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"Kunst zu machen ist mein Job!", sagt Franziska Klotz nüchtern. So klar bringen das nicht alle Künstler auf den Punkt. Künstler sein ist für sie der Inbegriff von Selbstständigkeit. Nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Die 1979 in Dresden geborene verspürte sie früh das Bedürfnis, zu malen. Aber spätestens mit dem Abschluss ihres Studiums war ihr auch klar, dass sie, wenn sie Erfolg haben will, die Malerei auch als wirkliche Arbeit verstehen muss. "Man muss sich immer wieder dafür rechtfertigen, was man da macht. Aber letztendlich habe ich ja auch Verantwortung. Indem ich in diesen Markt eingetreten bin, bin ich nicht nur mir gegenüber die Verpflichtung eingegangen, dass ich mich in meiner Malerei weiterentwickle. Meine Galerie will ja auch, dass ich vorankomme. Um diese Verantwortung muss man wissen, wenn man Künstlerin sein will. Und dann dazu stehen."
Klotz hat an der Kunsthochschule Weißensee Malerei studiert und 2006 als Meisterschülerin von Professor Werner Liebmann abgeschlossen. Seit ihrer Zeit als Studentin arbeitet sie in einem Atelier an der Prenzlauer Promenade. Der Straßenname hat einen schönen Klang, doch zum Flanieren lädt die Gegend nicht ein. Plattenbauten und Gehwegschäden bestimmen den Autobahnzubringer in Pankow. Für Klotz überwiegen die Vorteile, ihre Räume riechen nach Ölfarbe, sie sind von Tageslicht durchflutet. Mit den Jahren hat sich der ehemalige Verwaltungsbau zu einem Atelierhaus gewandelt, indem nicht nur bildende Künstler arbeiten, sondern auch Musiker und Tänzer.
Kommunikation zwischen den Disziplinen wurde auch in der Ausbildung gepflegt. Klotz denkt gern an den engen Kontakt zu Kommilitonen, aber auch zum Lehrkörper zurück: "In Weißensee läuft es nicht so strikt ab, die Strukturen sind eher offen. Ich konnte also ohne Probleme auch die Klasse von Katharina Grosse oder anderen Profs besuchen. Für mich waren das optimale Voraussetzungen." Die Hochschule empfand sie als kreativen Schutzraum, in dem ein Atelier zur Verfügung steht, in dem man Netzwerke aufbauen kann, in dem man Kritik bekommt und loswerden kann, in dem man einen großen Input von kunsthistorischen und philosophischen Zusammenhängen aufsaugen kann.
"Du hast dort die Möglichkeit jahrelang zu probieren, bevor du als Meisterschüler dein künstlerisches Medium findest. Wenn du fertig bist, musst du dich erst mal loslösen. Dann fängt die Wirklichkeit an."
Der Sprung aus dem Schutzraum der Akademie in die Realität der künstlerischen Freiheit war für Klotz glücklicherweise kein Sturz ins Prekariat. Vielen Absolventen geht es oft jahrelang gelinde gesagt bescheiden. Das Künstlerleben kann grausam sein: Kampf um Anerkennung, quälende Selbstzweifel, knappe Kasse. Klotz ließ sich allerdings auch bei Rückschlägen nicht in ihrem Entschluss beirren. Sie hat aber auch Glück gehabt. Die Auszeichnung mit dem Max-Ernst-Preis 2005 hatte ihr schon einige Aufmerksamkeit eingebracht. Einer selbst organisierten Gruppenausstellung in Mailand folgte dann ihre "Entdeckung" durch eine österreichische Galerie; seit kurzem arbeitet sie mit der neuen Berliner Galerie Kornfeld zusammen, die an diesem Wochenende eröffnet. Franziska Klotz musste nicht kellnern, um die Miete zu zahlen oder sich der Angewandten Kunst zuwenden, um Arbeitsmaterialien finanzieren zu können. Sie kann von ihrer Kunst, von ihrem Job leben.
Klotz' Arbeit ist das Malen. Meist dient ihr ein Foto als Anlass für ein Gemälde, die Bildfindung entwickelt sie dann aber aus den Problemen der Malerei selbst. Fragen der Komposition spielen da eine Rolle, wie etwa die Formen ins Format zu setzen sind oder in welchem Farbspektrum gearbeitet wird. Klotz interessiert der Prozess der Überwindung des realen Fotos mit den Mitteln und Themen der Malerei: "Ausgangspunkt für mein Bild 'Schneesturm' war z.B. das Reaktorunglück von Fukushima und der radioaktive Fall-out.", erzählt sie. "Formal hat mich dieses Krisselige und Verwaschene der Bilder aus Japan interessiert, aber auch die Problematik, etwas verhüllen zu wollen. Es gab ja damals auch eine regelrechte Verwaschung der Information. Ich wollte es aber dann von der malerischen Perspektive her angehen. Wie lösen sich solche Schichtungen und Verdeckungen in der Malerei auf? Das ursprüngliche Foto war zwar ein ganz konkreter Anlass, den ich aber sehr rasch verlassen habe. Ich will ja keine Politkunst machen, mir geht es um das Bild an sich! Und wie es malerisch bestehen kann."
Einige ihrer Bilder erinnern an die Gemälde von Daniel Richter oder Erik Schmidt. Die Ölfarbe ist mal pastos und gestisch aufgetragen, zeichnet dann aber wieder fein im Detail. In expressiver Farbigkeit aufgelöste Figurengruppen scheinen in einem Schneesturm unterzugehen oder machtlos vor einem Spalt im Boden zu verharren. Sind es da Jäger, die mit ihrer Umgebung vor einer Waldlichtung verschmelzen? Laufen dort Hunde über eine Brücke?
Klotz' Bilder schwingen ständig zwischen Figuration und Abstraktion. In Landschaften, Seestücke und Waldmotive sind Brüche eingeschrieben, die den Betrachter irritieren oder den allzu einfachen Eintritt verwehren. Oft bildet der Vordergrund eine Barriere wie ein Büschel Farn im gleichnamigen Gemälde oder ein rot warnendes Schild im dichten Unterholz vor einem Hintergrund, der einen mächtigen Sog erzeugt wie etwa beim großen Hochformat "Rasender Wald".
Die öffentliche Begeisterung um die neuen deutschen Maler und die Leipziger Schule während der Nuller Jahre hat Franziska Klotz eher kalt gelassen, sie freut sich aber trotzdem über Vergleiche mit Künstlern wie Richter oder Matthias Weischer. "Ich habe das natürlich verfolgt, aber Hypes interessieren mich nicht besonders. Ehrlich gesagt fühle ich mich am wohlsten, wenn ich im Atelier bin, alle Einflüsse wegschalte und arbeiten kann. Meine Kunst muss authentisch sein." Klotz spricht selbstgewiss, ohne arrogant oder überheblich zu klingen. Es ist die unbekümmerte Selbstgewissheit, die eine selbstständige Unternehmerin auszeichnet.
Franziska Klotz wird von der Galerie Kornfeld vertreten, die am Wochenende eröffnet. Adresse: Fasanenstraße 26, Charlottenburg. Infos: www.galeriekornfeld.com
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