Bühnencheck
Die Scollo mit Cello in Wilmersdorf
Wenn Etta Scollo singt, haucht ihr intensiver, klarer Gesang den Geschichten, die sie mit ihren Liedern erzählt, Leben ein.
mehr »Bernd Hoffmeister sitzt hinter seinem Schreibtisch. Ein trüber Nachmittag. Die Lampe brennt. Draußen regnet ist. Ein Brief liegt vor ihm. "Wir freuen uns...", so geht er los. Ein paar Sätze später die Hiobsbotschaft. 2014 gibt es kein Geld mehr. Das Schreiben kommt von der Senatskulturverwaltung, die dem English Theatre Berlin mitteilt, dass nach einer Juryempfehlung die Unterstützung für die Bühne ausläuft. Für 2013 gibt es nochmals 100.000 Euro im Rahmen der Basisförderung, danach nichts mehr - alles vorbehaltlich der Zustimmung der Politik.
Auf der ruht die Hoffnung von Bernd Hoffmeister. Der Geschäftsführer des English Theatre, der die englischsprachige Bühne vor 20 Jahren in Kreuzberg gegründet hat, möchte nicht über seine Gefühle sprechen. Sondern ganz pragmatisch den Blick nach vorne richten. Obwohl, dass es im Vorfeld der Jury-Entscheidung keine Gespräche gab, dass nichts kommuniziert wurde, das verwundert ihn schon. Aber mehr möchte er dazu nicht sagen.
Am Dienstag hatte eine von Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) eingesetzte Jury ihre Empfehlungen für die Theater- und Tanzförderung 2013/14 vorgestellt. Insgesamt wurden rund sieben Millionen Euro verteilt an Puppen- und Figurentheatergruppen, an Tanzensembles, Sprech- und Musiktheater und Performance-Gruppen.
Seit 1995 wird das English Theatre gefördert - möglicherweise ist diese lange Periode auch ein Grund für die Streichung. Wobei die Jury natürlich künstlerisch argumentiert - das ist ja ihre Aufgabe. Sie vermisse ästhetische Innovationen im English Theatre, begründete ein Jurymitglied. Ein Kritikpunkt, den der künstlerische Direktor Günther Grosser, der im Moment wegen Gastspielen in den USA unterwegs ist, nachvollziehen kann: "Wir setzen tatsächlich nicht immer und überall auf Avantgarde und neue Ästhetiken", schrieb er in einer Mail. Das liegt naturgemäß auch am Sujet. Das anglo-amerikanische Theater hat einen ausgeprägten Hang zum Realismus und zum Stück und weniger zur Performance.
"Es geht nicht um Ästhetik, es geht um mehr", sagt Bernd Hoffmeister und wird ein wenig kämpferisch. "Ich denke, Berlin braucht ein English Theatre und sollte sich das auch leisten." Für die Community. In der Stadt lebten über 100.000 Menschen, die Englisch als Muttersprache haben. Die Auslastung läge bei über 90 Prozent, knapp 10.000 Zuschauer kämen zu den Eigenproduktionen und Gastspielen, das ist für ein Haus dieser Größe ein ordentlicher Wert. Auf "unserer Bühne präsentieren und diskutieren junge englischsprachige Autoren ihre neuen Stücke, das erfolgreiche Science&Theatre-Programm schlägt einen Bogen zur Wissenschaft". Hoffmeister sammelt schon mal Argumente für die Sponsoren- oder Partnersuche. Und natürlich die Lobbyarbeit, die in den kommenden Wochen und Monaten ansteht. Der Geschäftsführer ist da optimistisch, schließlich seien ja schon häufiger Empfehlungen einer Jury später von der Politik korrigiert worden: "Vielleicht sind wir auch einfach im falschen Fördertopf."
Außerdem ist die Entscheidung kulturpolitisch auch aus einem weiteren Grund problematisch: Das English Theatre teilt sich nämlich die Spielstätte an der Fidicinstraße seit einigen Jahren mit dem Theater Thikwa. Beide profitieren davon, nutzen Synergieeffekte und sparen dadurch Kosten. Das Theater Thikwa könne die Spielstätte aber nicht allein unterhalten, das hätten ihm die Kollegen schon gesagt, betont Hoffmeister. Dieselbe Jury, die dem English Theatre den Zuschuss gestrichen hat, hat ihn für das Theater Thikwa bewilligt. Sowohl 2013 als auch 2014 bekommt das eine Förderung in Höhe von jeweils 130.000 Euro. Offenbar setzt auch die Jury darauf, dass das English Theatre sich andere Finanzquellen erschließt - und weiterhin existiert.
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