Bookmark and Share
A A A

Filme

Passend zum Yoga-Trend: "Der atmende Gott - Reise zum Ursprung des modernen Yoga" und "Utopians"

Auf einmal machen es alle - diese viel verwendbare Zeitgeistdiagnose trifft aktuell auf nichts besser zu als auf Yoga. Yogaschulen eröffnen in allen Stadtteilen, im Freundeskreis vervielfacht sich wöchentlich die Anzahl derer, die dort Kurse besuchen und, in etwas geringerem Tempo, auch derer, die dort Kurse geben.



Weitere Bilder

 

Da passt es gut, dass mit "Der atmende Gott - Reise zum Ursprung des modernen Yoga" ein Dokumentarfilm zum Thema in die Kinos kommt und mit "Utopians" noch ein Spielfilm, in dem ein Yogalehrer die Hauptrolle spielt.

 

Bei "Der atmende Gott" handelt es sich um ein ehrgeiziges Projekt des deutschen Regisseurs Jan Schmidt-Garre, der nach Indien fuhr, um mit den Erben und Nachfahren des "Erfinders" der modernen Yoga-Bewegung, T. Krishnamacharyas, zu sprechen. "Utopians" dagegen ist ein amerikanischer Independentfilm, bei dem ein polnischer Theater- und Videokünstler, Zbigniew Bzymek, Regie führte. Wie es oft der Fall ist, bewirkt die Gegensätzlichkeit der Filme einen aufklärerischen Effekt - beide beantworten Fragen, die der jeweils andere Film scheinbar ratlos offen lässt. Jan Schmidt-Garre wählt für seine Dokumentation die heute gängige Methode: Er formuliert sein Anliegen mit eigener Stimme aus dem Off und ist in vielen Szenen als Forschungsreisender, Interviewpartner und Yogaschüler selbst zu sehen. Weil er eine sympathische Gestalt ist, die sich nicht auf eitle Weise ins Zentrum des eigenen Films setzt, nimmt man die Ich-Inszenierung als Ausdruck der Authentizität hin.

 

Das eigentliche Kernstück seines Films bilden den Laien wie den Profi zum Staunen bringende Archivaufnahmen aus Krishnamacharyas legendärer Yoga-Schule und die Interviews mit zwei seiner ältesten Schüler, dem während der Dreharbeiten im stolzen Alter von 94 Jahren verstorbenen Pattabhi Jois und dem ebenfalls über 90-jährigen, aber quicklebendigen B.K.S. Iyengar.

 

Auf angenehme Weise bleibt Schmidt-Garre dabei stets bei der "Sache" - der Praxis des Yoga, seinen Übungen und der Frage, was es von herkömmlicher Gymnastik unterscheidet.

 

An Erklärungen , die ins Esoterische gehen oder religiöse Grundlagen berühren, zeigt sich der Regisseur wenig interessiert - womit er auf indirekte Weise einen wesentlichen Zug des "modernen Yoga" offenbart, das seine weltweite Popularität ja der Tatsache verdankt, dass Menschen aller Glaubens- und Herkunftsrichtungen sich darin üben können. Schmidt-Garres Konzentration aufs Konkrete hat aber auch den Nachteil, dass für übergreifende Fragen und Reflexionen kein Raum bleibt. Warum machen Menschen Yoga? Was ist das "Mehr" daran, dass über den "normalen" Sport hinausgeht?

 

Eine, wenn auch indirekte, Antwort darauf gibt eher Zbigniew Bzymeks sperriger und wortkarger Film "Utopians", in dem Yogaübungen nur am Rande auftauchen. Yogalehrer Roger hat meist andere Sorgen, die ihm seine trotzige Soldatentochter und deren schizophrene Freundin bereiten. Er gerät darüber so aus der Spur, dass ihm alle seine Schüler weglaufen. Am Ende betrachtet er in der Übung des "Hundes" die Welt aus der Kopfüberperspektive - und es scheint so, als ob alle Dinge leichter werden.

 

Doku: D 2011, 105 Min., von Jan Schmidt-Garre

 

+++--

 

Indiefilm: USA 2011, 84 Min., von Zbigniew Bzymek, mit Jim Fletcher, Courtney Webster

 

++---

 

Dicke Mädchen

Ziemlich fettes Kino

Der Trend geht zum Null-Budget: Zum 8. Mal stellt das Festival Achtung Berlin neue deutsche Filme aus der Metropole vor

mehr »

Film: Ruhm

Wenn das Handy zu oft klingelt

Ein Handy in einem Buch unterscheidet sich vom selben Handy im gleichnamigen Film vor allem darin, dass man sein Klingeln nicht hört. Das ist ein nich...

mehr »

Film: Take Shelter - Ein Sturm zieht auf

Der Kampf im eigenen Kopf

Am Anfang steht ein Kompliment. Curtis (Michael Shannon) erhält es von seinem Kollegen Dewart (Shea Whigham), als sie biertrinkenderweise vor dessen Z...

mehr »

Film

Das Geheimnis des Vertrauens

Die neue Kollegin ist ihm sofort sympathisch. Er möchte sie kennenlernen. Bietet ihr an, sie heimzufahren. Aber sie steigt nur widerwillig ein. Und sa...

mehr »

Struensee-Affäre

Der Arzt, der Dänemarks Königin verführte

Der dänische Berlinale-Beitrag "En kongelig affære" bietet Geschichte in bester englischer Tradition. Mads Mikkelsen gibt den Aufklärer, der zu viel w...

mehr »

Berlinale 2012

Bei "Gnade" fröstelt einem schon beim Zusehen

Eine deutsche Familie will in Norwegen ein neues Leben beginnen. Doch stattdessen widmen sich Vater, Mutter und Sohn ihren dunklen Geheimnissen. "Gnad...

mehr »