Ziemlich fettes Kino
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Er lebt auf Hawaii. Und er ist angehender Witwer. George Clooney ist Matt King. Und er ist ein Problem. Aber dazu später.
Eines Tages also erfährt Matt King, dass die Frau, die er liebte und die jetzt nach einem Bootsunfall im Koma liegt, einen Lover hatte und dass ihre vermeintlich besten Freunde Bescheid wussten. Schlimm. Matt King ist erfolgreich, er arbeitet als Anwalt hart für Geld, das er gar nicht braucht, weil er der Abkömmling und Treuhänder einer hawaiianischen Königsfamilie ist und gerade einen sagenhaften Immobiliendeal vorbereitet, der eine halbe Milliarde Dollar in die Kassen der verbliebenen Hawaii-Adligen spülen soll. Von seinem Leben (er hat zwei Töchter) hat er so leider gar nichts mitbekommen. Irgendwie aber muss man als Hahnrei reagieren. Matt King rennt los, zu den Freunden. Der Himmel ist grau, die Straße gewunden. Er hat Adiletten an den Füßen, trägt ein schrecklich gemustertes Hemd und Bermudas. Er macht sich zum Affen. Was für ein Mann!
Und das ist nur der Anfang eines Stationendramas. Payne erzählt seine Geschichten gerne so. Er schickt seine Kerle auf Reisen, auf eine Grand Tour der Männlichkeit. Matt King zum Beispiel kommt auf der Suche nach dem Geliebten seiner Gattin in geradezu geisterbahnhafter Präzision an allen möglichen Rollenmustervertretern vorbei. Dem Militärmacho, dem muskelbepackten Surfmacho, dem Familienvater auf Abwegen, dem jugendlichen Luschi-Anarcho. Alle sind sie wunderbar besetzt. Alle haben wenig Zeit. Alle nutzen sie.
Aber sie kreisen um eine leere Mitte, um eine Behauptung. Die Behauptung heißt Matt King, eine George-Clooney-Behauptung. Man glaubt ihm nicht. Nicht eine Sekunde. Clooney spielt ihn, als sei Matt King eine Regieanweisung. Gerade das Vatersein, Matt Kings Kernrolle, ist ihm so offensichtlich wesenfremd, dass es weh tut. Wobei man entschuldigend hinzufügen muss, dass er in Sachen Credibility einen ganz harten Gegner hat: Shailene Woodley spielt ihn als Matt Kings rebellische, siebzehnjährige Tochter Alex locker und bei jeder gemeinsamen Szene an die Wand.
Am Ende geht alles aus, wie es in Amerika eben ausgehen muss. Die Frau ist tot, die Familie aber gerettet. Matt King sitzt auf dem Sofa beim Eis im Kreise seiner Mädchen. Er hat sie, hat sich wieder. Das Land bleibt ihr Land. Friede, Freude, Fernsehen. Mehr Lüge war nie bei Payne. Er muss den Oscar dafür kriegen.
Tragikomödie: USA 2011 115 min., von Alexander Payne, mit George Clooney, Shailene Woodley, Amara Miller
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