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Trotz Rekordzahlen

Jedes zweite Hotelbett bleibt in Berlin leer

Obwohl Berlin im Jahr 2011 mit 22,4 Millionen Übernachten in Hotels und Pensionen einen neuen Tourismus-Rekord aufgestellt hat, bleibt jedes zweite Bett in den Herbergen der Hauptstadt leer.
Wolken in Berlin



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Der Tourismus in Berlin wächst rasant. Mit knapp 9,9 Millionen registrierten Gästen und nahezu 22,4 Millionen Hotel-Übernachtungen hat die Hauptstadt 2011 einen Besucherrekord aufgestellt und liegt hinter London mit 48,7 Millionen Übernachtungen und Paris (35,8 Millionen) an dritter Stelle in Europa. Das teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Mittwoch mit. Nicht gezählt werden die unzähligen Tagesbesucher und Gäste, die bei Bekannten und Freunden übernachten. „Das Interesse am Reiseziel Berlin ist ungebrochen“, sagte Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) am Donnerstag.

 

Das Überraschende: Obwohl so viele Menschen in die deutsche Hauptstadt reisen, bleibt jedes zweite Hotelbett leer – die Auslastung in der gesamten Stadt liegt gerade einmal bei 50 Prozent. Selbst in den besser gebuchten Hotels in der Innenstadt bleibt noch etwa jedes dritte Bett frei. Doch trotz dieser Entwicklung steigt die Zahl der Betten weiter im Rekordtempo: Mit insgesamt 120.800 Betten ist das Angebot im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent gewachsen. Allein dieses Jahr sollen weitere 4000 Betten dazukommen. „Berlin ist der härteste Hotelmarkt der Welt“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismusmarketingorganisation VisitBerlin, zu den Zahlen. Erfreulicher Nebeneffekt: Die Preise in Berlin sind konkurrenzlos niedrig: Im Schnitt kostet ein Hotelzimmer 60 Euro – deutlich weniger als in Moskau oder selbst in Warschau.

 

Bis 2020 will der Senat die Zahl der Übernachtungen auf 30 Millionen steigern. Einen weiteren Besucherschub erhofft sich die Branche durch den Flughafen, der im Juni 2012 in Schönefeld in Betrieb geht. Auch will die Stadt weitere Kongresse binden, etwa den World Health Summit, an dem sich Berlin künftig beteiligt.

 

Doch ob damit auch die Erlöse der Hoteliers steigen, ist offen: Bisher wächst das Angebot so schnell wie die Nachfrage. „Berlin wäre mit den heute vorhandenen Kapazitäten vermutlich in der Lage, die 30 Millionen Übernachtungen zu erreichen“, sagte Kieker Morgenpost Online.

 

„Ein sehr niedriger Wert“ sei die Auslastung von 50 Prozent, sagte auch Vladimir Preveden, der im Auftrag der Unternehmensberatung Roland Berger den Berliner Markt untersucht hat. Das Wachstum der Bettenkapazitäten erhöhe den Druck auf die Hotels, profitabel zu sein. „Hier sind Konzepte gefragt, wie der Erlös pro Zimmer erhöht werden kann.“

 

Nach Ansicht von Stephan Gerhard, Chef des Hotelberaters Treugast, werden in spätestens fünf Jahren zahlreiche Hotels den Marktkampf verloren haben. „Wir rechnen damit, dass zu diesem Zeitpunkt erste Betriebe vollständig vom Markt gehen“, sagte Gerhard Morgenpost Online. Wenn das Angebot kleiner werde, könnten auch die Preise steigen: „Berlin muss es endlich schaffen, die Preise auf ein internationales Niveau zu bringen.“

 

Die Besucher sind eine wichtige wirtschaftliche Säule: „Tourismus ist ein Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Stadt“, sagte von Obernitz. Der Jahresumsatz liege bei neun Milliarden Euro. 230.000 Arbeitsplätze hingen davon ab. Die Senatorin versprach, das Wachstum für die Berliner erträglich zu gestalten und etwa Ferienwohnungen einzudämmen. „Wir setzen nicht rücksichtslos auf Tourismus um jeden Preis, aber ich appelliere auch an die Berliner, den Tourismus als Chance zu begreifen.“

 

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