Lindenberg und Katharina Thalbach bei ihnen ein.
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