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Wie Federn liegen die einzelnen Lamellen im Regal der Tischlerei - so filigran und leicht, dass sie bereits beim Antippen zu Schwingen anfangen. Es ist kaum vorstellbar, dass sie Bestandteil eines 22 Meter breiten und elf Meter hohen Fächers und einer insgesamt 38 Tonnen schweren Bühnenkonstruktion sein werden. Im Art Department Studio Babelsberg entsteht zurzeit das Bühnenbild für die Oper "Carmen", die bei den zweiten Seefestspielen vom 16. August bis 2. September am Wannsee in der Regie von Volker Schlöndorff gezeigt wird. Veranstalter ist wieder die Deutschen Entertainment AG (Deag).
Vor etwa zwei Wochen wurde in den Werkstätten, die sich auf dem Gelände vom Filmpark Babelsberg befinden, mit dem Bau der Kulissen begonnen. Aus den Hallen kommt die komplette Bühnenkonstruktion. Dazu gehören das Bühnenbild, Techniktürme und stützende Gerüste. Etwa 35 Schlosser, Schweißer, Mechaniker, Tischler, Fräser, Stuckateure, Maler und Dekorateure werden in den kommenden Wochen 5,2 Tonnen Stahl und 10.000 Holzschrauben verbauen. Am 9. Juli beginnt der Aufbau der Bühne am Wannsee, am 3. August ist Bauabnahme.
Die Kulissenbauer sind auf Sonderbauten spezialisiert. Aus ihren Werkstätten stammen Filmkulissen für internationale Streifen wie "Der Ghostwriter", "Inglourious Basterds" und "Der Vorleser". Die Fächerkulisse für die Wannsee-Oper wird, wie alle anderen, ein Unikat sein. Die besondere Herausforderung dieses Auftrags sieht Projektleiter Michael Henning in der Größe des durchsichtigen Fächers, der zudem beweglich und begehbar sein muss. In der Inszenierung werden die Sänger über Sicherheitsleitern bis auf die Höhe von elf Metern aufsteigen.
Während in den Tischler- und Metallwerkstätten gefräst und geschweißt wird, kümmern sich die Mitarbeiter im Kostümfundus bereits um die Ausstattung der Darsteller. Am Ende des Gangs, hinter Rokoko-Kleidern, Ritterrüstungen und Schlaghosen, hängt bereits ein schlichter gelber Kittel in Größe 36 auf einer Schneiderbüste. Noch wird er von Nadeln zusammengehalten und hat eine knallige Farbe. Bis Carmen damit als Tabakarbeiterin durch den Fächer treten wird, "soll er noch patiniert werden, damit er älter aussieht", sagt Gabriele Leuter, Leiterin der Kostümabteilung. 400.000 Stücke verwaltet sie in ihrem Fundus. Eine "Carmen" habe sie aber noch nicht ausgestattet. 15 Kostüme, vor allem für die Hauptrollen, werden neu entworfen und geschneidert. Im Moment wird dafür gerade die Stoffauswahl getroffen. An den Wänden hängen die ersten Zeichnungen und Ideen. Der Großteil der Kostüme werde jedoch aus dem Fundus bestückt, sagt Gabriele Leuter.
"Alle Rollen sind jetzt vergeben", sagt Christoph Dammann, Intendant der Seefestspiele Berlin. Für die vier Hauptrollen - Carmen, Micaela, Don José und Escamillo - gibt es zwei Besetzungen, weil die gesangliche Belastung mit täglichen Vorstellungen zu groß wäre. Die Sänger und Tänzer wurden unter anderem in Castings im Friedrichshainer Radialsystem ausgewählt, die vom Kulturkanal Arte begleitet wurden und im Fernsehen zu sehen sind. Die Proben für die Opern-Aufführung beginnen am 2. Juli in der Onkel-Tom-Sporthalle in Zehlendorf. Sobald die Bühne am Wannsee aufgebaut und abgenommen ist, werden die Darsteller, darunter neben den Hauptdarstellern zwölf Tänzer und Akrobaten, 34 Chorsänger und acht Kinder als Komparsen im Strandbad weiterproben. Für den 14. und 15. August sind dann die Haupt- und Generalproben angesetzt.
Der Vorverkauf der Tickets für die Seefestspiele am Wannsee hat bereits begonnen (ticketmasters.de, deag.de und an den bekannten Vorverkaufsstellen). Mehr als 10.000 Karten seien bereits verkauft, sagt Christoph Dammann. Zwölf Vorstellungen sind geplant. Die Tribüne bietet Platz für 4400 Zuschauer.
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