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100 Dinge in Berlin

Die Entdeckung der Museumsinsel

In der Alten Nationalgalerie in Mitte ist er noch möglich, der ungestörte Kunstgenuss
Museumsinsel

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Berliner, zumal wenn sie nicht mehr im schulpflichtigen Alter sind, trifft man hier eher selten. Das ist schade, denn um die Museumsinsel in der Mitte Berlins beneiden uns viele Metropolen. Sie Schulklassen und Touristengruppen zu überlassen - dafür ist sie viel zu schön. Und das Beste: Es gibt immer noch ein paar Ecken in dem aus fünf Monumentalbauten bestehenden Ensemble, die wenig frequentiert sind. Dort können die Besucher zumindest einige der hier versammelten Schätze so ungestört genießen, wie dies wohl König Friedrich Wilhelm III. vorgeschwebt hatte, als er 1810 per Kabinettsorder bestimmte, "eine öffentliche, gut gewählte Kunstsammlung" anzulegen.

 

Gut gewählt war nicht nur der Ort im Herzen der Stadt, sondern auch der mit den Planungen beauftragte Architekt: Karl Friedrich Schinkel. Als erstes Museum wurde 1830 das imposante Alte Museum fertig, 1859 folgte das königlich-preußische Museum (heute Neues Museum) und 1876 schließlich die Nationalgalerie (heute Alte Nationalgalerie), die nach Plänen des Schinkel-Schülers August Stüler errichtet wurde. 1904 wurde das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum), 1930 das Pergamonmuseum fertig, das in den kommenden Jahren um einen weiteren Flügel am Kupfergraben erweitert werden soll.

 

Vielleicht liegt es daran, dass der tempelartige Bau der Alten Nationalgalerie, in den man durch den wunderschönen Kolonnadenhof über eine monumentale Außentreppe gelangt, etwas versteckt hinter dem Alten Museum und dem Neuen Museum liegt: Jedenfalls fanden von den 3,2 Millionen Besuchern der Museumsinsel im vergangenen Jahr "nur" 305.000 den Weg dorthin. Zum Vergleich: Ins Pergamonmuseum strömten im gleichen Zeitraum 1,3 Millionen Besucher, die Nofretete im Neuen Museum wollten immerhin 900.000 Gäste sehen.

 

Die Besuchermassen, die gut 200 Jahre später auf die Insel drängen, konnten weder der König noch der mit den Planungen beauftragte Schinkel voraussehen. Deshalb gleicht die Museumsinsel derzeit auch einer großen Baustelle, direkt Am Kupfergraben entsteht die Baugrube für das neue Empfangsgebäude nach den Plänen des britischen Architekten David Chipperfield.

 

In der Alten Nationalgalerie ist jedoch von Baulärm und anderen unangenehmen Begleiterscheinungen der regen Bautätigkeit nichts zu spüren. Nach der umfassenden Generalsanierung war die Alte Nationalgalerie 2001 das erste Gebäude auf der Museumsinsel, das wieder eröffnet wurde. Von den schweren Schäden, die das Haus im Zweiten Weltkrieg erlitt, ist anders als im Neuen Museum, das erst 2009 wieder eröffnet wurde, nichts mehr zu sehen. Chipperfield, der die Restaurierung des Neuen Museums leitete, hat die Schäden des Krieges nicht überdeckt, sondern bewusst sichtbar gelassen. Ein Sanierungskonzept, das mit internationalen Auszeichnungen nur so überhäuft wurde.

 

Die Alte Nationalgalerie dagegen mit ihren prächtigen Zimmerfluchten erlaubt dem Betrachter, ganz einzutauchen in eine der schönsten Museumsarchitekturen des 19. Jahrhunderts, in der passenderweise auch noch einige der schönsten Gemälde desselben Jahrhunderts gezeigt werden. Der Rundgang durch das Haus gleicht so einer Zeitreise ins Reich der preußischen Könige und deutschen Kaiser, zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg. Neben den Großmeistern der Romantik und des Impressionismus wie Caspar David Friedrich und Max Liebermann kann man hier auch weniger bekannte Meisterwerke finden - und eine überraschende Entdeckung machen. Viele der Alltagsszenen, die die Künstler vor mehr als 100 Jahren festgehalten haben, wirken so frisch und modern, als wären sie erst gestern gemalt worden.

 

So hängt in einem der hinteren Räume im zweiten Ausstellungsgeschoss etwa das "Heideprinzesschen", das Fritz von Uhde 1889 porträtierte. Selbstbewusst und keck posiert das kleine Mädchen mit den nackten Füßen, an einem langen Grashalm kauend inmitten hoch wuchernder Gräser und Disteln. Ganz so, als ob es mit seiner Kindergruppe aus einem halbwegs antiautoritären Kreuzberger Kinderladen einen Ausflug machen würde. Oder der "Blick auf Hinterhäuser" des Großmeisters Adolph von Menzel. Ähnelt das Motiv nicht der Szenerie an der S-Bahn-Strecke zwischen Schöneberg und Steglitz?

 

Wem solche Kunstschätze dann doch nicht reichen und wer die ganz großen Highlights der Museumsinsel partout sehen will, der sollte sich allerdings gut überlegen, ob er den Besuch spontan unternimmt. Der monumentale Pergamonaltar im Pergamonmuseum und die Büste der ägyptischen Königin Nofretete im Neuen Museum haben so viele Fans, dass der Ticketkauf für diese beiden Museen zu einer Nervenprobe werden kann. Die Wartezeit in der Schlange vor dem Pergamonmuseum kann durchaus eine halbe oder dreiviertel Stunde betragen. Daher der Tipp: die Tickets vorher im Internet oder am Telefon bestellen.



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